Reiseberichte


Gegenwind
Die ZWEI unterwegs an Oder, Neiße und Spree


Autor: Karen Wichert
Datum: Donnerstag, Januar 21st, 2010

Wir, die ZWEI, wie uns unsere Freunde nennen, sind Werner und Karen. Seit ein paar Jahren ist uns die Lust auf Sterne-Urlaub vergangen. Mit Ende 40 und 50 haben wir Hotelzimmer gegen Zelt getauscht und sind mit unserer minimierten Ausrüstung außerordentlich glücklich.

Drei Wochen Urlaub liegen vor uns und das Fernweh hat schon seit Wochen unsere Gedanken im Griff. Wir hätten gern länger frei. Doch weil das nicht machbar ist, werden wir wieder versuchen so aktiv zu sein, dass uns die Zeit wie gefühlte drei Monate vorkommt.

Den letzten Sommerurlaub verbrachten wir in Kanadas Wildnis, erkundeten mit Zelt und Rucksack Vancouver Island. Dort hatte Werner plötzlich die Idee mit der Radtour. Beschlossene Sache: 2009 werden wir Rad fahren, und nur in Deutschland. Denn Deutschland ist wunderschön und hat Radwege an Donau, Elbe, Weser oder Nord-Ostseekanal zu bieten. Dass wir dann an Oder, Neiße und Spree gelandet sind, haben wir dem Tipp unserer netten Verkäuferin aus dem Trekking-Store zu verdanken. Dieser Tipp war wirklich gut. Die Sache mit dem Fernweh sollte doch auch in Deutschland in den Griff zu kriegen sein.

„Wir werden bestimmt nicht mit dem Zug fahren, wir schaffen es mit Muskelkraft nach Hause,“ sagt Werner und lässt an diesem Satz keinen Zweifel aufkommen. Ich bin mir da gar nicht sicher. Von Görlitz oder Berlin zurück habe ich die Bahn eingeplant.  „Hast du die Tasche mit dem Flickzeug auch wirklich eingepackt? Und Ersatzschläuche und Speichen?“ nerve ich Werner beim Packen. „Ja, habe ich ganz oben in meiner Radtasche.” Gerade war mein mit einem Schwalbe-Marathon-Plus-Reifen bemänteltes Vorderrad mehrmals hintereinander platt. Der Hersteller wirbt mit dem Slogan „Wir machen ihr Fahrrad unplattbar“. Dann habe ich wohl eine Pechsträhne, die jetzt zu Ende sein muss, sonst brauche ich nicht los fahren. Vorsichtshalber habe ich das Vorderrad mit einem neuen Reifen dieser Marke bestücken lassen.

Doch an einem Samstag im Juli 2009 holen wir die Räder aus der Garage und stellen das Auto hinein. Tor zu. Hinter den Fenstern unserer Nachbarn tut sich was. Einige sind neugierig und fragen, ob wir wirklich ohne Auto fahren und die paar Radtaschen und der Seesack unser ganzes Gepäck sind. Natürlich. Ja, wir starten ohne Rückfahrticket, verzichten auf Gepäcktransport und GPS und ein festes Ziel fehlt uns auch. Manche bewundern uns ehrlich, andere sind skeptisch.

Kurz vor 14 Uhr sind die Regenwolken abgezogen. Mutig beladen wir unsere Räder. Mit Regenjacken griffbereit treten wir in die Pedalen und haben unser Dorf bald hinter uns gelassen. Zuerst fahren wir die vertraute Strecke nach Wismar Richtung Gewerbegebiet. Doch heute bleiben wir auf dem Radweg. Ganz allmählich  realisieren wir unser Vorhaben. Die nächsten Wochen wollen wir als moderne Nomaden mit Leinwandvilla unterwegs sein.

Optimisten sagt man ein längeres Leben nach, deshalb fahren wir bei bester Laune Richtung Sternberg und erfreuen uns daran, wie die Sonnenstrahlen das Wasser vom Asphalt lecken und die Regenjacken im Seesack bleiben können. Schneller als vermutet sind wir in Warin, bald in Sternberg. Hier sind in Richtung Groß Raden  Zeltplatz und  Kanu-Camp ausgeschildert, dort wird sich bestimmt unsere erste Übernachtung finden. Doch weit gefehlt. Den Zeltplatz verpassen wir und im Kanu-Camp kann man nicht zelten, erklärt uns ein netter Groß Radener. Aber  hinter dem See im Wald, da würde es ganz lauschige Plätze geben…..Nach diesem Tipp fahren wir statt zum Zeltplatz zurück direkt in den Wald, radeln in einen wenig befahrenen Weg und finden unseren ersten Übernachtungsplatz. Und genau hier beginnt der Zauber, den man jedem Anfang nach sagt. Auf einem Moosbett, im angemessenen Abstand zwischen drei Ameisenhaufen, steht unser Zelt bald auf einer Lichtung in einem würzig duftenden Mischwald. Werner zelebriert die Zubereitung des Essens, kocht Tee, schneidet mit seinem Klappmesser Brot und Salami.  Inzwischen rolle ich Isomatten und Schlafsäcke aus. Nach 57 km und viel Frischluft schmeckt die deftige Mahlzeit besonders gut. Bald liegen wir im Zelt, hören auf die Geräusche. Bellt da etwa ein Hund, und Stimmen hören wir auch? Regungslos verharren wir in unseren Schlafsäcken. Die Geräusche entfernen sich rasch.  Wir schlafen gleich ein, hören noch von weit her Musik. Irgendwo in der Nähe ist vielleicht ein Sommerfest.

