Reiseberichte
Dubai – mehr als nur ein Stopover
Autor: jowa
Datum: Sonntag, November 8th, 2009

Auf dem Weg nach Madras: Nicht immer ist es so und schon gar nicht wie es scheint; Schon der Check-In in Frankfurt mit „Emirates“ hat etwas – von wegen Drängeln und Hektik: Die Schlange wirkt und wird geordnet und es gibt sogar eine Aufsicht, dass sich niemand vordrängelt – besonders in der „normalen“ Klasse. Ein Anliegen, das ich unbedingt vor dem Einsteigen geklärt haben will; ich habe zig hundert Zähne, Medikamente, Gerätschaften, Füllungen, Werkzeug, Apparate und Utensilien für die Behandlung von Kindern im Gepäck, so dass ich lieber nachfrage. Gewicht des Koffers zuhause, ohne Jacke (die trage ich noch, ist recht frisch): 27 Kilogramm. Damit es nicht noch schwerer wird, habe ich wenig Klamotten dabei; warum auch, man kann in Indien alles am Morgen im Quartier abgeben und abends ist es wieder da, sauber, gebügelt- und dazu liegt sogar Zeitungspapier dazwischen. Man hat ja schon etliches über arabische Länder und Medikamente gehört, egal auf was für einer Internetseite ich auch geschaut habe, immer wird davor gewarnt. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich etliche Sachspenden für Kinder dabeihabe; Dank der Spende einiger Unternehmen aus der Region Karlsruhe (Schleichwerbung: unter anderem „Sparkasse“ und BBBank“) ist es ein ganzer Batzen von Luftballons, Frisbees, Spielsachen und Kugelschreiber. Leicht gehandelt mit dem Personal am Schalter, schon mal ein guter Auftakt für ein arabisches Land!
Die erste Auskunft lautet: „Fragen Sie mal bitte bei der Auskunft“; also dort nachgefragt: „Kann ich Ihnen leider nicht sagen, aber lassen Sie lieber mal den Koffer offen, für den Fall, dass beim untersuchen etwas Auffälliges dabei ist.“ Ok, dann vertrauen wir mal den Menschen hinter den Kulissen am Frankfurter Flughafen – und nach der Landung in Dubai, dass da nichts wegkommt. Ich habe einen Zettel in englischer Sprache gleich obenauf gelegt; warum ich diese Dinge überhaupt transportiere. Zur Not werde ich dann eh ausgerufen und muss meinen Koffer durchwühlen lassen. Aber vorab informiert wirkt vielleicht „strafmindernd“! Um ehrlich zu sein, es ist ein komisches Gefühl. Notabene, das sehe ich dann später auf der Reise: Die vielen Sachen sehen im Scanner neben den Zähnen echt lustig aus – nur ein Foto wollte man nicht erlauben. Die Kinderheime warten auf die Sachen, wäre schade, wenn da nicht alles durch käme, hoffentlich aber ohne Zoll! Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht viel für mich dabei: vier Hemden, Ersatzhose, Wäsche, Socken, Waschzeug, das war‘s. Warum auch mehr? Man kann – egal in welchem Quartier – das Zeug morgens abgeben, und abends ist es wieder da. Der Service kostete beim vergangenen Mal rund 20 Cent für eine Ladung! Naja, neue Sachen habe ich auch nicht dabei, denn die nutzen keine Waschmaschine, sondern meist die Hände und einen Stein am Fluss (immer kräftig druff damit) – dafür haben sie mir auch kleine Stofffetzen an die Klamotten genäht – mit der Zimmernummer. Mal sehen ob das noch so ist!
Der Gang durch die Security in Frankfurt ist problemlos, lediglich mein Notebook und die Kamera werden auf Spuren von Sprengstoff untersucht – ich sehe ja nun wirklich verdächtig aus, so in normalen Klamotten, ohne Anzug oder Kaftan. Egal, die Zeit im Duty-Free-Laden wird vertrödelt; was soll man dort vor dem Hintergrund, dass man in Dubai einen Tag zubringt, denn kaufen? Alkohol oder technische Geräte? Mein Koffer wiegt mit dem ganzen Zeug eh schon genug, zum Glück liegt bei „Emirates“ das Limit bei 30 kg.
Kaum richtig in der Luft, der Flieger geht übrigens pünktlich um 22.20 Uhr raus, geht schon das Geschiebe im Gang los. Keine Menschenmassen wie sonst, sondern die Stewardessen mit ihren Wägen; Essenszeit. Klar, der Flug dauert rund sechs Stunden, da muss man sich ranhalten. Ich hatte bei der Buchung vegetarisch bestellt – und siehe da – es klappt, die Stewardess bringt mir ein Tablett. Ich sitze übrigens direkt am Ausgang, ein Bulkheadseat, habe somit ziemlich viel Beinfreiheit und kann mich über das Menü hermachen, immerhin eine „Award-Winning Cuisine“: „Four cheese tortellini, tossed in tangy tomatoe and mascarpone sauce, topped with freshly shaved parmesan cheese and garlic flakes. Etwa bei Budapest, Dank an die Infos auf dem kleinen Monitor, „4.26 h to go“, rund 4.000 Kilometer vom Ziel entfernt, gibt es „Mango und Coconut Cream“: „fruity mango coulis topped with cubes of chocolate brownie, encased in a coconut cream“. Als Nachtisch gibt es dann Unterhaltung auf dem Schirm: „Taking of Pelham 123“. Dieser Film läuft bei uns gerade mal in den Kinos an – hier über dem europäischen Südosten, gibt’s die Entführung der New Yorker U-Bahn immerhin in rund 11.000 Metern Höhe schon in englischer Sprache zu sehen.
Der Service geht weiter; Englisch, Arabisch, dabei ist die Crew komplett international, Araberinnen, Asiatinnen, Deutsche – die Männer sind die Chefs, was sonst. Alle wichtigen Sprachen werden auf diesem Flug von der Crew abgedeckt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das auch nicht oft bei anderen Fluglinien so service-orientiert erlebt. Eine kleine Begebenheit am Rande: Die Ansagen auf Englisch werden von Sparkle, so der Name auf dem Namensschild, von einem Zettel abgelesen. Scheint ein Neuling zu sein. Kaum verlesen, sie bereitet sich gewissenhaft auf den Text vor, man merkt es an der Bewegung ihrer Lippen vorab, verschwindet das Zettelchen zerrissen im Mülleimer. Wäre lustig gewesen, die Art der Aufschrift zu sehen. Lautschrift. Naja, ich wollte jetzt nicht unbedingt im Müll wühlen – und ich glaube nicht, dass sie mein Ansinnen verstanden hätte.

