Beans out and about

Farmers’ Market

Sonntag, Mai 2nd, 2010
Geschrieben von Beans

Was tun an einem 1. Mai Samstag in London, an dem der Himmel aussieht als wuerde er bald seine Schleusen oeffnen, aber nicht dazusagt, wann genau das passieren wird. Den urspruenglich geplanten Ausflug nach Brighton voruebergehend vertagt, durchstoeberten wir Lonely Planet und Time Out nach interessanten “themed walks” mit ueberschaubarer Dauer und Distanz zum (im Notfall) trockenen Heim. Das Angebot ist gross, doch weder der Bridget-Jones&Co-Film-Locations-Walk in und um Notting Hill noch der anno-Jack-the-Ripper-Whitechapel-Gruselwalk konnten uns recht ueberzeugen. Vielleicht hatte unsere Unentschlossenheit auch mit den 4 Glaesern Wein vom Vorabend und leicht pulsierenden Kopfschmerzen zu tun, und so einigten wir uns auf den einfach-mal-den-Regents-Canal-entlang-nach-Osten-und-schaun-was-passiert Walk.

Der Regents Canal, der nach Westen ueber Camden Richtung Regents Park verlaeuft,   ist auch in oestlicher Richtung mit seinem fast schon an freie Natur grenzendem Gruen mit Entengetier und bunten Hausbooten (angeblich soll hier irgendwo Keira Knightley mit ihrer “Black Pearl” vor Anker liegen) ein beliebter Spazier- und Fahrradweg. Die anliegenden Gebaeude sind meist sehr alternativ und das Mauer- und Brueckenwerk gern mit Graffiti verschoenert.

Wir schlenderten gute 2 Kilometer meditativ am Wasser entlang bis wir ohne besonderen Grund beschlossen links abzubiegen, und fanden uns ploetzlich am Broadway Farmers’ Market in London Fields wieder. Hier scheinen ueberwiegend intellektuelle hip Kids im 80er Jahre Style zu leben – Frauen mit Kurzhaarfrisuren, Ray Ban Brillen und braunen Herren-Lederschnuerschuhen; Typen in engen Hosen und Jacketts mit Schulterpolstern, die ihren Kontrabass spazierentragen. Die Strassencafe’s quollen ueber und der Markt war in vollem Gange. Von live am Spiess gebratenem Schwein ueber frische Austern bis hin zum 5 Kilo Block Blauschimmelkaese wurde alles dargeboten, was das Bio-Herz begehrt. Und da sage noch einer, dass die Briten nix von gutem Essen verstehen…

Auch bei uns ums Eck in Angel, sowie in den meisten Londoner Stadtteilen gibt es jedes Wochenende einen Farmers’ Market, wo Bauern aus dem Umkreis ihre eigens und mit Liebe produzierten Lebensmittel verkaufen. Die Staende haben wundervolle Namen wie “Bee Friendly” (Honigwaren), “Flour Power City” (Brot- und Backwaren), “Miss Stoneham’s Preserves” (Eingemachtes, Chutneys und Marmeladen), “Pieminister” (Fleischpasteten) oder “Seriously Italian” (Rispentomaten und Pesto). Spaetestens bei “Butterfly Meadows” oder “Sunnyfields Organic Farm” laeuft beim Anblick des frischen Gemueses das Wasser im Munde zusammen. Man kauft bei “Harvest Moon Free Range Eggs” einen Jahresvorrat Eier, ruempft bei “Gary’s Fresh Fish” kurz die Nase um dann den Kuchen von “Miriam’s Munchies” zu verfallen, und deckt sich noch schnell bei der  “Giggly Pig Company” mit frischen Wuersten und Speck ein.
Auch wenn es bei jedem Besuch des Farmers’ Market herzzerreissend schwer ist, nicht mehr als eh schon zu viel von diesen Leckereien mitzunehmen, und diese Art der  Lebensmittelbeschaffung nicht immer die billigste ist, wird einem beim Anblick des Fotos der Ziege “Jessica” neben den weissen Kaeserollen am Stand der “Wobbly Bottom Farm” bewusst, wie traurig Einkaufen im Supermarkt eigentlich ist.