Das Gezwitscher der Vögel weckt uns früh, so dass wir  zeitig auf den Rädern sitzen. Am Waldrand ist ein beschauliches Dorf, hier kam wohl die Musik her. Wir starten in einen sonnigen Morgen, erleben das Erwachen der Natur. Unser Weg führt nach Güstrow. Zum Glück hat so manch ein Bäcker inzwischen sonntags geöffnet. So finden wir zur besten Frühstückszeit  eine Bäckerei und die nette Verkäuferin füllt erstmal unsere Wasserflaschen. Am Nebentisch sitzen Berliner, die gerade mit voll beladenen Rädern mit dem Zug gekommen sind und nach Berlin zurück fahren wollen. Unser Reiseziel können wir nicht genau benennen, wir fahren zum Oder-Neiße-Radweg und werden sehen, wie weit wir es nach Süden schaffen. Bei Kaffee und Berliner haben wir Berliner getroffen – und dann auch noch Gleichgesinnte. Berliner treffen wir noch öfter, aber nicht beim Bäcker. Aber Kaffee und Berliner sollen auf dieser Reise zur Institution werden und zum Treffpunkt mit interessanten und interessierten Leuten. Nach einer Runde durch die Altstadt, vorbei an Rathaus und Kirche, wo die ersten Kirchgänger den Heimweg antreten, verlassen wir Güstrow Richtung Teterow. Mit Rückenwind geht es in die Mecklenburgische Schweiz, wo die Steigungen  etwas steiler und länger werden, als wir es von Wismar und Umgebung gewohnt sind. In Teterow lassen wir beim Bäcker wieder die Wasserflaschen füllen. Bald sind wir in Malchin, wo wir auf den Rathausstufen das Wasser aus Teterow trinken. Langsam wird es Zeit nach einer Übernachtung zu suchen. Wir sind schon hinter Stavenhagen, ein Zeltplatz ist nicht ausgeschildert. Also machen wir uns im nächsten Wäldchen breit, stellen unser Gepäck auf Buchenlaub. Augenblicklich umsurrt uns ein Mückenschwarm. Zum Glück haben wir noch Mückenspray aus Kanada in unserer Ausrüstung. Die mecklenburgischen Plagegeister sind von dem Gift aus Übersee schockiert und wir haben unsere Ruhe. Auf den Feldern rings um unser Wäldchen beginnt gerade die Ernte. Wir sind 93 km geradelt und schlafen so schnell ein, dass wir nicht mehr merken, wann die Mähdrescher Ruhe geben. Gegen Morgen wache ich von einem Geräusch auf. Es ist so gleichförmig rauschend und einschläfernd.  Ich möchte nicht aus meinem Schlafsack kriechen. Es ist der Zustand, den man als Camper und Radfahrer am meisten verwünscht. Es ist Regen. Die Bauern kannten den Wetterbericht.

