Reiseberichte


Irland – Menschen, Landschaft, Tradition


Autor: Wolfgang.Geimer
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Kapitel I Startschwierigkeiten

Mein alter Weggefährte Jens bittet mich um einen Bericht über Irland für sein Internetprojekt “traveldiary” und denkt sich dabei, ich, der ich regelmäßig Wanderschuhe und Rucksack für einen Besuch auf meiner heißgeliebten Insel schnüre, werde mit schier unerschöpflichen Reiseerzählungen aufwarten.

Guter alter Jens… Bereits der Beginn kostet mich schlaflose Stunden. Also studiere ich die Regale sämtlicher Buchläden in der näheren Umgebung, schaue mir die Internetseiten zum Thema Irland an… , nein nicht alle, nach einer gewissen Anzahl kapituliere ich schreckensbleich. Was bleibt, ist die Erkenntnis, daß alles was der Reisewillige sucht, vom Flugzeug bis zur Fähre, vom Mietwagen bis zur accomodation- Übersicht, einfach alles schon irgendwo steht und nichts liegt mir ferner als noch einen Reiseführer zum Thema Irland zu schreiben. Also progressiv den nächsten Schritt wagen und etwas völlig neues schaffen – aber was?

Wer einmal in Irland gelandet ist, für den gibt es ohnehin nur zwei Möglichkeiten: du magst dieses Fleckchen Erde und kommst dann immer wieder zurück oder du wendest dich ab und das für immer, oder wie es G. B. Shaw einmal treffend formulierte: “Ireland Sir, for good or evil is like no other place under Heaven and no one man touch its sod or breathe its air without becoming better or worse”. Also zurück ! Zurück zu dem Punkt bevor man den Blick in die Ferne schweifen läßt.

Mein Beitrag zum traveldiary soll denjenigen, die an eine Reise nach Irland denken, helfen zu entscheiden, ob sie zu denen gehören werden, die beim Verlassen des Flugzeugs oder beim Anblick der Küste und dem schweren Geruch von verbranntem Torf in der Luft ein Gefühl des nach Hause Kommens verspüren oder zu denen, die beim Gang über ein nasses Rollfeld oder beim Auf- und Abschlingern der Fähre in der irischen See bereits an die nächste Heimreisemöglichkeit denken.

Anna on the rocks Kapitel II Harbour lights

Ich will Euch von Irland erzählen. “Meinem” Irland. Nicht dem Irland von grünen Mainzelmännnchenimitationen mit orangefarbenem Haar, von endlosen Buskarawanen auf schmalen Küstenstraßen, von kleeblattgeschwängerter Friede, Freude, Eierkuchen-Atmosphäre und Cluburlaub mit Lachsfrühstück.

Mein Irland findet man nicht in Hochglanz-Prospekten. Mein Irland verschwindet langsam aber sicher von Jahr zu Jahr, wie die Umrisse eines einsamen Wanderers im Nebel auf den Höhen des Slieve League / Sliabh Liag im wunderbaren county Donegal / Dhún na nGall.

Sich Irland von der See her zu näheren ist sicherlich der angenehmste Annäherungsversuch. Das Einlaufen eines Schiffes beeindruckt doch ( in seiner Langsamkeit ) mehr als das Aufsetzen eines Flugzeugs auf der Landebahn. Jedoch bedarf es für die Schiffspassage – vor allem für die Direktroute über den Atlantik- etwas Zeit und unter Umständen eines widerstandsfähigen Magens.

Nach der Ankunft sollte man den Weg nach Westen einschlagen. Irland findet für mich ausschließlich an der Westküste statt. Alle Dublin-Hungrigen können also an dieser Stelle bereits ihre Lesebemühungen einstellen. Mein Weg führt mich ständig entlang der Westküste, von Bantry im Süden bis Inishowen im Norden.

Spätestens am Abend eines ersten Reisetages sollte man einen vorgefertigten Zeitplan in die Mülltonne oder – falls vorhanden und nicht durch rote Glühlampen nur vorgetäuscht – ins Torffeuer werfen. Irland heißt sich langsam treiben lassen. Zeitpläne sind reines Gift für jede Irlandreise. Seht zu, daß ihr Euer Flugzeug oder euer Schiff zurück rechtzeitig erreicht, doch davor packt eure Uhr ganz unten in die Tasche.