Neu gestaerkt im Glauben an eine bessere Welt, mit einer Auswahl aus 27 verschiedenen Sorten Oliven als Trophaee und einem Fleischsandwich von besagter Sau am Spiess als Wegzehrung machten wir uns wieder auf den Heimweg entlang des Kanals, und just als wir wieder in unsere Strasse einbogen machte der Himmel sein Versprechen wahr und tat, was er in London am besten kann…

Fuer Interessierte (oder jetzt Hungrige):
http://www.lfm.org.uk/


Camden Markets

Dienstag, März 9th, 2010
Geschrieben von Beans

Ich habe bekanntlich eine gewisse Aversion gegen den gesellschaftlich auferlegten Shoppingwahn. Mir wird sogar insgeheim unterstellt, beim Thema Kleiderkauf eher der Mann in der Beziehung zu sein, jedoch waere sogar ich heute dazu geneigt gewesen, das Erbe meiner ungeborenen Kinder auf den Camden Markets gegen tausende retro trendy glitzi bitzi Wunderbarkeiten einzutauschen.

Ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt, um mich nicht dem verfuehrerischen Kaufrausch kampflos hinzugeben, und mich nicht in dem Labyrinth aus Gaesschen voller Muss-ich-Haben zu verlieren. Mein erster Besuch im schraegen Camden Town vor ein paar Tagen hatte aufgrund der Reizueberflutung in mir ein Gefuehl der Panik ausgeloest, und ich verliess den Markt am Ende wieder, ohne etwas gekauft zu haben – unbefriedigt und voller Sehnsucht nach den schoenen Dingen, die nicht mir gehoerten.
Heute wollte ich es besser machen.

Meine anfaengliche Ueberforderung war darin begruendet gewesen, dass die Camden Markets eigentlich aus 5 Maerkten bestehen: Camden Market, Inverness Street Market, Camden Canal Market, Camden Lock Market und dem wunderbaren Stables Market. Auf den ersten Blick scheint das Angebot schier unendlich, und um alle Staende zu durchstoebern koennte man schonmal das ganze Wochenende kalkulieren. Hinzu kamen Horden von Menschen und Touristen (hab ich das gerade wirklich gesagt?), die sich gegenseitig von Stand zu Stand schoben.

Heute war ich extra frueh losgestartet, um zur Oeffnung des Markts um 10 Uhr an der Camden Town Tube zu sein, und wurde mit einer moderaten Anzahl von Besuchern belohnt. Ausserdem hatte ich schnell den repetitiven Charakter des aus Asien importierten Plagiats-Krimskramses bemerkt, der entlang der Highstreet und am Inverness Street Market neben Rockerramsch und London Souveniers (besonders begehrt: Maennerunterhose mit Eingriff, bedruckt mit “Mind the Gap”) verhoekert wird, und konnte mich so auf den richtig guten Stoff konzentrieren. Ich hatte meine Mission unter Kontrolle, das Ziel war schaffbar. Mein Plan war, maximal alles Bargeld in meinem Portmonnaie auszugeben, was sich auf ca. 45 Pfund belief. Keine Kartenzahlung, kein Geldoutomat.

