China – Tibet – Burma
Samstag, Mai 24th, 2008Geschrieben von Jens Freyler
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China… apropos… wo ist eigentlich das olympische Feuer? Aus den Medien verschwunden weil die Aufstände um die Flamme größer waren als die Werbewirksamkeit? Oder hat etwa jemand heimlich die Fackel doch entführt und deswegen sendet keiner mehr darüber? Wie dem auch sei, ich bin sicher, dass am 8. August 2008 um 8:08 p.m. (ja, die 8 ist eine chinesische Glückszahl) irgendwo eine Fackel herkommen und das Feuer erleuchten wird – egal, ob die Sportler nun teilnehmen an der Eröffnungsfeier, diese boykottieren oder nur Dummies auflaufen.
Ja, China kann schon ein abendfüllendes Thema sein, ebenso wie Tibet. Der Dalai Lama reiste dieser Tage wieder mal durch Deutschland und verbreitete die Mission seiner selbstverwalteten Region innerhalb der Großmacht China.
Bücher könnte man darüber schreiben… Und Rosita Pirrwitz hat das auch getan, ihr Buch Eine Reise durch China und Tibet ist unsere aktuelle Neuveröffentlichung. Werft mal einen Blick rein, es gibt natürlich auch eine Leseprobe dazu!
China – Tibet – Burma. Zu Burma haben wir gerade eine aktuelle Mail von Uniteam
erhalten, der Agentur, die 2006 die von uns geplante Reise (… zum Buch…) für uns maßgeschneidert hat. Einen Auszug aus der Mail inkl. einem ausführlichen Presseartikel haben wir anghängt, ein paar brandaktuelle Bilder von der Situation 45 Minuten von Yangon entfernt ebenfalls…
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In Yangon gibt es nun aber langsam wieder in den vereinzelten Stadtteilen Strom. Es werden auch immer noch Baeume von den Strassen geraeumt. Das koennte noch eine Weile dauern…
Was sich derzeit ausserhalb von Yangon und im Delta abspielen muss kann man nur erahnen. Es werden keine Berichterstatter in diese Gebiete gelassen. Zum Teil erreichen uns auch Fotos, die von Burmesen geschossen wurden und die hier in Myanmar nun die Runde machen. Diese Bilder sind zum Teil so schrecklich, dass ich mich nicht getraue sie weiter zu verschicken.
Anbei schicke ich Dir aber drei Bilder, die von meiner Kollegin geschossen wurden. Die Bilder entstanden ca. 45 Minuten Autofahrt ausserhalb von Yangon und verdeutlichen, wie die Menschen dort im Moment leben: man sitzt mit einer Plane ueber dem Kopf am Strassenrand und wartet. Diese Menschen haben wirklich alles verloren: saemtlichen Besitz, Familienangehoerige, etc. und Geld haben sie auch nicht, um sich irgend etwas kaufen zu koennen.
Im Moment sieht es Touristen-technisch natuerlich etwas mau aus, aber das hat erfahrungsgemaess nichts mit dem Zyklon zu tun; auch ohne Nargis waeren zu dieser Zeit des Jahres Monsun-bedingt kaum Gaeste im Land unterwegs. Dies wird auch bis September/Oktober weiterhin der Fall sein und ist absolut normal.
Wir bekommen weiterhin Anfragen fuer die naechste Saison, ab November 2008, und sind auch sehr froh darueber. Es waere fatal, wenn potentielle Gaeste aufgrund einer unzureichenden Berichterstattung davon ausgehen, dass die Lage in ganz Myanmar katastrophal waere.
Dem ist natuerlich nicht so: der Zyklon, der in der Nacht vom 2. zum 3. Mai 2008 Gebiete im Delta und in Yangon verwuestete, hatte KEINE AUSWIRKUNGEN auf alle anderen Destinationen im Land, wie beispielsweise Bagan, Mandalay, Ngapali Beach und den Inle See. Touristische Aktivitaeten und Besichtigungen koennen in diesen Gebieten wie gewohnt unternommen werden!