Ein oft bemühtes, aber sehr zutreffendes irisches Sprichwort lautet daher vielsagend: “als Gott die Zeit machte, da hat er viel davon gemacht”. Eine Weisheit, die sich die Iren durchweg zu eigen machen. Pünktlichkeitsfanatiker werden daher auf eine harte Probe gestellt.

Sonnenuntergang Kapitel III Roaming in thought

Irland ist ein ständiges Wiederentdecken. Vieles wirkt vertraut durch die Jahre. Der Geruch von Torffeuer, den der Wind von den Schornsteinen über Land weht und der dem einen herrlich behaglich, dem anderen modrig und schwer erscheint. Das Gefühl wie sich der Stechginster durch den dicksten Hosenstoff bohrt, wenn man sich mal wieder an der Felsküste niedergelassen hat, um weit auf See hinauszusehen. Der Eindruck, daß das Inselfrühstück gerade vom Magen Richtung Gehirn katapultiert wird, wenn der Wagen einfach kein schlaglochfreies Stück Straße erhaschen kann. Das permanente Federn der Füße auf torfigem Untergrund. Die roten und dunkellila Wolken wie eine Glocke aus purem endlosen Licht über Ballinskelligs Bay im herbstlichen Abendschein.

Die Dorfhunde die sich überall an deine Fersen heften, in der Hoffnung etwas eßbares aus dem großen Rucksack auf dem Rücken zu ergattern. Die endlosen Steinmauern, wie Spinnennetze übers Land gelegt. Die verfallenen Steinhütten, kahl und unwirtlich an jedem Wegesrand. Die über die Berge huschenden dunklen Flecken, die die mit dem Wind marschierenden Wolkenreihen in immer neuen Formen auf die grünbewachsenen und geröllbeladenen Hänge werfen. Die vom Wind in die Waagerechte gezwungenen kaum mannshohen Bäume. Die Erkenntnis doch etwas durchnäßt zu sein, die sich jedoch erst nach Stunden einstellt, weil der Landregen hier so fein vom Himmel fällt, daß man ihn außer einem leichten Kitzeln auf der Nase gar nicht wahrnimmt. Der Eindruck, daß der Himmel hier der Erde etwas näher kommt, mit den großen Wolken, die so tief hängen, daß man glaubt, man könne sie vom nächsten Hügel aus mit Händen greifen. Das Warten auf der Straße, weil sich wieder mal eine Herde Schafe, wie du selbst nur schwer an den Linksverkehr hier gewöhnen kann. Das torfig braune Wasser der Flüsse, das sich schäumend über Felsen Richtung Meer stürzt und das fast schwarze Wasser der Loughs, das die Tiefe der vielen Seen erahnen läßt. Der Geschmack von dunklem Bier. Die Wartezeiten im Bus auf offener Strecke, weil der Busfahrer mal eben der Oma die Einkaufstüten bis zu ihrem Haus trägt ( und das kann in Irland weit weg von der Straße stehen ). Die Antwort “bei mir zu Hause” auf die Frage, wo man hier guten Fisch essen, oder sich das nachmittägliche Fußballspiel ansehen kann, und man sich dann plötzlich im Wohnzimmer eines eben auf der Straße oder im Laden getroffenen Passanten wiederfindet. Die hundertfachen Schattierungen der Farbe Grün. Die Brandung an der Felsbarriere der Aran Islands. Schafsscheiße unter den Schuhsohlen. Chips mit salt & vinegar. Einsame Landstraßen flankiert von gelben Ginsterbüschen. Die Stille an der Uferpromenade, wenn die Reisesaison zu Ende ist. Der Wind in den Haaren beim Hafenspaziergang am Abend.

In geselliger RundeKapitel IV Eigenheiten und Anekdoten

Wenn es so wäre wie zu Hause, wäre es doch langweilig und die Fahrtkosten könnte man sich auch sparen. Das Fremde, das Neue reizt also den Betrachter. Dies führt zu dem Schluß, daß das einmal neu gesehene schon bald als alt vielleicht sogar gewohnt auf der Schutthalde der Erinnerung dahinvegetiert.