Mittwoch: Touchdown, 6.10 Uhr Ortszeit, 29 Grad sagt der Pilot, das Handy zeigt „etisalat“ als Betreiber an („etisalat welcome you to UAE. We are at your service.“) – kein Wunder, es gibt hier nur einen. Mal sehen, was das kostet? Viel zu sehen gab es übrigens beim Landeanflug leider nicht, ein paar Lichter in einem grauen Himmel über Dubai – enttäuschende Ausbeute in der Kamera. Man hatte sich das vorab etwas anders vorgestellt, so von wegen große Skyline und die Sehenswürdigkeiten … vielleicht noch eine Flughafenrunde in großer Höhe für die Fotografen drehen – aber Pustekuchen, die Maschine geht runter, grau, grau, grau, ein paar Lichter sind zu sehen, aufsetzen, fertig. Das soll Dubai sein? Das könnte auch Söllingen sein. Doch schon beim Gang aus der Maschine Richtung Koffer ist der deutliche Unterschied zu sehen: Breite, Größe, Pracht – in dieser oder anderer Reihenfolge, Säle statt Gänge, Glanz und Gold statt tristes Grau und Beton, Palmen im Gebäude, das die Höhe einer Kathedrale hat, Laufbänder, alle paar Meter ein Gebetsraum – natürlich unterschieden nach Geschlecht. Aslama! 6.45 Uhr am Gepäckband, mein Koffer dreht wohl schon ein paar Runden, egal, direkt neben dem Band ist das „Duty Free“. Bei der Ankunft, man könnte ja vielleicht gleich noch was ausgeben wollen. Hatte ich bisher in der Größe nur in Reykjavik so erlebt – dort allerdings wegen dem Alkohol, hier ist es die gesamte Palette (auch Sprit) und vor allem die Elektronikartikel (meine Kamera kostet etwa genauso viel!) Aber auffallend, es gibt Sprit in Hülle und Fülle; von wegen in Dubai gibt es keinen Alkohol! Mit dem Koffer im Schlepptau Richtung Ausgang (nicht viele steigen hier aus, die meisten sind im Transit!) und dort durch Passkontrolle (alle im Kaftan und Tuch!) und Zoll. Stempel, nachdem mein Pass auf „Spuren“ von Israel durchschaut wurde und dann die große Frage … wollen die was beim Zoll? Kein Mensch achtet auf mich und freundlicherweise auch nicht auf den Inhalt meines Koffers. Sie zeigen mir sogar den Weg Richtung Ausgang! „This way Sir!“ Keine schlechte Behandlung, das sollte man auch mal bei uns einführen, nicht nur immer das mürrische Grunzen der Grenzer bei der Einreise. Naja, hat ja was, schlechter Service, man weiß gleich, dass man wieder zuhause ist. Serviceland Deutschland!

Zunächst geht es an kleinen Ständen der Hotels vorbei – nicht von Hinz und Kunz, sondern nur von großen Hotels, die teuren, die haben hier eine Dependance (wie die Mietwägen), einen Infostand, fett gepimped mit Ledersessel, protzigem Deko, Palmen (echt!) schweren Teppichböden … Vorab habe ich schon mal die 5- und mehr Sterne-Hotels online angeschaut, da sind echte Bringer dabei, aber auch zu Hammerpreisen. Aber wer will schon eine 780 Quadratmeter große Suite über dem Meer haben – erst recht, wenn er nur einen Tag hier ist? Lassen wir mal den Preis außer acht, er liegt im Tausender Bereich. Umblicken: Der Teppichboden fällt auf, im Flughafen gibt es entweder Marmor, der glänzt als ob er alle paar Minuten poliert wird – oder Teppichboden. Von wegen billige Auslegeware, die Dinger sind schwer, teuer und haben nichts von einem Flughafenboden aus Plastik oder Baumarkt-Atmosphäre – eher ein Einkaufsparadies mit exklusiver Bedienung und so, zudem ist er an keiner Stelle, noch nicht mal vor Türen, ausgetreten. Man kommt sich verloren vor in diesen Hallen, es ist alles eine Nummer größer. Frankfurt ist zwar groß, aber Ffm könnte sich hier locker ein paar Mal drin verstecken. Man merkt, Größe (und Geld) spielt keine Rolle.

Geld, das habe ich jetzt auch, Dirham, gleich am Duty-Free-Stand gewechselt. „You can pay with Euro!“ Danke, sicher, aber ich brauche die Kohle bar, für den Tag hier. 5.25 (wenn ich es nicht vergessen habe) gibt es für einen Dirham (sogar die Münzen glänzen und die Scheine sind nicht verknittert!). Raus zum Taxistand, auffallend, die Hitze erschlägt einen in dem Moment, in dem man die Klima-Zone (also den Raum (kompletter Flughafen mit Klimaanlage) verlässt: In der Tat über 30 Grad, immerhin morgens gegen 7.20 Uhr. Zig Taxen, alle gleich, alle in Reih und Glied – ein Supervisor verteilt die Gäste zu den Taxen, alle Fahrer haben eine Uniform und die Fahrzeuge sehen aus wie aus dem Ei gepellt (alles Japaner!), von wegen verrantzte Dinger wie teilweise am Karlsruher Hauptbahnhof mit unfreundlichen Fahrern, die sich die Ärsche in der Karre breitsitzen und die Reisegäste ihren Koffer alleine in den Wagen stemmen lassen! Hier spritzt der Fahrer (Inder?) sofort aus dem Fahrzeug. Auch im Wagen kalt, die A/C bollert auf Rekordwerten, das ist kälter als beim Abflug im nächtlichen Frankfurt … Fahrt über breite Straßen, ein Taxi neben dem anderen, langsam gesellen sich andere Fahrzeuge dazu, Porsche, Rolls, Ferrari, Mercedes, Japaner, Audi … Der Fahrer ist übrigens Inder, aus Delhi, schon „six years in Dubai!“ wie er stolz verkündet. Er hat es geschafft.