Gleichzeitg gilt der selbe Grundsatz wie nach den Protesten im September/Oktober 2007: auslaendische Gaeste sind nicht nur herzlich willkommen, sondern auch absolut notwendig, um die ca. anderthalb Millionen Menschen weiterhin zu versorgen, die direkt oder indirekt vom Tourismus leben.
Auch Yangon wird bis zum Beginn der neuen Reise-Saison wieder komplett aufgeraeumt sein. Alle Sehenswuerdigkeiten in Yangon koennen uneingeschraenkt besucht werden.
Unsere Teams arbeiten unentwegt daran, den Menschen so viel Hilfe zukommen zu lassen wie moeglich. Inzwischen haben wir auch extra ein Konto (nur fuer Spenden) in Hamburg eingerichtet. Dieses kannst Du gerne an Freunde oder Bekannte weiterleiten.
Bitte bedenke aber, dass wir keine Quittungen ausstellen koennen. D.h., man sollte uns vertrauen, dass wir das Geld sinnvoll einsetzen. In jedem Fall wird das gespendete Geld direkt und hier vor Ort zum Kauf von Lebensmitteln benutzt und auch neue Waisen-Haeuser sollen gebaut werden. Es entstehen keine Verwaltungskosten!!! Anbei einige Worte dazu von unserem Chairman, Gerhard Ruether: “Surely any help is welcome and appreciated. With us every cent will reach the needy ones. There will be no administration costs like with the large help organisations where often only 10 to 30 percent reaches the poor people. Our staff and seamen on holidays are all contributing with their personal assistance. We shall build two orphanages, one for boys and one for girls and build homes, etc.”
Es handelt sich also durchaus um laengerfristige Projekte, die wir auch so gut es geht dokumentieren werden.
Dies ist die Bankverbindung:
Berenberg Bank, Hamburg.
SWIFT: BEGODEHH
BLZ: 201 20000
Euro A/C
Account Nr. 00-20694-071
IBAN: DE83 2012 0000 0020 6940 71
USD A/C
Account no.: 05-20694-076
IBAN: DE71 2012 0000 0520 6940 76
Beneficiary: UNITEAM MARINE LIMITED
Details on payment: “Cyclone Nargis”
Dann schicke ich Dir noch einen Artikel, der letzten Sonntag in der NZZ erschienen ist:
HILFSLIEFERUNGEN AUF EIGENE FAUST INS KATASTROPHENGEBIET
WÄHREND BURMAS REGIERUNG VERSAGT, PACKEN LOKALE UNTERNEHMEN AN.
Burmesische Privatfirmen leisten wichtige Nothilfe für die Sturmopfer im Irrawaddy-Delta. Mindestens eine Sammelaktion führt jedes Unternehmen durch.
rt., Rangun
Wenn Kapitän Jerzy Wilk sich im Getümmel Gehör verschaffen will, dann greift er wie in alten Zeiten, als er noch Schiffe kommandierte, zur Trillerpfeife. An diesem Nachmittag steht er jedoch im dichten Gedränge an der Laderampe eines Lastwagens, den ein leitender Mitarbeiter seiner Firma zur Verfügung gestellt hat. Wie viele andere Unternehmen in Rangun hat sich Uniteam Marine, ein Schifffahrtsunternehmen mit 3200 Angestellten, das in Burma unter anderem Seeleute ausbildet und weitervermittelt, spontan zu Hilfsaktionen für die vom Zyklon betroffene Bevölkerung entschlossen.
Um sicherzustellen, dass die Reissäcke wirklich am richtigen Ort landen, liess er seine lokalen Mitarbeiter, denen der Zugang zum Katastrophengebiet nicht verwehrt wird, rekognoszieren. Sie wurden rasch fündig: Östlich der Millionenstadt liegt das dem Rangun-Fluss zugewandte Kyauktan. Bis hierher ist die vom Zyklon «Nargis» vorwärtsgepeitschte Flutwelle zwar nicht vorgestossen. Doch alleine Sturm und Regen haben für genug Verwüstung gesorgt. Viele der Holzhäuser und Lagerschuppen sind zerstört. Weil dadurch der im April geerntete Winterreis nass geworden ist, ist vielerorts das Grundnahrungsmittel unbrauchbar geworden. Durchnässt beginnt es nämlich nach zwei Wochen zu spriessen und wird ungeniessbar.