Auch Irland bietet für den ständigen Besucher vor allem altvertrautes, jedoch hat man viele Eigenarten und Besonderheiten kennengelernt, die nicht Gefahr laufen Langeweile zu verbreiten. Im Gegenteil, hat man eine Weile darauf verzichten müssen, vermißt man auch die kleinsten Dinge.
Wie öde erscheint es einem doch hierzulande im eigenen Auto durch die Gegend zu fahren, könnte man doch eine der unvergleichlichen Fahrten mit busdriver Brian von Donegal town nach Carrick / An Charraig erleben. Der gute alte Brian ist fast zu gut um echt zu sein. Mit seinen rötlichen Haaren, seiner rauchigen Stimme und dem vollen Bart, paßt er mehr in einen Reiseprospekt als ihm selbst lieb sein kann. Brians Bus ist eine fahrende musicbox und die Lautstärke -sehr angenehm- richtig laut, so daß alle es hören können, nicht wie dieses leise Gesäusel aus irgendwelchen Ritzen, das einen in seiner gerade noch hörbaren Lautstärke und seiner Monotonie in den Wahnsinn treiben kann.

Brians Begrüßungen beim Betreten des Busses fallen immer herzlich und nicht selten sehr lustig aus. Seine Zwischenstopps, etwa für ein “paff paff” in Killybegs / Na Cealla Beaga oder einfach am Straßenrand, um wilde Blumen für die weiblichen Fahrgäste zu pflücken, sind schon legendär. Hilfsbereit, wenn es um schweres Gepäck geht und auskunftsfreudig, wenn du was ( egal was ) wissen möchtest und bist du auch noch so spät dran, irgendwie schafft es Brian, daß du – du weißt selbst nicht wie – in einem Anschlußbus sitzt.

Ich hatte das Glück einmal mit Brian die letzte tour an einem Abend zu fahren und er hat mir dann, nicht ohne mich im Pub der Dorfgemeinschaft vorzustellen, eine von denjenigen Unterkünften gezeigt, wie du sie nur einmal auf deinen Wegen durch Irland findest. Leider gibt es sie heute nicht mehr, wie viele von den wunderbaren Orten, die der zunehmenden Kommerzialisierung zum Opfer gefallen sind. Aber Brian gibt es noch und ein besseres Aushängeschild für Kundenfreundlichkeit kann sich Bus Eireann gar nicht wünschen. Und glaubt mir, nirgendwo klingt “I still haven’t found what I’m looking for” so gut wie in Brians Wackelkiste mit Blick auf Donegal Bay.

Das Busfahren an sich ist ohnehin eine eigene Sache in Irland. Während in der Sommersaison sich Bus an Bus reiht, ist in den anderen Wochen des Jahres fern vom “summer only service” das Busfahren reine Glücksache, da sollte man sich glücklich schätzen, wenn an einem Tag wenigstens ein Bus verkehrt. Manche Touren findet man sogar nur einmal die Woche. Da heißt es, sein Glück als Anhalter zu versuchen. Hat man neben dem ausgestreckten Daumen dann auch noch ein freundliches hitch-hiker-Lächeln zu bieten, sollte es kein Problem sein, eine gute Mitfahrgelegenheit zu finden. Als “Gegenleistung” für die Fahrdienste wird zumeist ein munterer Plausch “verlangt”.

Zeit spielt keine Rolle auf der Emerald Isle. Da schaut man auf dem Anwesen der Familie O’Connor vorbei, weil ja die Tochter in Deutschland in unserem Städtchen lebt und zur Zeit Ferien bei ihren Eltern macht. Leider ist sie gerade heute nach Galway / Gaillimh gefahren, aber anstatt es bei dieser Information zu belassen stellt Papa O’Connor den Traktor kurzerhand für den Rest des Tages ab und bittet uns zu seiner Frau ins Haus. Bei einem Gläschen ( na ja, es waren mehrere ), verbringen wir, die wir uns gar nicht kennen, den ganzen Nachmittag miteinander, reden über die laufende Gaelic Football Saison und das letztjährige Endspiel, natürlich über Deutschland und die Vorzüge hier an der Küste von Clare am Meer zu wohnen. Erst als die Dunkelheit hereinbricht werden wir dann ins Dorf zu unserer Herberge kutschiert und wir verabschieden uns in der Hoffnung uns einmal wiederzusehen, wenn wir und hoffentlich auch Caroline und Paul mal wieder gleichzeitig im county Clare zugegen sind. Alls gute Mr. And Mrs. O’Connor !