Mit nassem Zelt in der Packtasche starten wir in unseren dritten Urlaubstag. Es ist kühl, regnet jedoch nicht mehr. Schon recht früh, der Bäcker hat gerade geöffnet, sitzen wir in Altentreptow auf dem Marktplatz. Die nette Verkäuferin hat nichts dagegen, dass wir Kaffee und Berliner mit auf die Marktplatzbank nehmen. Unsere Radfahraktion findet sie mutig. Nach dem obligatorischen Frühstück  machen wir uns auf den Weg nach Friedland. Als wir dort ankommen, ist der Himmel fast schwarz und wir schaffen es gerade noch unter ein altes Stadttor. Ein einheimischer Radfahrer wartet hier mit uns auf besseres Wetter. Er empfiehlt uns die gut asphaltierte Route über Ferdinandshof und Pasewalk zum Oder-Neiße-Radweg. Warum nicht auf einen erfahrenen Radler hören. Als der Regen nachlässt, düsen wir nach Ferdinandshof. Die Strecke fährt sich gut, fast keine Steigungen, viele Wasserläufe. Ein Schild „Otternwechsel“ zeugt von intakter Natur. Wir halten an, doch Ottern lassen sich nicht blicken.  Ferdinandshof erinnert uns an längst vergangene Tage, nur ein Supermarkt verrät die postsozialistische Zeit. Leider finden wir nur die  Bundesstraße nach Pasewalk. Der Asphalt ist gut, die Überlebenschance auf einem Fahrrad gering. Wir müssen doch wieder unsere Karte zu Rate ziehen und werden in Zukunft nicht mehr auf Radfahrer hören, die wohl kaum ihre Scholle verlassen. Zum Glück finden wir bald einen Abzweig. Die wenig befahrene Straße mit Radweg bringt uns nach Torgelow. In der Tourist-Information lassen wir uns den kürzesten Weg zum Oder-Neiße-Radweg beschreiben. Unsere nächste Station soll Pampow sein, direkt am Radweg an der polnischen Grenze gelegen. Dort wohnen Freunde, sie erwarten uns und lassen sich überraschen, wann wir auftauchen. Doch ein paar km haben wir noch vor uns. Deshalb halten wir uns hier nicht lange auf, fahren aus Torgelow raus, km-weit an Kasernen vorbei und nähern uns dem ersehnten Radweg. Je dichter wir unserem Tagesziel kommen, desto dunkler wird der Himmel. Kurz vor Rothenklempenow hat uns eine Regenfront fast eingeholt. Wir düsen so schnell wir können, sind gerade im Ort, da prasseln die ersten Tropfen auf uns nieder. Ein rettendes Buswartehäuschen ist nicht in Sicht. Werner entdeckt eine leere Garage, fährt rein, als wenn er hier schon immer wohnt. Ich schaffe es in letzter Minute. Wir stehen trocken und warten.  Entweder scheucht uns der Hausbesitzer weg oder kocht uns einen Kaffee. Aber anscheinend bemerkt er uns nicht, ist vielleicht gar nicht zu Hause – nichts passiert.  Der Gewitterguss geht in Hagel über. Wir überlegen, wie wir künftige Regengüsse ohne rettende Garage  trocken überstehen können. Da fällt uns die Plane ein. Warum nicht multifunktionell nutzen, als Zeltunterlage, Tarp und Regenschutz? Sie wird sofort griffbereit an meinem Rad befestigt. Nach etwa 20 Minuten lässt der Regen nach und wir machen uns auf den Weg nach Pampow. Unsere Freunde sind erstaunt, dass wir es schon am dritten Tag unserer Tour bis zur polnischen Grenze geschafft haben. 126 km sind wir heute  gefahren, das hat gereicht. Wir ziehen bei diesem Wetter mit den Schlafsäcken ins Gästezimmer. Am nächsten Morgen schleichen wir früh aus dem Haus und laufen durch den Wald zum Thursee. Wozu Badesachen  nass machen, wir haben ein Handtuch, das genügt. Herrlich erfrischt genießen wir das reichhaltige Frühstück mit unseren Freunden. Danach geht es gleich wieder auf Tour, wir wollen jetzt endlich den Fluss erreichen, der dem Radweg seinen Namen gibt.

Als wir Pampows holprige Dorfstraße hinter uns lassen, beginnt eine wunderschöne hüglige Fahrt Richtung Nationalpark Unteres Odertal. Wogende Kornfelder säumen unseren Weg, manchmal führt die  Tour durch einen Wald. Mescherin in Brandenburg ist unser Ziel, laut Radkarte an der Oder gelegen (endlich!) und als Highlight soll es dort einen  Zeltplatz geben. Und von diesem sind wir so begeistert, dass wir den ersten Ruhetag nach 361 km einlegen. Hier singt noch der Pirol und unzählige Wasservögel haben sich die Flussaue als Revier erkoren -  eine Natur-Pur-Zone. Es gibt ein ordentliches Sanitärgebäude, kühles Bier, Brötchen und frisch gekochten Kaffee bekommt man schon für 50 Cent je Pott.  Bei so günstigen Angeboten bleibt unser Campingkocher kalt. Weil mein Handy nicht mit deutschem Netz funktioniert, darf ich sogar vom Zeltplatztelefon meine Mutter im Krankenhaus anrufen.  Der nette Platzwart schickt uns zum Einkaufen nach Polen. Gryfino liegt auf der anderen Seite der Oder, oder besser gesagt des Oder-Labyrinths. Kanu fahren darf man hier nur mit Führer. So manch ein Paddler hat in diesem ursprünglichen Wasser-Irrgarten schon die Orientierung verloren und verzweifelt den Notruf gewählt. Der Radweg auf der polnischen Seite ist gepflastert, doch nur wenige Steine liegen noch waagerecht. Hier ist Räder schieben angesagt. Im Ort treffen wir zwei Berliner, die den Oder-Neiße-Radweg auf der polnischen Seite suchen. Von der Qualität der polnischen Radwege sind wir nicht mehr überzeugt und bewundern die beiden. Supermärkte gibt es gleich mehrere, unsere Vorräte haben wir aufgefüllt und sehen uns in Gryfino um. Die Kirche ist gerade renoviert und wirklich sehenswert. Doch die restliche Bausubstanz und besonders die Straßen sind in einem desolaten Zustand.  Von den letzten Slotys kaufen wir sehr leckeres Eis. Da schmeckt man noch echte Vanille und Kakao. Nach diesem Leckerbissen fahren wir zurück durch die Flussaue. Da sind doch wieder die beiden Berliner. Sie haben es aufgegeben mit Rad fahren in Polen. Deutschland hat gute Radwege, Polen leckeres Eis.