Rechts und links wird kräftig gebaut, ein Baukran neben dem anderen – der Flughafen liegt mitten in der Stadt – und diese Stadt ist durchaus schon früh auf den Beinen, dabei heißt es immer, Araber schaffen erst bei Sonnenuntergang. Kein Wunder, bei den Temperaturen, schon vor dem Frühstück. Wie ist es denn dann im Sommer? Kann man sich ausmalen. Straßen, breit, breit, breit egal wohin das Auge fällt – und immer wieder Baukräne. Ankunft im Hotel „4 Points by Sheraton“ – man bleibt eben den Namen verhaftet (Internet hin oder her); schon von außen sieht der Kasten gut aus, kein Wunder bei vier Sternen. Fünf oder mehr – was hier in Dubai fast an jeder Ecke zu haben ist – müssen es nicht sein, das Geld gebe ich lieber „auf der Straße“ aus. Kaum steht das Taxi, ist mein Koffer auch schon auf dem Weg ins Hotelinnere (Inder), nur nicht zu lange in der Sonne stehen lassen, er könnte ja warm werden. Rezeption (Europäer), Formalitäten, Check-In, ruck-zuck, hoch ins Zimmer (Träger: Inder), kein Fenster zum öffnen, Klimaanlage bollert. Was ich immer gleich mache, ist den TV im Zimmer zu zappen; was gibt es alles, wie ist der Eindruck? Hier gleich ein Lacher: Talkshow; es wird geschwätzt, wie bei uns – nur versteh ich kein Wort (irgendwie logisch), zudem ist das Dekor völlig anders, vier Typen unterhalten sich, alle in Leintücher gewandet, also in Kaftan, Burnus, Kopftuch …allerdings mitten in der Wüste, sie sitzen auf Kissen im Sand! Das ist also das Lokalkolorit! Gleich ein Vorurteil begründet: Kopftuch mit oder ohne schwarzes Band um die Stirn, muss ich mal schauen was das bedeutet (Turban, Tücher, Fez, Igal, Ghutra, Topi … ), dazu folgende Kombinationen: Schnauzer (Variante 1), Schnauzer und Kinnbärtchen (Variante 2), also die Ziegenvariante, oder Schnauzer und Drei-Tage-Bart (Variante 3), fein rasiert, nicht verwildert, das versteht sich, es sind ja keine Wilden. Man hat ja alles – besonders das Geld!. Als Deko im Hintergrund gibt es im TV Gestrüpp und vorne brutzelt ein Lagerfeuer. Reihum darf jeder mal – Hauptsache geschwätzt! Irgendwie habe ich den Eindruck, dass dabei alle heiser sind, sie reden alle, na ja, sie sprechen schon laut (muss den TV runterdrehen) mit einem Anflug von „Frosch im Hals“ (viele „Ch-Laute!). Genug, husch unter die Dusche, Zeit nutzen, los.

Wieder raus in die Hitze, Stadtrundfahrt angehen, nächster erreichbarer Halt ist hinter einer Mall – wieder Eiseskälte, vorbei an vielleicht 80 Geschäften, Top-Marken, Gold, Sportzeug … zum „Big Bus“ (wie in London, Doppeldecker – aber mit Klimaanlage). Naja, ich habe einen Security-Menschen fragen müssen (kein Inder, ein Araber, aber mit Schnauzbart, Variante 1) um hier an der richtigen Stelle wieder raus zukommen. Phänomenal, ein Weg nach dem anderen, hier passt das ECE in Karlsruhe locker mehrfach rein – und es soll noch nicht mal die größte Mall sein. Die Verkäufer, so der erste Eindruck: Inder! Zwei Routen gibt es zur Erkundung der Stadt, durch die Altstadt und an der Beach entlang. Die Busse (wie in London) sind Doppeldecker, haben aber vorne oben einen (was wohl?) klimatisierten Teil! Ticket: 60 $, 24 Stunden gültig, Bus kommt, gleich rauf in die Sonne, die knallt, die Mütze ist Gold wert. Kamera fertig und los … Erklärungen zur Geschichte des Landes lass ich hier einfach mal aus. Groß, größer, noch größer – dazu grün, grün und grün – an jeder Ecke. Unfassbar, hier ist sonst nur Sand, in rauen Mengen – und jetzt? Es grünt an jeder Ecke. Durch die Blumenbeete laufen Leitungen, damit immer Wasser da ist. An anderen Ecken auf der Erde bringen sich die Menschen an Wasserstellen um, und hier? Hier wird die Wüste begrünt?! Der Wasserverbrauch ist so immens, dass man das Wasser im großen Stil aus dem Meer zieht (90 Prozent des Verbrauchs aus dem Meer) entsalzt … und dann letztlich eigentlich im Sand verrinnen lässt! Dubai soll ein Wüstenstaat sein? Zudem ist es eine einzige Baustelle: An jeder Ecke wird gebaut – und olympisch ist das an allen Ecken und Enden, größer, weiter, schneller. Ein Hochhaus, geplant mit 360 Metern Höhe, ist im Moment des Baubeginns schon veraltet, da daneben ein Komplex mit 500 Metern geplant ist – und Ideen gibt es, die 1.000 Meter-Marke zu knacken!