Eine Eigenschaft der Iren die man besser früher als später erkennt, ist ihr Hang Leute hinters Licht zu führen. Derjenige, der einem anderen einen Bären aufbinden kann, dessen Tag ist bereits reich beschenkt und je größer dieser sprichwörtliche Bär, desto besser.

Die Jungs aus Kerry / Chiarraí sind darin wirklich nicht zu verachten und als wir in Peter’s uriger Küche nach einem nächtlichen Pub-Besuch noch auf ein Glas heißen Whiskey ( Whiskey mit ey, damit das hier schon mal geklärt ist ) mit Nelken und Zitrone zusammensaßen und Peter meinte, zu diesem Getränk passe nur Schokolade, war mein Alarmsystem aktiviert.

Jedenfalls war ich nicht bereit beim lokalen Tante Emma Laden ( um 2.30 Uhr morgens !!! ) zu klingeln und nach Schokolade zu verlangen, so wie Peter das vorschlug. Meiner Meinung nach konnte sich ruhig ein anderer damit zum Depp der Nacht machen. Doch siehe da, wenig später kam Ellen mit mehreren Tafeln Cadbury’s zurück. “Ich hab geklingelt”, verkündete sie stolz “und jemand hat zum Fenster rausgeschaut und gefragt was ich wolle”. Schokolade habe sie gesagt, und seine Antwort? Wieviel……….

Eine rühmliche Ausnahme aber ansonsten wird das muntere Spiel andere hinters Licht zu führen rege betrieben. Das geht im Extremfall soweit, daß jemand mit der Nachricht vom Tod eines guten Freundes eine ganze Party zum abrupten Ende verurteilt, während dieser angeblich Verblichene munter im Süden Deutschlands seine Zeit auf dem Festland genießt.

Das Eigene an diesem Volkssport ist jedoch, daß man es schlichtweg bei der Verarschung ( ja, dieses deutsche Wort hat mancherorts bereits seinen Einzug ins Englische gehalten ) beläßt, ein Schulterklopfen und ein versöhnliches “war ja alles nur Spaß” gibt es dort nicht, man läßt den Verballhornten in seinem Glauben und sollte er es jemals herausfinden, ist die Schmach um so größer, je länger er dafür gebraucht hat.

BerganKapitel V Heute hier, morgen dort

Sich zuvor eine “best of Liste” auszuarbeiten und nach und nach abzuklappern macht wenig Sinn. Wie bereits erwähnt, sollte man sich sehr viel Zeit für die Erkundung der Insel lassen und dann findet man genug Sehenswertes ganz ohne die obligatorischen touristischen highlights. Man kann diese Insel verlassen, ohne ein einziges Ziel aus der immer gleichen Palette von Plätzen und Gebäuden die angeblich einfach besucht werden müssen, angesteuert zu haben und doch hat man, wenn man es vernünftig anstellt, die großartigsten Eindrücke ganz für sich alleine von seinem eigenen Irland.

Der beste Wegweiser ist normalerweise zwischen 40 und 100 Jahre alt, sitzt auf einer Bank und hat ausreichend Zeit für einen Plausch, der üblicherweise mit diversen Betrachtungen über das irische Wetter beginnt.

Die Alteingesessenen eines Ortes wissen immer was zu tun ist. Wenn man nach einer gemütlichen Unterkunft sucht, nach dem günstigsten Bootsverleiher oder dem besten Wanderweg Ausschau hält, wissen will, wo man in Ruhe ein Bier trinken kann oder einfach etwas über den Flecken Erde wissen will, an dem man gerade gestrandet ist, so kann man sich den Weg zum Tourist Office oft sparen und kein noch so dicker Wälzer kann die Informationen auch nur annähernd liefern, die man von den lokal ansässigen älteren Iren selbst erhält.

Keine Angst vor den eigenen Sprachkenntnissen. Die Iren bemühen sich wirklich einen zu verstehen auch wenn nicht alles grammatikalisch oder von der Wortwahl her perfekt beim anderen ankommt. Solange sie nur annähernd verstehen was man will, wird man auch eine passende Antwort bekommen.