Soweit reduziert und panikfrei schlenderte ich zuerst durch den Canal Market, wo halbierte Vespas als Sitzgelegenheiten zum Biertrinken am Kanal einladen. Der Regents Canal laeuft in Ost/West Richtung quer durch das noerdliche London und ist eine beliebte Spazier-, Lauf- und Fahrradstrecke (obwohl Fahrradfahrer bei Ueberholmanoevern auf dem schmalen, ungesicherten Weg sehr aufpassen muessen, nicht ins Wasser zu plumpsen). Er wird von vielen kleinen Hausbooten gesaeumt und erinnert ein bisschen an eine hollaendische Gracht.
An einem der idyllisch am Wasser gelegenen Buden lud mich eine chinesische Verkaufskraft mit “You can try ewrising” und einer ausladenden Handbewegung in ihr kleines Accessoir Eldorado ein. “Look, here is more, you can try ewrising” wiederholte sie unermuedlich ihren messerscharfen Verkaufsslogan. Als ich mich fuer eine huebsche Kette mit einer verdaechtig leichten Taschenuhr als Anhaenger interessierte, demonstrierte sie mir kurz, wie man Uhren auf chinesisch aufzieht: Man dreht eine halbe Umdrehung am Rad und bestraft die boesen Zeiger, die nicht gleich ticken wollen mit kraeftigen Schlaegen mit der flachen Hand. Sollte auch das nichts helfen, haengt man die offensichtlich defekte Uhr zurueck auf den Staender und nimmt eine Neue.
Ich entschied mich, der netten Dame lieber nichts abzukaufen, und machte mich auf den Weg zum Stables Market.

Potenziere die Bondi Markets mit Flohmarkt Vintage Heaven, verfeinere dies mit einer Prise Fetisch und einem Troepfchen Ethno, ruehre dreimal gegen den Uhrzeigersinn und streue noch etwas Loveparade oben drauf – und voila – schon stehst du mit offenem Mund in den Stables und weisst nicht mehr wie dir geschieht.
Die alten Stallungen aus dem spaeten 19. Jahrhundert beherbergen nun die Shops junger Designer, die original Dielen und das Kopfsteinpflaster geben dem Ganzen einen besonderen arty farty Flair. An jeder Ecke neue Gerueche, Musik, Farben. Die frueheren Pferdeboxen wurden in kleine Galerien, Verkaufsraeume fuer Second Hand Troedel aller Art, Moebel, Kleider und Schmuck oder sogar in Cafe’s umgebaut, und die Gassen zieren ueberdimensionale Bronzestatuen von Pferdekoepfen und galloppierenden Hengsten (und wir sprechen hier von monumentalen Cojones, sowas hast du noch nicht gesehen!).

Ein Paar Ohrringe, eine Kette, einen Ring, ein Huetchen und ein ausgestopftes Stofftierchen spaeter hatte ich alle Eindruecke in mich aufgesogen und mein Budget liess sogar noch einen Mittagsimbiss zu. Obwohl ich mir im Lock Market meine kuehnsten kulinarischen Traeume erfuellen haette koennen, lockte mich abermals ein knallharter chinesischer Verkaufstrick an eine der vielen Fressbuden. “Hello hello, flee tly, flee tly!!!” schallte es enervierend aus jeder der Buden entlang der Gasse, und die Verkaufsdamen streckten den Passanten Gabeln mit kleinen Happen zum Probieren entgegen. Ich konnte mir diese Verkaufstaktik nur damit erklaeren, dass wahrscheinlich hinter jeder Theke ein kleiner Mao mit der Peitsche wartete, falls nicht genuegend Lunchboxen ihre Abnehmer fanden. Eine besonders hartnaeckige “Flee tly” Dame bewarb auf einem Schild die Lunchbox “Mixed Everything” fuer 4 Pfund, was sich interessant anhoerte. Also trat ich einen Schritt naeher an die Theke, wurde ohne mich mehr wehren zu koennen sofort in den Sog der chinesischen Schnellverkoestigung gerissen, fried chicken yes, fried sweet and sour chicken yes, rice noodle half half yes und stand 5 Sekunden spaeter, mit einem Berg frittiertem Etwas mit Soße in der Hand, wieder in der Gasse.

Noch leicht benommen setzte mich an die schmale Kanalpromenade, waermte meine schon leicht rauhbereiften Finger an meinem “Mixed Everything” und genoss die erste Maerzsonne. Als ich da so saß, stuermten ploetzlich um Punkt 12 Uhr Mittag die Massen den Markt, und ich wusste, dass mein Soll erfuellt und es Zeit war, hier schnell zu verschwinden. Ich lief zu Fuß entlang des Kanals zurueck nach Angel, und war stolz auf mich und meine neuen Errungenschaften.