Das wiederum ist keine Utopie in einem Land, das eigentlich nur aus Superlativen besteht. Inseln vor der Küste, ein „Fundament“ wird gelegt, dann kommt Erde drauf, die wird angekarrt, darauf Sand – gibt’s ja hier in der Ecke irgendwie grenzenlos! Bumms: Fertig ist die Kiste „The Palm“. Eine aber reicht nicht, gleich wird weiter gebaut (das Procedere dazu hat man schon zigfach im TV gesehen), momentan wird Nummer 2 gebaut, Nummer 3 ist auch schon am Start – und auch „The World“ ist im Bau. Schön bei „Google Earth“ zu sehen … habe vor der Reise etwas gespickelt! Dazu schießen Hochhäuser aus dem Boden, Hotels en masse, Malls in völlig neuen Dimensionen. Wer soll denn eigentlich in all den Wohnungen und Büros sein? Wer soll all die Waren kaufen? Dem ersten Eindruck nach treiben die Araber Handel, machen Geschäfte, arbeiten tun andere: auf den Straßen Inder oder Pakistani, in Hotels Europäer am Empfang, Träger, Kellner etc. sind auch hier wieder Inder, in Geschäften stehen Inder, Taxifahrer sind Inder, in den Souks viele Inder. Mal ganz dumm gefragt, wo sind denn eigentlich die ganzen Araber? Nur auf den Ölfässern sitzen? Nehmen wir das Beispiel Taxis; die es übrigens von verschiedenen Firmen gibt; einfach zu unterscheiden: Die Farbe des Daches ist anders. Gelb ist „Dubai Taxi“, grün ist „Arabia Taxi“, blau sind die „Cars Taxi“ – und auch die Fahrer haben sich angepasst: Die Farbe des Daches ist bei der Uniform – passend eben – die Farbe der Schulterklappen.

Die Taxis sind eigentlich das “einzig öffentliche” Fortbewegungsmittel für Frauen; von wegen alleine hinter das Steuer oder in die Stadt gehen. Frauen sind in Dubai nicht alleine unterwegs, vor der „Burjumah Mall“ (auch riesig, mehrere Stockwerke, eiskalt, Geschäfte im dreistelligen Bereich, dazu eine Eislaufbahn mit olympischen Ausmaßen – man will ja auch mal Schlittschuh laufen!) steigen drei aus einem Taxi („Dubai Taxi“) komplett verschleiert mit der Burka – aber die Tasche ist von „Prada“ und die Sonnebrille von „D&G“ – das dürfte im Gegensatz zur Adria keine billige Kopie sein. Übrigens sind die Schuhe von „Adidas“: Beim Aussteigen aus dem Taxi hat man das erkennen können. Ich habe das auch noch wahrgenommen, Schande! Nicht, dass mir jetzt ein Araber einen Strick draus dreht, ich wollte lediglich in das Taxi einsteigen und habe die drei aussteigen lassen, dabei blitzen die weißen drei Streifen auf! Mehr war aber nicht von den Frauen zu sehen. Schon gar nicht das Alter, aber nach den Turnschuhen zu urteilen, müssen es jüngere gewesen sein. Von wegen nur schwarz ist in diesem Fall modisch, es sind in diesem Land die Kleinigkeiten am Rande, die den Unterschied machen – besonders wenn es teure Markenprodukte sind.

Zurück zur Mall: Glanz, Prunk und jede Menge Marken. Hier kann nach Herzenslust gekauft werden. Nein, ich habe nicht zugeschlagen, ich habe noch nicht mal nach den Preisen geschaut, warum auch, brauche ich diese Sachen? Aber zig Leute tragen jede Menge Tragetaschen von exklusiven Marken: Inder. Die Käufer, die sind erkennbar, laufen voraus. Es hat auf alle Fälle nicht den Eindruck erweckt, dass dies arme Schlucker sind. Unser Ölverbrauch sorgt seit Jahren dafür, dass hier manchen Leuten das Geld schier aus dem Kragen läuft. Und solange das schwarze Zeug hier gewissermaßen beim Pfosten in den Boden rammen einfach so raussprudelt, wird sich daran wohl auf Jahre nichts ändern. Kaufen, bis die Träger stöhnen, egal in welcher Mall, erlebenswert ist auch die „Mall of Arabia“, Protz, Glanz, Großzügigkeit, erstklassiges Deko, ausgesuchte Materialien, Alleinstellungsmerkmal und jede Menge Glitzer! Eigentlich ist das auch das Charakteristikum der „Mall of xyz“, denn ganz egal, wie diese Einrichtungen heißen, das Grundgerüst ist immer gleich.