Der Zeltplatz in Mescherin ist natürlich Treffpunkt der Oder-Neiße-Radweg-Radler. Wir stellen fest, dass alle Richtung Norden radeln, nur wir sind nach Süden unterwegs. Darüber machen wir uns erstmal keine Gedanken, aber es wundert uns schon. Ein nettes Pärchen aus Sachsen empfiehlt uns ausreichend Wasser und Lebensmittel mitzunehmen, denn die nächsten Etappen führen fast nur noch auf dem Deich entlang und Supermärkte sind erst wieder in Schwedt und Frankfurt.  Sie erzählen vom einen Bauernhof mit Zeltwiese bei Lebus, da hätten sie gut und günstig übernachtet.

Den Bauern bei Lebus merken wir uns und starten am nächsten Morgen bei Gegenwind Richtung Schwedt. Am liebsten möchte ich nur noch im Stehen fahren, seit Pampow schmerzt mein Hinterteil, da helfen weder Gelsattel noch gepolsterter Hosenboden.  Heute habe ich zwei Hosen übereinander an,  das lindert nur wenig und ist viel zu warm. Werner radelt ganz komfortabel auf seinem  Ledersattel von Brooks und kann mein Problem nicht so recht verstehen. Doch die Landschaft ist so schön und urwüchsig, dass ich bald meinen brennenden Hintern vergesse und immerzu die Kamera zücke. In Schwedt gibt es beim Bäcker wieder Kaffee und Berliner. Die Stadt finden wir wenig spektakulär, sie besteht fast nur aus DDR-Bauten, die aber größtenteils restauriert sind. Schnell sind wir wieder an der Flussaue unterwegs. Hier gibt es unzählige Enten, Haubentaucher, Schwäne, Störche, Kraniche, Fischreiher, sogar die recht seltenen Silberreiher segeln über unseren Köpfen zu den Tümpeln und Feuchtwiesen auf die andere Seite des Radweges, der meist auf dem Deich verläuft und gute Aussicht bietet. Die Wiesen werden nicht gemäht und Nachtkerzen, Wegwarte, Rainfarn, Wiesenkerbel, Beinwell, Schafgabe und viele andere Pflanzen nutzen die Chance zu blühen. Langsam müssen wir uns nach einem Nachtlager umsehen. Unsere Karte zeigt einen Zeltplatz in Neuküstrinchen bei Bad Freienwalde, etwas abseits vom Radweg. Der Ort ist wie ausgestorben, weder ein Hinweisschild noch ein Menschenseele sind zu sehen. Ein junger Mann hat uns aber beobachtet und schickt uns zu dem wirklich vorhandenen (ich hatte nicht mehr daran geglaubt) netten, kleinen Zeltplatz. Ein Bauwagen wurde zum einfachen, aber sauberen Sanitärbereich umgestaltet, ein paar Hütten gibt es auch. Kaum haben wir ein kühles Bier in unsere ausgetrockneten Kehlen gekippt und unser Zelt aufgestellt, beschert uns der Wettergott nach ein paar Tagen Sonnenschein zur Abwechslung wieder mal Regen.

Der Himmel ist schon fast schwarz, als wir am nächsten Morgen in die Pedalen treten. Wir kommen trocken bis Groß Neuendorf und haben riesiges Glück, denn am Radweg steht ein Schild „Kaffee und Kuchen“. Wir biegen ab und gleich hinterm Deich steht ein Fachwerkhaus mit einem großen Sonnenschirm davor, der uns jetzt als Regenschirm dient. Berliner gibt es nicht, dafür  selbst gebackenen Apfelkuchen mit Sahne, hm, lecker. Hier müssen wir vorerst ausharren, der Himmel hat seine Schleusen geöffnet. Nach dem dritten Pott Kaffee lässt der Regen nach und wir steigen mutig auf unsere Drahtesel.  Lange geht das nicht gut, es gießt schon wieder wie aus Kübeln. Wir sind aber kurz vor einem Pegelhaus, direkt am Deich gelegen. Das Haus hat ein kleines Vordach und der Wind kommt von der anderen Seite, so dass wir dicht an der Wand gelehnt unter dem Dachüberstand trocken stehen und über den Fluss blicken können. Wir haben jetzt Zeit für Beobachtungen – notgedrungen. Je stärker der Regen wird, desto mehr Wasservögel verstecken sich im Schilf, oft sind alle verschwunden.  Lässt das Geplätscher nach, kommen sie wieder hervor und schwimmen oder fliegen über den Fluss. „Ich hätte jetzt gern Federkleid und Bürzeldrüse wie ein Wasservogel“ sage ich zu Werner und er versteht meinen Wunsch, denn er weiß, dass mir kalt ist – er schwitzt in seiner Wetterjacke. Der Regen will nicht aufhören und wir haben Zeit für weitere Betrachtungen. Von der Dachrinne des Pegelhäuschens hängt eine Kette bis ins Gras herunter. Wird der Regen schwächer, tropft es nur von Kettenglied zu Kettenglied. Fängt es an zu gießen, wird die Kette zu einem Wasserfall. Ohne Dauerregen hätten wir nicht das Versteckspiel der Vögel und die Verwandlung der Kette erlebt, auch nicht den Regenbogen, der sich über den Fluss wölbt und uns nach einer guten Stunde das Signal zum Weiterfahren gibt. Es tröpfelt zwar immer noch, aber wir müssen hier weg, uns im Notfall eine feste Unterkunft besorgen.