Notes from a Small Island

Sonntag, Februar 21st, 2010
Geschrieben von Beans

Als Bean der Woche moechte ich euch diesmal ein Buch von Bill Bryson – fuer immer unangetastet mein persoenlicher (Anti-)Held und literarisches Vorbild – vorstellen, das ich zur Einstimmung auf mein Studium in Bournemouth von meiner Freundin Lisa vererbt bekommen hatte, und das seither halb gelesen und ganz vergessen in meinem Regal gestanden hat.

Damals konnte ich dem Buch nicht allzu viel abgewinnen, mein Englisch war nicht gut genug um die Witze zu verstehen, und ohne Erfahrung mit der englischen Lebensweise und Verstaendnis fuer Geographie und Geschichte des Landes war es schwer, sich mitreissen zu lassen. Aehnlich wie wenn einem jemand stundenlang und mit Begeisterung seine Urlaubsfotos von einem Ort praesentiert, an dem man selbst noch nie gewesen ist.

Fuenf Jahre spaeter und mit einem Jahr Suedengland und 9 Monaten Sydney (was ja auch England ist, nur mit den guten Dingen) in der Tasche habe ich das zerknuettelte Paperback, in dem noch ein Ryanair Bording Pass von meinem Heimflug nach Linz 2005 als Lesezeichen steckte, wieder ausgegraben. Entgegen der Empfehlung der “Times” auf dem Cover: “Not a book that should be read in public, for fear of emitting loud snorts”, kichere ich seither jeden Morgen im Bus von Angel bis Soho.

Kurz zusammengefasst: Bill Brysons humorvoller Bericht ueber seine Rundreise durch Grossbritannien.
Obwohl erstmals 1992 veroeffentlicht und deshalb nicht mehr ganz aktuell was Zahlen und Statistiken angeht, ist das Buch ein Muss fuer alle Liebhaber der britischen Seltsamkeit.