Weiter mit dem Touri-Bus, Dubai Marina entlang, natürlich oben in der Sonne, habe ja eine Mütze auf, die Müdigkeit stört in keinster Weise. Man sieht ja alle paar Meter etwas Neues – auch wenn es sich oftmals irgendwie ähnelt. Hochhaus an Hochhaus (verschiedene Formen), Kran an Kran, Sand an Grün, Grün an Sand, Palmen, Glasfassaden, teure Autos, breite Straßen, Luxushotels. Aussteigen an einem Halt, ansehen, 30 Minuten später kommt der nächste Bus – die Mitreisenden sind komplett gemischt, wenig Deutsche. Der Burj al Arab kommt ins Blickfeld – wie im Film. Nie gedacht, dass ich so staunen kann. Sieben Sterne, Luxus pur, die Suite oben hat 750 Quadratmeter, kostet schlappe x-Tausend Euro die Nacht, dafür hat man einen tollen Blick (die Homepage macht es möglich, dass man da mal etwas schauen kann). Habe ich gleich als Übernachtungsalternative gestrichen. Aber vielleicht mal reingehen, auch wenn es Geld kostet… Steige in der Nähe am Strand aus, Sand schaufeln (sehr feinkörnig, ganz hell), Hose hochkrempeln, ins Wasser, kristallklar, türkis, Wohlfühlen ist angesagt! Der Bus fährt, was juckt es mich, hier bleibe ich, auch wenn die Sonne heftig brennt und kein Schatten in Sicht ist. Das Ding soll besonders in der Abendsonne und in der Nacht herrlich leuchten, das Segel wird dann angestrahlt. Dazu müsste man sich aber einen Heliflug leisten, raus aufs Meer, schauen (kommt vielleicht eines Tages noch). Die Tour geht mit dem nächsten Bus weiter, auf „The Palm“, zum Hotel Atlantis (mit Haien schwimmen, ok, einen Glasscheibe ist dazwischen). „The Palm“ ist der Hit, eine Monorail (wer will schon laufen) führt zum „Atlantis“ – rechts und links gehen die Zweige ab, abgesperrt, kleine Häuser, vorne am Stamm sind die großen Blöcke (schon hier teuer, der Rest ist unbezahlbar), zig 4,5 Stern-Hotels sind hier, alles auf dem Meeresgrund, aufgeschüttet – und nebenan entsteht die nächste Insel. Wenn die Gedanken wirklich frei sind, ist hier eines der besten machbaren Beispiele – was umsetzbar ist. Die bauen eine U-Bahn, dabei sind die Busse noch nicht mal voll, zudem eine Monorail in der Stadt, man möchte ja auch was sehen bei der Fahrt. Illusionär, Visionär, Idiotie oder Größenwahn („Hydropolis“, das Unterwasserhotel, die Skihalle oder die umgebaute und vor Anker liegende „QE2“ als reale Beispiele)? Von allem vielleicht etwas. Luxusautos fahren auf acht-spurigen Straßen an uns vorbei. Dubai dürfte wohl das Land mit den meisten Rolls sein, auf die Personenzahl bezogen.
Dabei sind 85 Prozent der Bewohner nicht aus dem Land (Bauarbeiter bekommen einen Hungerlohn, oftmals keine 20 Dollar am Tag, dennoch eine Menge für viele Asiaten), die Emirater sind klar in der Minderheit, haben aber die Kohle. Einem Bericht zufolge, sind 5 Prozent der (Gesamt-)Bevölkerung „mindestens“ Millionär (mehr als in Baden-Baden!). Mit anderen Worten, 200.000 Emirater gibt es, davon quillt rund 70.000 das Geld aus dem Kragen. Du brauchst Geld? Warte mal, ich muss nur mal kurz im Wüstengarten einen Pflock in den Boden rammen … Die Wüste macht es möglich, auch wenn hier meist die Wüste in eine künstlich bewässerte Landschaft verwandelt wird. Aber auch das Urtümliche wird erhalten, als künstliche Anlage (warum nicht einfach mal was lassen?) „Dubai Bawadi“ (im „Dubailand), eine unbebaute, aber angelegte, hügelige Sandwüste. Soll dann aussehen wie der „Strip“ in Vegas – mit Hotels.
Weg von der Hotelgegend Jumeirah: Shopping in der Burjumah-Mall ist der nächste Stopp, wieder Protz, Glanz, Glitzer, Vielfalt, alle großen Marken (Preise wie bei uns, leicht drunter) – und danach in den alten Teil der Stadt (Bur Dubai), raus aus dem Bus, zu Fuß weiter durch die engen Gassen. Fast nur kleine Geschäfte, keine Klimaanlagen, Ventilatoren an den Decken, ich setze mit einem der Abras über den Creek (kostet 1 Dirham) nach Al Khabaisi und Deira. Soll man schließlich machen, steht in jedem Reiseführer. Ein Holzkutter, bei dem man in zwei Reihen an der Außenwand sitzt, hinten tuckert ein Motor – zig Boote sind unterwegs, man wird zum nächsten abfahrenden geleitet. Komisches Gefühl, schwankend, baufällig, es kommt aber zu keinem Zusammenstoß, trotz der vielen Kutter, die sich um die Anlegeplätze fast balgen, sichere Ankunft – habe aber das System nicht verstanden warum die einen links und die anderen rechts rum gefahren sind. Weiter durch die Gassen, Blick in die Läden, Händler energisch bis nervend, Klamotten (billige T-Shirts), Schmuck, Gold, Gewürze, Tand. Fehlen nur noch Glasperlen, dann hatten wir das in der Geschichte schon mal … Hier ist Dubai wirklich das „Do buy“! Im Gold-Souk kommt einem Ali Babas Höhle vor wie eine Bruchbude; hier glitzert alles. Kaufpreis nach Gewicht, minus Handelsergebnis!


Was bleibt, was soll man noch alles machen? Kaufen, ansehen, laufen, genießen, Rundfahrt, Kaffee trinken? Zeit für Innenbesichtigungen und Museen habe ich dieses Mal leider nicht, die Zeit rast. Dabei würde mich hier noch jede Menge reizen: „Heritage Village“ (Handwerkskunst) oder das „Diving Village“ (Perlen!) reizen – von einem Ausflug in die Wüste (mit Spaziergang auf Dünen), vielleicht mit dem Jeep fahren oder mit Snowboards die Düne wieder runter. Ausflug nach Abu Dhabi oder eines der anderen Emirate. Der Reiz der Stille, der Weite in der Abend- oder Morgensonne. Richtig baden im Meer, Sandburg in der Wüste bauen, Restaurant im Emirates Tower, Al-Dawar Restaurant im Hyatt Regency, das dreht sich, soll einen tollen Blick über die Stadt bieten. Besuch im Souk Madinat, Einkaufen und Abendprogramm (mit Disco) …