Bons für Bedürftige
Nach Rücksprache mit dem Dorfvorsteher wurden den Bedürftigen 3200 eilends zugeschnittene Bons verteilt. Firmenstempel und Unterschrift bezeugen die Echtheit der Zettel. Nun drängt sich eine unüberblickbare Menschenmenge um den Lastwagen. Die 17,5 Tonnen Reis, die, in 5-Kilo-Säcke abgepackt, heute verteilt werden, hat Wilk auf dem lokalen Reismarkt gekauft. Für eine durchschnittliche Familie reicht das für eine knappe Woche.
Mit Kritik an der Militärregierung, die weite Teile des Irrawaddy-Deltas abgeriegelt hat, halten sich die lokalen Unternehmen hier wohlweislich zurück. Mehr Ärzteteams und Helikopter hätten sie schon hereinlassen sollen, meint einer. Versorgungslieferungen aus dem Norden des Landes nähmen viel Zeit in Anspruch. Angesichts der Not ist man indessen zur Tat geschritten: Kaum ein Unternehmen, von Reislieferanten über Hotels und Generalvertretungen bis zu Kunstgalerien, das nicht Sammelaktionen gestartet und Lastwagen oder Schiffe aufgetrieben hat. Wenn die in den Gängen und Büros aufgetürmten Säcke und Kisten nur schneller ins Katastrophengebiet gefördert werden könnten!
Viele nehmen die Versorgung auch selbst in die Hand, weil sie der Armee nicht trauen. Sie würde, geht das Gerücht um, den neuen Reis behalten und ausliefern, was in den Kasernen schon halb verrottet sei. Verwundern würde das niemanden. Für Soldaten, so vertraut uns ein Lokaler an, sei der Militärdienst reiner Überlebenskampf. Vor lauter Entbehrung denke man nicht an den Nächsten. Für eine Rettungsaktion wie im Delta sind das schlechte Voraussetzungen.
Setzlinge und Dünger
Dass Kapitän Wilk und seine Mitarbeiter sich zunächst auf die Versorgung mit Reis beschränken, hat seinen Grund. Mit Reis kann jeder Burmese überleben. Er wird gekocht, gebraten, als Reissuppe gestreckt, zu Reisnudeln oder Reiskuchen verarbeitet. Wenn etwas Gemüse dazukommt, ergibt das eine Mahlzeit. Rasch aber, gibt Wilk zu bedenken, müsse man sich an den Wiederaufbau des Deltas machen. Sonst drohe der Ausfall des «Monsun Padi». So wird der Reis genannt, der Ende Mai gepflanzt und drei Monate später geerntet wird. Vom einsetzenden Monsunregen erhofft er sich, dass die mit Meerwasser verunreinigten Böden etwas reingewaschen werden. Doch nötig seien jetzt Setzlinge und Dünger.
Dem alten Seefahrer Wilk, der seit 16 Jahren in Burma tätig ist und sich in hiesigen Wetterlagen auskennt, ist der Zyklon unter die Haut gegangen. Zuvor seien die meisten Monsunstürme ins Gangesdelta gezogen oder allenfalls in den oberen Teil der Küste bei Sittwe. Das erste Mal sei jetzt einer unten durch und von keiner natürlichen Erhebung gebremst worden. Die vielen Flussarme im Delta hätten sich wie Trichter verhalten. Darum die Flutwelle und die Zerstörung. Nächste Woche will Wilk mit Reisladungen tiefer ins Delta fahren. Auf die Bewilligung der Regierung wartet er seit Tagen.
Liebe Gruesse und noch einmal vielen Dank fuer Deine Maill!!!
…
Also keine Spendenquittungen, aber ein Unternehmen, dass seit rd. 20 Jahren in Myanmar mit einer großen Anzahl einheimischer Mitarbeiter tätig ist (Schifffahrtsbereich und Tourismus) und sich seit vielen Jahren auch um Waisenhäuser etc. kümmert.
M.E. sollte Eure Hilfe auch dort in sehr guten Händen sein. Wir werden in dieser Richtung nochmal was tun…
Jens.