Es ist kaum zu glauben, aber bald zeigt sich die Sonne. Unsere nassen Sachen sind ruckzuck trocken, mir ist wieder warm, die Laune bessert sich schlagartig, auch wenn wir wieder gegen den Wind ankämpfen müssen. Wir radeln über den teils schnurgeraden Deich, links schlängelt sich die Oder, rechts entdecken wir Sonnenblumenfelder, Bienenkästen und Storchennester mit Jungvögeln. In letzter Minute bemerke ich das Schild „Eichenhof“. Ja, das ist doch der Bauernhof vor Lebus, von dem das Pärchen in Mescherin so geschwärmt hatte. Wir haben trotz Zwangspause 70 km geschafft, hier halten wir an. Der Bauer zeigt uns die Zeltwiese, stellt uns Tisch und Stühle hin, gibt uns den Schlüssel für das komfortable Bad und bringt uns Eier frisch aus dem Nest. Eine echte Entschädigung für Regen und Kälte. Da die Sonne noch scheint, laufen wir zum Deich. Plötzlich raschelt es rechts in den Büschen. Wir bleiben wie angewurzelt stehen. Familie Marderhund flitzt ein paar Meter vor uns über die Straße. Auf dem Rückweg erleben wir das gleiche Schauspiel, da habe ich die Kamera parat und Papa Marderhund ist verewigt. Schnell noch wasche ich unsere Rad-Shirts. Kaum hängen diese im Wind, regnet es wieder. Der Bauer ist so nett und zieht mir eine Wäscheleine in der Scheune.  Wir erzählen, dass wir aus Mecklenburg kommen, beschreiben unsere Tour. „Ihr müsst ja an der Oder immer gegen den Wind gefahren sein“, amüsiert sich der Bauer über uns. Ja, woher weiß er das denn? „Die Oder fließt von Süden in die Ostsee, und da kommt ihr her. In Fließrichtung geht es natürlich immer leicht bergab und der Wind geht auch meist in diese Richtung, hahaha.“ Ja, seit wir an der Oder sind hatten wir nur noch Gegenwind und niemanden getroffen, der wie wir nach Süden auf der Piste war. Deshalb fahren auch alle mit dem Zug nach Görlitz oder Zittau und radeln zur Ostsee. Naja, wir kehren trotzdem nicht um,  fahren am nächsten Morgen nach einem überaus schmackhaften und reichhaltigen Frühstück weiter nach Frankfurt. Die Bäuerin hatte Bouletten auf panierten Zucchinis, Aufschnitt, selbst gekochte Marmelade, Eier, Honig, frisches Brot und Brötchen angerichtet -  ein Augen- und Gaumenschmaus.

Unsere noch immer feuchten Shirts flattern am Seesack befestigt im Fahrtwind. In Frankfurt suchen wir keinen Bäcker, sind immer noch satt vom Frühstück auf dem Eichenhof,  haben sogar Proviant mitbekommen. Lange halten wir uns nicht auf, sind bald wieder auf dem Radweg und wollen uns unbedingt Eisenhüttenstadt ansehen. Bisher war es trocken, aber der Himmel wird schon wieder dunkel. Wir sind gerade an einem Schild „6 % Steigung“ vorbei gekommen und treten kräftig in die Pedalen, da geht der erste Schauer auf uns nieder. Wir steigen ab, sind am Waldrand zum Glück etwas geschützt. Meine Regenjacke hänge ich über unsere Shirts auf meinem Gepäckständer, sonst werden die gleich wieder nass. Der Regen ist schnell vorbei, ich bin vom Fahrtwind bald wieder trocken. Beim nächsten Schauer haben wir Glück, trinken gerade  Kaffee an einer Tankstelle. So wird das wohl heute weitergehen, abwechselnd Sonne und Regen. Jetzt schaffen wir es trocken bis Eisenhüttenstadt. Wir folgen der ausgeschilderten City-Route, die führt uns an die Werktore des ehemaligen Eisenhüttenkombinats. Etwas Sehenswertes haben wir nicht gefunden, sind eher entsetzt,  dass die Stadt fast nur aus typischen DDR-Bauten besteht. Viele Häuser sind entkernt, die leeren Fensterhöhlen glotzen schaurig zu uns herüber. Der Himmel verdunkelt sich wieder mal, wir düsen zurück zum Radweg und müssen nach ein paar km zum ersten Mal unsere Plane als Regenschutz benutzen. Gerade sind wir an einem Weg Richtung Neuzelle. Zwei Spaziergänger kommen mit einem Riesenregenschirm daher und amüsieren sich über unseren gut funktionierenden Wetterschutz. Jeder hält zwei Zipfel fest. Das Wasser schießt an dem Seiten runter. Nass werden nur unsere Füße, nach kurzer Zeit stehen wir in einer Pfütze. Alles halb so schlimm. Bald scheint wieder die Sonne und  wir legen die Plane zusammen. An einem Baum sehen wir einen Pfeil Richtung Neuzelle und „Campingplatz beim Zickenzeller“. Wir radeln in diese Richtung, das bekannte Kloster ist schon in Sichtweite, da fängt es wieder an zu gießen. Wir sind an einer überdachten Bank und können unsere Plane am Fahrrad lassen. Zwischen zwei Schauern schaffen wir es zum Campingplatz, haben gerade das Zelt aufgebaut und flüchten mit Heringen in der Hand unter eine Überdachung. Wie oft es noch in der Nacht geregnet hat, wissen wir nicht. Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Neuzelle ist wunderschön, hier verbringen wir den nächsten Tag. Am meisten freut sich mein Hinterteil über diesen Ruhetag. Wir sehen uns im Kloster um, kosten Likör in der Klosterbrennerei, gehen einfach mal spazieren, essen im Restaurant.