Rückblickend: Was man so alles in einen einzigen Tag in einem neuen Land packen kann: Ich bin wie erschlagen, war den gesamten Tag unterwegs, bin marschiert, durch Souks gestiefelt, durch Gassen gelaufen, bin in einem Kutter auf der Creek gefahren, habe eine Big-Bus-Tour gemacht, habe so gut wie alles gesehen, was ich sehen wollte: Burj al Arab, „The Palm“, Meer, Sand, Häuser, Malls, nur eines ist noch offen, das ist die Wüste, das reicht mir nicht mehr – und das kann ich auch an einem andern Tag mal machen. Irgendwie merkt man die Grenzen eines Eintages-Aufenthalts! Zudem tun mir die Beine nach dem Sechs-Stunden-Flug weh, Beinfreiheit hin oder her – ich hätte vielleicht doch ein paar Mal hin und her laufen sollen im Flieger – zudem konnte ich nicht schlafen, habe mich zwar in eine Decke eingemümmelt aber konnte nur etwas dösen … schließlich gab es 600 Programme zu entdecken (nicht alle geschafft).



Abend im Hotel: Die Rezeption hat WLAN (schön!), ich trinke Tee mit frischen Minzblättern (mal sehen, was das kostet), überlege, ob ich noch irgendwo etwas zu essen bekomme. Obwohl, da bin ich mir ziemlich sicher, denn die lassen es hier abends ziemlich krachen (steht im Reiseführer), vielleicht muss ich nicht mehr weg, dann kann ich hier im Hotel eine Kleinigkeit spachteln, es werden schon keine Schafshoden oder Lammaugen sein! Der Aufenthalt in Dubai ist auf alle Fälle zu kurz – das steht schon jetzt (19 Uhr, dunkel, knapp 12 Stunden hier) fest. Wenn ich es Revue passieren lasse: Auffallend ist der Kontrast: Von wegen arm und reich! Pracht, mehr Pracht, Größe, noch mehr Größe – das ist die Dimension hier. Wenn man diese Umgebung charakterisieren sollte: Wüste, heiß, Klimaanlagen, Weite, Hochhäuser, Grün, Geld, Protz, Laden an Laden, noch mehr Geld. Durch unsere wöchentlichen „Aktionen“ an den Tankstellen quillt denen hier das Geld sprichwörtlich aus dem Kragen. Gold wird hier mittels Waage verkauft – nach dem Tagespreis am Markt, egal, was die Bearbeitung gekostet hat. Man kann nur mit dem Kopf schütteln. Nur mal so am Rande erwähnt: Sogar die Bushaltestellen sind mit Klimaanlagen ausgestattet, eine nach der anderen. Unfassbar. Eine riesige Halle zum Skifahren steht im Sand, Luxus-Hotel an Luxus-Hotel, Autos in mindestens acht Spuren mitten durch die Stadt und alles in der Hitze.