Notes from a Small Island
Notes from a Small Island

The Original London Sightseeing Tour

Montag, Februar 15th, 2010
Geschrieben von Beans

An unserem ersten freien Sonntag in London beschlossen Joerg und ich, obwohl wir das meiste davon schon kannten, uns nochmal das gesetzlich vorgeschriebene Standard Touri Programm vorzunehmen. Wir starteten am Leicester Square, der aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten in Chinatown gerammelt voll mit Menschen war, die sich alle um zu Trommelklaengen tanzenden Drachen, Strassenzauberern oder Pantomimen. Ich haette mich ja auch gern zusammen mit einem Typen im Gorillakostuem fotografieren lassen, doch der Andrang war zu gross.
Um dem Gedraenge zu entkommen wollten wir weiter nach Covent Garden wandern und dort ein bisschen durch die Gaesschen flanieren, doch an der Market Hall  war es genauso voll und es gab noch mehr Zauberer, weshalb wir gleich weiter zum Trafalgar Square aufmachten.
Anscheinend machen viele Leute sonntags gerne das Standard Touri Programm durch, denn auch zu Fuessen von Lord Nelson tummelten sich trotz Nieselregen die Massen. Die National Gallery lockte mit freiem Eintritt, und so nutzten wir die Gelegenheit (zusammen mit tausenden anderen, die die gleiche Idee hatten), ein bisschen Kultur zu tanken und vor allem dem Regen zu entkommen. Nichtmal die extrem christlich sakralen Raphael Gemaelde konnten uns abhalten, jeden Schauraum mindestens einmal zu durchwandern. Mindestens einmal deswegen, weil man aufgrund der Endlichkeit der Themen (entweder Stilleben, Landschaften, Kriegszenen, Adligen-/Selbstportraits oder etwas aus der Bibel) erst nach dem dritten oder vierten Gemaelde merkt, dass man hier schonmal durchgekommen war.
Nach eineinhalb Stunden Geschiebe durch die Gallery wurde jedoch der Unterzucker zu gross und ein koffeinhaltiges Heissgetraenk im praktischen Becher zum Mitnehmen musste her, mit dem wir (im Nieselregen) die Mall entlang zum Buckingham Palace liefen. Wir durften beobachten, wie sich die Guards, die sonst ueber Stunden hinweg nur die Augenlider bewegen duerfen, ganz nach Protokoll die Beine vertraten. Ist einem bedauernswerten Guard der Fuss eingeschlafen oder juckt’s ihn am Po, passiert folgendes: zuerst wird einmal laut gerufen, um die anderen Kollegen aus dem Daemmerschlaf zu wecken. Dann stampfen alle kraeftig mit dem Fuss, hauen mit der Hand auf ihre Waffe, wechseln sie auf die andere Seite, stampfen nochmal fest,  laufen zuerst drei Schritte nach links, dann drei Schritte nach rechts. Zurueck auf ihrem Platz wird noch ein paarmal gestampft, gerufen und auf die Waffe gehauen und alle stehen wieder still als waere nichts gewesen. Gilt es nur zu hoffen, dass damit der Juckreiz beseitigt wurde.
Der Fahne zu Folge war die Queen zu Hause und wir waren somit sicher, dass der Buckingham Palace in guten Haenden war, darum hielten wir uns nicht lange auf und marschierten direkt weiter (im Nieselregen) Richtung Houses of Parliament. Dabei trugen wir immer noch mit blaugefrorenen Fingern unsere leeren Kaffeebecher spazieren, da wir auf der ganzen Strecke von Trafalgar bis Big Ben keinem einzigen Abfalleimer begegneten. Nachdem wir endlich unseren Muell zu den beruehmtesten Glockenklaengen der Welt entsorgt hatten, machten wir uns (im Nieselregen) auf den Rueckweg entlang der Themse. Wir stellten fest, dass London wie keine andere (uns bekannte) Stadt  von imperialistischer Groesse(nwahnsinn) und (ehemaligem) Reichtum zeugt, dass das London Eye eine hoechst interessante Seilkonstruktion ist, die eigentlich umfallen muesste, und dass saemtliche Bruecken ueber die Themse fuer Schiffe viel zu niedrig sind.
Wir liefen noch das gesamte Victoria Embankment bis zur Tower Bridge hoch, bis uns die Dunkelheit und wehe Fuesse (und richtig viel Regen) dazu zwangen, das Sightseeing fuer den Tag zu beenden.
Das Fazit des Tages: Alle Touris sind entweder Deutsche oder Spanier, in London nieselt es gerne und Augen auf bei der Berufswahl, sonst endest du mit einer laecherlichen Muetze wie Marge Simpsons Turmfrisur vor einem kleinen Huettchen und stampfst mit dem Fuss.


London calling

Sonntag, Februar 7th, 2010
Geschrieben von Beans

Mind the gap, cuppa tea, blokes, mate and luv, rote Doppeldeckerbusse im Linksverkehr, schwarze Taxis, Nieselregen – ich hatte vergessen, wie sehr ich mich in London wohl gefuelt habe!

Vor 4einhalb Jahren habe ich England als frischgebackene Frau MA Digital Effects verlassen; nach einem turbulenten Jahr an der Bournmouth Uni, nach einem Jahr StudentenWG zu sechst ohne Geld, aber dafuer mit viel Spass und noch mehr Gin and Tonics.
Jetzt bin ich zurueck und wenig hat sich veraendert. London fasziniert mich immer noch wie am ersten Tag; besonders im Vergleich zu Vancouver hat hier jeder Stein Geschichte, und an manchen Ecken wuerde man sich nicht im geringsten wundern, wenn ploetzlich Sherlock Holmes hoechstpersoenlich vorbeilaufen wuerde. Die Stadt hat Flair und das kulturelle Angebot ist riesig. Hier werden Trends und Musikstile geboren, und im Kontrast dazu steht die schon fast schnuckelige royal-englische Konservativitaet, dieses “very british”, das trotz der modernen Zeiten von Einhandmischbatterie und Doppelverglasung noch immer zu spueren ist.