Bei strahlendem Sonnenschein und wieder Gegenwind starten wir am nächsten Tag nach Ratzdorf, wo sich die Oder nach Polen verabschiedet. Die Lausitzer Neiße begleitet uns nach Guben. Auch dieser Ort ist einmalig schön. Das Rathaus befindet sich in einer restaurierten Fabrikhalle, wir sind neugierig und gehen einfach rein.  Wie so oft haben wir  Appetit auf Kaffee und Berliner und finden bald einen Bäcker, wo wir bei diesem schönen Wetter draußen sitzen können. Dann radeln wir über die Neiße-Brücke nach Polen und erleben den gleichen Gegensatz zu Deutschland wie in Gryfino. Die Straßen sind in Gubin katastrophal, wir schieben unsere Räder lieber. Nein, wir bleiben nicht lange, schnell zurück nach Deutschland. Dort finde ich einen Schleckermarkt und erstehe  für mein geschundenes Hinterteil Baby-Wundschutzcreme mit Panthenol. Hilft jetzt nicht mehr viel, aber kühlt wenigstens, das hätte mir früher einfallen können. Weiter geht es an der Neiße entlang über Forst bis Bad Muskau in Sachsen. Wir campen auf dem Glockenhof, der auch gleichzeitig Heuhotel und Heidebauern-Museum ist. Es ist nicht zu übersehen, in Sachsen ist alles anders. Den Radweg gibt es hier schon länger als in Mecklenburg und Brandenburg, er ist anscheinend bekannter und erheblich stärker befahren. Wir finden jede Menge Rastplätze mit überdachten Bänken. Und an Abstellmöglichkeiten für die beladenen Räder hat man auch gedacht. Überall sind Hinweisschilder für Unterkünfte jeder Art. Die Ruhe und Beschaulichkeit ist allerdings vorbei.

In Bad Muskau machen wir einen kurzen Abstecher zum Fürst-Pückler-Park. Dann sind wir schon wieder an der Neiße unterwegs. Im Glockenhof hat uns ein anderer Radler von einem am Baggersee gelegenen Zeltplatz  hinter Görlitz erzählt. Dahin wollen wir heute, fast 100 km haben wir vor uns. Für das Schloss des Fürst Pückler bleibt deshalb keine Zeit. In Görlitz angekommen sehen wir gleich, dass die ganze Altstadt restauriert ist – ein Schmuckstück. Wir kommen morgen wieder, müssen jetzt erst zum Zeltplatz und suchen den weiteren Verlauf des Radweges. Als wir einen steilen Anstieg hochfahren, hält neben uns ein Auto. Der junge Mann erklärt uns, dass der Radweg hier schlecht ausgeschildert ist und wir bestimmt die Abfahrt zur Neiße verpasst haben. Wir fahren zurück und richtig, hier ist das winzige Schild und wir brauchen nur entlang des Flussbettes und nicht die Berge hoch fahren. Hinter Görlitz kommt der erste Tagebau in Sicht. Wir fahren und fahren, kein Zeltplatz taucht auf. Ich möchte am liebsten umkehren, Werner ist wie immer die Ruhe selbst. Wir fragen einen Fußgänger, der weiß Bescheid. Bis Hagenwerder müssen wir fahren, und dort ist auch der idyllische Zeltplatz. Rings um einen kleinen Baggersee können wir uns ein Plätzchen suchen.