In Abu Dhabi – man kann ja noch einen drauf setzen – haben die „Überlandstraßen“ zudem Sträucher, Dattelpalmen in der Mitte – zur Begrünung in der Wüste. Entlang ausgewählter Strecken brennen auch Lampen, damit man sich in der Wüste nicht so alleine vorkommt? Es waren heute 35Grad (im Sommer sind es im Schatten über 45 Grad, da will keiner raus) – und es war noch nicht mal komplett sonnig. Die angelegten Inseln sind irrsinnig. Ok, ich habe mir zum Tee echt überlegt, das „Hightea“-Angebot zu nutzen und ins Burj al Arab zu gehen, das wären dann stolze 80 Euro. Aber ich habe es gelassen, das Geld gebe ich lieber anders aus. *lach*.
Alles ist hier größer, die Straßen breiter, an jeder Ecke wird gebaut, man staunt mit offenem Mund (trotz Hitze). Bei uns heißt das Konjunkturprogramm (ich kann es nicht mehr hören), aber hier ist die gesamte Stadt, der Staat ein Konjunkturprogramm. Alles, zu jeder Zeit, in jedem Bereich, an jeder Ecke. Sie bauen eine U-Bahn (Grüße nach Karlsruhe), aber das Projekt reicht nicht – sie bauen dazu eine Monorail (hochbahn) drüber (fast gleiche Strecke, Idee für das Rathaus in Karlsruhe?), dann gibt’s die Inseln, eine neue Formel-1-Strecke, einen Vergnügungspark, zigmal größer als „Disneyland“, Architekten dürfen sich bei den Hochhäusern austoben. Schon seltsam, wenn Geld so im Überfluss vorhanden ist, da kommt man schon auf skurrile Gedanken und Pläne.
Inder an jeder Ecke (auf der Straße), Sprache und Habitus lässt sie einteilen (devot!): Parkwächter (europäische Preise!), Träger, Putzer, Türöffner, Fahrer, Arbeiter … – die Araber im Burnus oder Kaftan mit Mützchen und Tuch drüber (muss schauen wie die Dinger heißen), Befehle, lassen arbeiten, irgendwie wie das Geld. Am Nebentisch geht es gerade übrigens um Investment, Sprachfetzen dringen an mein Ohr: „we were involved“, „five million“, „what happend“. Ein Kaftanträger schaut gelangweilt – vielleicht auch ob der Summe (you never know) und die Engländer am Tisch haben einen roten Kopf, werden lauter, der Araber grinst und streicht sich über den Bart (Variante 2). Man will nicht, ertappt sich aber ständig, dass man die Einwohner ob des Erscheinungsbildes einteilt.
„Is this your company?“: Am Nebentisch wird es lauter, die werden jetzt ja nicht gleich Dolche unter dem Gewand rausziehen? Ich glaube, etwas zu lauschen, ist zwar nicht besonders fein, aber immerhin bestimmt spannend. Blätter wechseln über den Tisch. „We did that already!“ Ok, vielleicht wurde einer geschmiert und es läuft trotzdem nicht so richtig? Was man alles so vermutet. Dubai hat rund 1,5 Millionen Einwohner (85 Prozent davon leben hier in der „Stadt“) – und Scheich Muhammad Bin Raschid al Maktum hat mit seiner Familie seit 170 Jahren alles im Griff im zweitgrößtem Emirat. Aber sie bauen hier, als ob es in den kommenden Jahren 5 Millionen werden sollen – und dazu hunderttausende Touris. Wer soll den in all den Wohnungen, Büros und Hotels rein? Aber immerhin finden sich an den vielen Bauzäunen Zettel: „Sharing Room“, „Bad Space“. „Partition for …“ Also Wohnungsknappheit, immerhin sind rund 250.000 Fremdarbeiter im Land – für die gemeinen Tätigkeiten. Das merkt man übrigens schon im Flieger (Rückflug). Kuriosität am Rande auf dem Trip von Chennai nach Dubai. Da stehen die Leute vor dem Klo und wissen nicht, wie die Klapptüre funktioniert. Immerhin kostet der Flug rund 7.700 Rs. (1 Euro = 67 Rs.) Zurück nach Dubai; alleine auf „The Palm“ sind zig 5-sterne-Hotels, unglaublich auch die Menge der Luxus-Autos, Rolls, Ferraris und Bentleys stehen an jedem Häuschen (abgesperrte Areale), die Fahrer polieren sie, reiben also den Wüstenstaub (immer in der Luft) schön in den Lack, Ach was, was macht das schon in einem Land, in dem man einen neuen Wagen kauft, wenn der Aschenbecher voll ist. Der Flughafen wurde ausgebaut, der alte reichte nicht mehr – er ist auch nur 20 km weg – und Abu Dhabi ist auch nur eine Stunde (Auto) weg – die haben den Luxus ebenfalls. Zudem könnte man Kirchen komplett in die klimatisierte Halle stellen. Ok, kein guter Witz, das passt im Islam nicht so recht. Aber solch ein Ausmaß, Teppichboden, Laufbänder, damit der Burnus nicht auf dem Boden schleifen muss. So viele Dinge, die Fragen aufwerfen, die man in der Schnelle der Zeit auch nicht erfassen, vielleicht wahrnehmen, aber schon gar nicht verstehen kann. Ich begebe mich jetzt auf Essens-Suche, wohl doch indisch, da kann man a) nichts verkehrt machen und b) ist es eine Einstimmung auf Indien. Hoffe mal, dass ich fern von Dubai auch bald wieder Netz finde. „Massa’ in-nuur!“
Zweiter Tag in Dubai, das ist eigentlich übertrieben, denn es sind ja nur ein paar Stunden. Wach werden nach kurzer Nacht (war vegetarisches indisches Essen neben dem Hotel („Delhi Deli“), Vegetable, Puri, Dal und Reis, zahlbar waren die rund 20 Euro (teuer!) mit Karte, duschen, der TV läuft (wieder Talksendung!), kaum im Frühstücksraum, scharen sich die Bedienungen um einen (Inder), fehlt nur noch, dass man sich die Gabel zum Mund führen lassen muss. Zum Frühstück gibt’s hier „Bombay toast“, heißt hier aber „French toast“, wird von einem Inder gemacht, ein anderer bringt ihn – und ein dritter richtet das Besteck aus. Sollte vielleicht mal nachmessen: 90 Grad zur Tischkante … Auf alle Fälle gibt es auch eine Vielfalt beim Essensangebot hier, lustigerweise kennt man viele Verpackungen (europäisch, sogar die Butter). Zeitung „Gulf News“ (höherwertiges Papier, große Bilder, Englisch) durchgeblättert, muss mich sputen, will noch was sehen. Die Sachen sind gepackt, deponiert beim Concierge, nochmals raus auf die Khalid-Bin-Al-Waleed-Straße (Straßenschild nicht nur Arabisch!) in die angrenzenden Gassen, Shops anschauen. Heerscharen von Menschen (meist aber keine Araber) sind unterwegs, viele bleiben an den Bauzäunen stehen und lesen die angeklebten Zettel „Bed Space“, „Sharing Room“ oder „To Let“. So heftig momentan gebaut wird, die Wohnungsknappheit ist spürbar, gerade im Segment der Fremdarbeiter aus Asien. Eine Wohnung kann sich nicht jeder leisten, also gibt es viele WGs. In der Nähe des Hotels ist ein Lebensmittel (und mehr)-Laden, der ein phänomenales Angebot vorhält. Lebensmittel (Fisch-Chips!), viel Obst, Wasser in allen Schattierungen (wir sind ja auch eigentlich in der Wüste), Frischprodukte, Zeitungen, Spielzeug, alkoholfreies Bier (zwei gekauft, kommen noch in den Koffer) – und eine abgetrennte „Non Muslim Section“, dort übrigens jede Menge „Corned Beef“. Betreiber und Verkäufer fast nur Inder, trotzdem in den Läden stöbern, noch Sachen gekauft. Weiter die Straßen entlang, Händler an jeder Ecke, T-Shirts gekauft (10 Euro), fasziniert dem Trubel im Souk zugeschaut. „Dubai ist sicher!“ Diese Aussage steht in so gut wie jedem Reiseführer. Kein Wunder, die Rechtsprechung ist gegenüber unserer europäischen wesentlich härter. Schon der „übermäßige“ oder öffentliche Alkoholkonsum führt gleich zu Knast. Zum Abkühlen flugs in eine der klimatisierten Wartehäuschen, das Handling bei einem Bus ist „very british“! Schlange stehen, kein drängeln – und lustigerweise werden die Frauen vorgelassen. Hab mal nachgeschaut; gehört die Frau zu einem Mann, ist er zuerst dran, dann sie, dann die anderen Frauen, dann die Männer. Vorne sind übrigens dann Frauensitzplätze – und eine Fahrt kostet 2 Dirham, egal wie weit. Aber der Wechsel zwischen 18 und 35 Grad ist schon heftig, rein und frieren, raus und gegen eine Wand laufen … man kann es ich aussuchen. Komisch, egal wo, man setzt sich in diesem Land fast ständig der Versuchung aus, günstige Ware zu erstehen, doch der Koffer ist eh schon voll. Und mal ehrlich gefragt, was soll man mit den ganzen Sachen? Ich fliege weiter nach Indien. Erlebenswert ist so ein Gang durch diese Welt aber allemal, bietet er doch einen schönen Einblick. Zurück zum Hotel, Taxi zum Flughafen, bin früh dran falls es Probleme mit den Sachen im Koffer gibt. 30 Minuten Fahrt, gelbes Taxi, Bartvariante 1, Fenster auf, will Bilder machen und Geräusche hören.