Was sich jedoch veraendert hat, bin ich und meine finanzielle Situation. Das ist auch gut so, denn um sich in London eine halbwegs vernuenftige Wohnung leisten zu koennen, muss man leider tief in die Tasche greifen. Ich sage nur soviel, Joerg und ich zahlen jetzt ziemlich genau doppelt so viel Miete wie in Muenchen, fuer eine halb so grosse Wohnung. Tja…
Auch die Wohnungssuche entpuppte sich etwas anstrengender als erwartet, weil wir die schiere Groesse der Stadt unterschaetzt hatten. Allein um von einem Besichtigungstermin zum naechsten zu kommen mussten wir eine Stunde Transferzeit einrechnen. Zum Glueck sind wir schon recht routiniert was Neuanfaenge in fremden Laendern angeht, und haben es geschafft, innerhalb von 2 Wochen alle organisatorischen Dinge zu erledigen. Wohnungssuche, 4 Trips zu diversen Ikeas, National Insurance Number organisieren, Bankkonto eroeffnen … und das Murmeltier gruesst recht freundlich.

Das Bankkonto war wiedermal eine schwere Geburt. Es handelt sich ja nichtmal um ein Konto mit Ueberziehungsrahmen, geschweige denn einen Kredit, sondern nur ein normales Girokonto worauf Geld einbezahlt wird. Doch als Auslaender ohne Credithistory bedarf es eines Arbeitsvertrags, einer festen Wohnhaft und eines speziellen Schriebs der Firma um nachzuweisen, dass man kein Schwarzgeldhaendler oder Steuerhinterzieher mit arg boesen Absichten ist. Die Krux an der Sache ist jedoch, dass man normalerweise nur eine Wohnung mieten kann, wenn man ein Bankkonto hat. Catch 22 sozusagen. Wir haben ein bisschen getrickst, und alles ist gut jetzt. Das einzige, was ich der HSBC Bank noch uebel nehme ist, dass ich in der Filiale nicht aufs Klo gehen durfte, weil es fuer “Premium” Kunden reserviert war. Tut uns leid Frau Laimer, sie haben keine 50 000 auf ihrem Konto und verdienen nicht 100 000 im Jahr, sie muessen leider ins Kaufhaus gegenueber zum Pipimachen gehn. Kein Schmaeh!

Morgen geht der neue Job bei Double Negative los und morgen abend werden wir zum ersten Mal in unserem neuen Heim uebernachten. Die Wohnung ist winzig aber suess, in einem verratzten 30er Jahre Gebaeude in Angel, innen aber komplett neu renoviert mit knallroter Eingangstuere, wo die Post noch durch den Briefschlitz reinflattert, und Bluemli unterm Kuechenfenster. Mit Tube oder Bus zur Arbeit dauert’s “nur” eine halbe Stunde, fuer Londoner Verhaeltnisse ein Katzensprung. Ich denke wir werden uns wohlfuehlen und bin gespannt, wie lange unser Aufenthalt hier diesmal sein wird.
Die gefuehlte Naehe zu daheim und die Vorteile der EU (funktionierendes Online Banking, kein Arbeitsvisum, kein Zoll beim Postpaket, fast keine Zeitverschiebung, telefonieren ohne Verzoegerung bei Skype, Preisschilder beim H&M in Pfund und Euro,…) in Verbindung mit guten Arbeitsmoeglichkeiten sprechen schon sehr dafuer, hier etwas laenger zu bleiben.
Mal sehen, ab wann uns der Grossstadtrummel auf die Nerven geht…