Am nächsten Tag lassen wir uns Zeit für Görlitz. An der Straße entdecke ich einen Obst- und Gemüsestand. Ein Apfel wäre jetzt genau das Richtige, doch die sind gerade ausverkauft. Die Gärtnerin schenkt mir vier Tomaten und eine Gurke – nein, sie will kein Geld – für unsere Ausdauer und als Stärkung für die Weiterfahrt. Auch beim Bäcker gibt es wieder interessante Gespräche. „Passt auf eure Räder auf, Polen ist in der Nähe“, sagt ein junger Mann zu uns. Dann erfahren wir noch, dass es einen anonymen Spender gibt, der jedes Jahr eine Million Euro zweckgebunden für die Sanierung der Altstadt zur Verfügung stellt. Deshalb ist jeder Straßenzug eine Augenweide, nur  viele Häuser stehen leer. Man kann hier günstig und sogar zur Probe wohnen. Wieder mal stellen wir fest, dass man in Bäckerläden alles Wesentliche über die Region erfährt. Die Verkäuferinnen sind immer auf uns neugierig und auskunftsbereit, die Kunden meist auch. Einmal wurden wir als Hardcore-Radler bezeichnet und bewundert hat man unsere Radtour überall. So können wir uns auch hier den Gang zur Touristinformation sparen,  wir kommen schließlich vom Bäcker. Ob Bahnhof, Rathaus, Kirchen, Postamt, Stadtmauer, mittelalterliche Wehrtürme – jedes Gebäude ist makellos restauriert. Besonders gefällt uns, dass der direkte Altstadtkern von der üblichen Einkaufsmeile verschont wurde. Diese finden wir in der Straße Richtung Bahnhof. Gewiss haben wir nicht alles gesehen, aber unser Eindruck ist: Diese Stadt ist sehenswert und dass wir mit den Rädern bis hierher gekommen sind, hat sich gelohnt. Begeistert von den netten Leuten hier radeln wir zurück zum Zeltplatz. Unser Tacho zeigt jetzt 812 km. Ich bin ganz stolz auf mein Radfahrpensum (trotz Sitzproblem). Von Hagenwerder aus sieht man ganz deutlich Berge. Ich vermute, es ist das Zittauer Gebirge, frage aber den Platzwart. Es ist zwar nicht weit bis Zittau, aber bei klarem Wetter sieht man von hier nur das Riesengebirge, erfahre  ich. Nur  noch 100 km sind es bis zur Schneekoppe. Nein, eine Bergetappe ist nicht geplant.

Werner hat noch immer vor, mit Muskelkraft nach Hause zu kommen, deshalb beschließen wir hier den Rückweg in Angriff zu nehmen. Ich denke im Stillen, dass wir ja durch Orte mit Bahnhof kommen und lasse ihn planen. „Über den Froschradweg kommt man laut Karte zum Spreeradweg, von dort können wir nach Potsdam abzweigen und durch Havelland und Prignitz nach Mecklenburg radeln. Über Plau am See, Goldberg, Sternberg und Warin zurück nach Wismar. Dürfte kein Problem sein, wenn wir weiterhin im Schnitt 73 km täglich fahren“, höre ich ihn laut nachdenken.

So fahren wir am 30. Juli, dem 13. Tag unserer Reise, zurück Richtung Bad Muskau und finden bald den Froschradweg. Die Ausschilderung ist hier irgendwie nicht eindeutig, auf jeden Fall kann ich mich erinnern, dass wir in Niesky waren und uns dort schon nach dem weiteren Verlauf des Froschradweges durchfragen mussten. Wir kommen durch mehrere kleine, beschauliche Dörfer, Ullersdorf ist mir im Gedächtnis geblieben. Die Oberlausitz hat ganz schöne Hügel zu bieten, die wir alle mit Bravur hoch geradelt sind. Doch mein Gefühl sagt, hier stimmt etwas nicht. In Thiemendorf habe ich Werner soweit, dass er in einem Bauerhof nach dem Weg fragt  – sonst hätte ich es getan. Ja, die 40 km durch die Oberlausitz waren ein netter Rundweg, wir sind schon wieder kurz vor Niesky. Dass wir dort zwei Radler vom Froschradweg wieder treffen, beruhigt uns ungemein. Dann liegt unser Abstecher in diese wunderschöne Gegend wohl doch an der miserablen Ausschilderung. Wir haben wieder Glück und finden bei Niesky nach 89 km einen Zeltplatz mit Baggersee. Das erfrischende Bad versöhnt uns mit diesem 13. Tag.

Am nächsten Morgen düsen wir nach Rietschen, frühstücken wieder beim Bäcker. Von der Verkäuferin erfahren wir – wie sollte es anders sein – die Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Ein paar nette Kundinnen erklären uns dann noch den Weg nach Boxberg, und siehe da, wir entdecken dort das erste Schild „Spreeradweg“. Vorbei geht es am ehemaligen Tagebau, den die Natur seit einigen Jahren wieder in Besitz nimmt. Die schnell wachsenden Birken ragen aus dem spärlichen Bewuchs hoch empor. In einem militärischen Sperrgebiet fühlen sich Wölfe wieder zu Hause, erfahren wir von einem Gastwirt. Die Radwege fechten jetzt einen Machtkampf aus.  Wir sind gleichzeitig auf der Spree-, Gurken- und Niederlausitzer Bergbau-Tour, außerdem ist das hier Tour Brandenburg – ja, wir sind schon wieder in Brandenburg -  und auch noch auf dem Weg Sorbische Impressionen.  An jedem Schilderwald müssen wir anhalten, welcher Pfeil ist denn nun unser Radweg? Interessant ist noch die Etappe von Spremberg über Cottbus bis Peitz im Teichland. Alles ist in sorbisch und deutsch ausgeschildert und in Cottbus knacken wir die 1000-km-Marke. In der Spree taucht ein Biber neben uns auf. Kurz hebt er seinen Kopf und taucht schnell wieder ab, damit ihn ja nicht die Kamera erwischt.