Aussteigen, Koffer wird mir schier aus der Hand gerissen und rein gerollt. Ein großer „Can I help you?“-Aufdruck befindet sich auf den Hemden der Männer (weit und breit keine Frau zu sehen). Übrigens laufen in der gesamten Stadt etliche mit solchen Hemden rum. Service eben. Dubai plant für die Zeit nach dem Öl – im Tourismus. Die Tourismusbehörde kurbelt kräftig, man möchte auf die ausländischen Gäste, auch wenn sie nicht der herrschenden Religion (eine Kröte muss man schlucken für das Geld) angehören, einen guten Eindruck machen und auf alle Fälle vorbereitet sein. „Online Check-in?“ „No!“ „Then this way please!“ Große Hallen, lange Gänge, alles glänzt, sauber, mache verbotene Bilder, lege die Kamera in den Rucksack, Objektiv raus und probiere es halt mal (klappt ein paarmal). Anstehen, Handgepäck wird schon hier gescreent, die Schlange wird wieder gesteuert, Sitzplatz am Fenster ergattert, Koffer lass ich offen, kein Problem. Gang zum Immigration, Stempel, Security, kein Piepsen, gegen eine Wasserflasche hat man hier nichts. Ist auch zu verstehen in einem Land, das ja eigentlich nur aus Wüste besteht, wo man froh ist, Oasen zu finden. Da sind die Wurzeln wohl noch in jedem Kontrolleur (übrigens wieder mit Kaftan etc., Bartvarianten 1 bis 3). Rolltreppen (Plural!) nach oben. Glas, Glanz und Weite: Ich bin im Duty Free-Bereich angekommen. „Do buy!“ Unfassbar, das „Shoppingparadies in between“, das gestaltet sich hier zu einem Erlebnis. Alles was man will, zu phänomenalen Preisen: Kameras, Schokolade, Uhren, Marken-Produkte, Souvenirs, Getränke, Zigaretten, Schmuck, Gold. Es ist wahrlich alles hier zu haben, vom Bleistiftspitzer bis zum Auto, alles ist hier zu haben, sogar im Moment des Umsteigens. „We will deliver, sir!“. Hier trifft sich alles, ein Hub von den Fernost- und Afrikaflügen – und dementsprechend ist es auch crowded; Stimmengewirr, Priestersoutane neben Kaftan, Mohammedaner neben Inder und Europäer, tief verschleiert neben Shorts und Tank-Top (zu klein!). Es ist schon lustig, diese Kontraste so geballt zu erleben. Gleich am Eingang steht übrigens ein Auto auf einem Podest – das ist sie, die bekannte Verlosung. Luxus-Karren, nur 2.000 Lose (je 500 Dirham = 100 Euro) Eigentlich ein guter Deal, reizt ja schon, mal sehen, der Transport an den Wohnort ist auf alle Fälle drin im Preis. Ist aber nicht die einzige Verlosung hier … Die 500er „Eos“-Kamera (bei uns rund 650 Euro) kostet im Bundle hier 900 $ (auch nicht gerade spottbillig). Dafür sind die Kippen fast nachgeworfen (Box Gauloises: 8 Euro), „Johnny Walker“ kostet der Liter red 18 $, black 33 $, dazu gibt es noch blue, green und gold (alle drei noch nie gesehen) zu entsprechend steigenden Preisen. Mal auf dem Rückweg die „Probepackung“ kaufen.
Sogar einen eigenen Stand mit Gold gibt es hier, da liegen die Goldbarren fein sortiert wie Schokolade aus. Sieht lustig aus, denn es sind nicht nur ein paar, sondern eine ganze Menge, in allen Größen, wie in einem Schokoladengeschäft. 100 g (winzig), 500 g, Kilo. Die Feinunze kostet (nach dem Flug geschaut) 1.038 $ im Handel, seit April ist das um über 100 gestiegen. Nach „finanzen.net“ sind zurzeit die weltweiten Goldvorräte so hoch wie noch nie in der Weltgeschichte: „Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen, die verbraucht werden, ist Gold praktisch unzerstörbar. Die USA halten die höchsten Reserven (etwa 8.133 Tonnen/287 Millionen Unzen), gefolgt von Deutschland (3.417 Tonnen/120 Millionen Unzen) und der Sonderorganisation der Vereinten Nationen, dem Internationalen Währungsfonds (3.217 Tonnen/113 Millionen Unzen).“ Es ist ja immer eine Sache von Angebot und Nachfrage – also frage ich mal nach. „14.600 Dirham if you pay cash!“ Sind rund 2600 Euro. Zu teuer. Aber vielleicht Kaviar, so als kleines Häppchen vor dem Weiterflug nach Indien? Roter, schwarzer, Beluga (200 g = 2.200 Dn), dänische Butter gefällig? Foie gras (120 g = 15 $) oder Highland Trüffeln (250 g = 1307 Dn). So wird ein profaner Abflug oder eine Zwischenlandung (kein Wunder, dass genügend Zeit ist!) schlichtweg zu einem einprägsamen Erlebnis, da kann auch ich nicht wiederstehen. Irgendwie ist das pervers; ich fliege gleich weiter nach Madras (Chennai), dann Waisenkinder auf dem Land behandeln, die nichts, aber auch gar nichts haben – und dann das hier.