Doch dann kommt der Spreewald. Kein Radler grüßt mehr zurück, wir lassen es auch sein. Die Orte sind nur noch reine Touristenhochburgen, die Campingplätze überfüllt, die Sanitäreinrichtungen  entsprechend dreckig. Manchmal geht sogar das warme Wasser aus. Analog zur Überbelegung steigen die Zeltplatzpreise, wie paradox. Wir sind froh, als wir in Neuendorf am See den Wegweiser nach Königs-Wusterhausen sehen. Wir lassen Spreeradweg Radweg sein und uns in Potsdam beim Radhändler lieber die Ketten ölen. Dann campen wir noch nahe  Brieselang im Havelland und   bei Altruppin am Zermützelsee.  In Neuruppin sitze ich auf einer Bank an der Kirche und kann es nicht fassen. Von Wismar über Görlitz bin ich bis Neuruppin, wo ich vor 47 Jahren den ersten Schrei von mir gegeben habe, gefahren – und alles mit Muskelkraft. An einen Bahnhof, Fahrkarten und Fahrradabteil habe ich gar nicht mehr gedacht. Wer bis Neuruppin mit dem Rad kommt, schafft es auch bis Wismar. Einen kleinen Abstecher nach Flecken Zechlin leisten wir uns noch, wo wir bei Freunden klingeln und johlend begrüßt werden. Dann geht es weiter in meine Heimatstadt Wittstock. Meine Eltern sind gerade in unserer Wohnung bei Wismar und so nehmen wir einfach ihr Haus in Besitz. Am nächsten Tag bleiben wir hier, gönnen uns noch mal einen Ruhetag und ich treffe mich mit meiner Freundin Sabine zum Eis essen. Ihr habe ich diesen Reisebericht versprochen und sie wartet bestimmt schon drauf. Am Freitag, den 7. August, nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Durch  ein paar kleine mir vertraute und verträumte Dörfer düsen wir nach Plau, um am See die Räder auf einem sogenannten Radfernweg durch  losen Sand und über Wurzeln zu schieben oder zu tragen. Zum Glück wird er Weg wieder besser, über Goldberg radeln wir nach Sternberg, wo wir jetzt den auf der Hinfahrt verpassten Zeltplatz finden. 1477 km zeigt  der Tacho, die letzten km bis Wismar schaffen wir am Samstag ganz locker.

Zu besten Mittagszeit sind wir in Wismar auf dem Marktplatz und genehmigen uns fette Pommes mit Mayonnaise. Wir besuchen unseren Radhändler. Der staunt nicht schlecht, als er den Tachostand sieht. „Und haben die Flicken gereicht, oder musstet ihr noch unterwegs welche kaufen?“ fragt er ganz besorgt. Ach so, daran haben wir gar nicht mehr gedacht. Die Tasche mit dem Flickzeug ist immer weiter nach unten gerutscht im Gepäck – wir haben sie nämlich nicht gebraucht. Ja, wir sind 1529,7 km pannen- und unfallfrei gefahren!!!

Am Samstag, dem 8. August  stehen wir gegen 14 Uhr wieder vor unserer Garage. „Sag mal, wie lange waren wir eigentlich unterwegs, ich meine gefühlte Zeit?“ fragt mich Werner. „Mir kommt es vor wie mehrere Monate, aber ich weiß, dass es nur drei Wochen waren.  Jetzt bin ich aber erstmal froh, wieder hier zu sein, Fernweh hat sich bis zum nächsten Urlaub erledigt, nicht länger.  Und dir geht es genauso, stimmt´s?“ „Hast recht“ meint er und fragt noch, wie mein Hinterteil die letzten km überstanden hat. Er hat den perfekten Sattel – beneidenswert.

Für die Gartenkolonie eignen wir uns nicht – wir müssen unterwegs sein und sind bestimmt  bald Wiederholungstäter. Meinen Hintern werde ich dann vorbeugend mit Propolis- oder Ringelblumensalbe behandeln, habe ich mir überlegt. Macht man mit seinen Füßen vor einem Wanderurlaub schließlich auch.

Inzwischen fahre ich auf einem SQlab-Sattel, nach Vermessung passend für mein Hinterteil ausgewählt. Danke an die Wismarer Rad-Experten. Unsere Drahtesel sind wirklich Spitze, ausgenommen dieser Gelsattel, der mit meinem Hintern einfach keine Symbiose eingehen wollte – aber der ist nun endlich entsorgt.

Die Zwei – Werner und Karen

One Response to “Gegenwind
Die ZWEI unterwegs an Oder, Neiße und Spree

  1. Scheinemann Says:

    Hallo Ihr ZWEI,
    vielen Dank für Eure Reisebeschreibung oben. Sie ist gut zulesen und macht Mut zu eigenen Unternehmungen!
    So haben mein 12-jähriger Enkel und ich die Absicht, nach Wismar zu radeln. Z.Zt. bin ich auf der Suche nach einer geeigneten Route. Könnt Ihr mir genauere Tipps für Euren letzten Abschnitt, evtl. zu Kartenmaterial, von Potsdam nach Wismar geben?
    Mit freundlichen Grüßen
    Eberhard Scheinemann


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