Umgekehrt allerdings kann es bei der Verständigung sehr wohl hapern. Nein es geht nicht um die Mär vom wilden, gälisch sprechenden Westiren, es liegt am Dialekt, der zuweilen sehr ausgeprägt sein kann und an den man sich erstmal eine Zeit lang gewöhnen muß. Und so verwundert es einen nicht wenn ein Australier ( und damit muttersprachlich englisch daherkommend ) im Pub verzweifelt fragt “verstehst Du was der da eben gesagt hat” und es nun gar nicht fassen kann, daß der Deutsche ( fucking Kraut würde Catherine (Mc)Guyot sagen ) das wirklich verstanden hat.

Wolfgang fühlt sich wie zu HauseKapitel VI Gastlichkeit

Nach welchen Kriterien wählt man seine Unterkunft aus? Geht es nach den offiziellen Herrschaften die über Land reisen und Wertungen vergeben, dann wohl als erstes nach Sauberkeit, Service und so weiter.

NEIN SIR ! Mitnichten, nicht für einen Reisenden der nach einem langen Tag im salzigen Wind und mit heißen Füßen an eine Tür klopft ( die in Irland ohnehin selten verschlossen ist ). Nein, die Rangfolge ist eindeutig: Nummer 1: heiße Dusche, Nummer 2: heiße Dusche, Nummer 3: heiße Dusche. Nummer 4: freundliche Leute, Nummer 5: ein schönes Torffeuer, Nummer 6: gute Atmosphäre, Nummer 7: ein angenehmes Bett, Nummer 8: eine schöne Landschaft rundherum, Nummer 9: Sauberkeit!

Unterkunftsmöglichkeiten bieten sich für jeden Geschmack und sind so reichlich vorhanden, daß bis auf die absolute Hauptsaison ein großes Vorausbuchen nicht notwendig ist. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß Vorausbuchen ohnehin zum Kardinalfehler Nr. 1 führt, dem Zeitplan. Den sollte man ja über Bord werfen und sich von Tag zu Tag entscheiden, wie es weitergeht.

Günstigste Übernachtungsmöglichkeit sind sogenannte Hostels, die klassische Unterkunft für backpacker, dort sind auch Campingmöglichkeiten nicht weit. Bed & breakfast gibt es allerorts und abseits der Touristenhochburgen auch zu annehmbaren Preisen. Lodges, country houses und Hotels sind ebenfalls weit verbreitet.
Ist man alleine unterwegs, was in Irland bei weitem kein Nachteil ist, im Gegenteil, so findet man als traveller oft Gleichgesinnte. Jedoch bedeutet das nicht, daß jeder, der mit einem Rucksack durch die Lande zieht, sich automatisch als Weggefährte eignet. Nationalitäten und Charaktere gibt es, vor allem zur Urlaubszeit, in Irland wie bunt gefleckte Schafe auf den endlosen Hügeln. Mein persönlicher Eindruck ist, daß die Solidarität und die gemeinschaftliche Verbundenheit der traveller in den letzten Jahren stark gelitten hat. Spontanes Zusammenfinden und gemeinsame Unternehmungen haben doch spürbar nachgelassen und wären da nicht oft altbekannte Gesichter, die sich an manchen Orten wundersamer Weise zur gleichen Zeit immer mal wieder einfinden, erschiene manches etwas trister.

Da denke ich manchmal mit Wehmut an die frühen Irland-Jahre zurück. Mag es auch wie eine Grußparade im Radio erscheinen, so will ich an dieser Stelle doch eine Lanze für meine früheren Weggefährten brechen und ihnen sagen, daß es gut war, sie in Irland getroffen zu haben. Die gute alte Gabi, die uns in einer Nacht vor dem Ertrinken im eigenen Zelt gerettet und mit uns viele schöne Tage im ersten Irland-Jahr verbracht hat. Ingrid ( Verdamp lang her dat mer jesproche hann ) die Tage in Waterville waren einfach wunderbar. Schade, daß wir schon lange nichts mehr von Dir gehört haben. Adrian unser verzweifelter Gedichteschreiber. Michi, der Bayer, der uns eher wie frisch aus Jamaica eingeflogen erschien mit seiner braunen Haut und den monströsen schwarzen Locken. Anne und Stefanie, denen keine Wandertour zu weit und kein hitchhike-Versuch zu lang war. Silvia aus Südamerika und Bloody Mary aus Wien ( für eine Österreicherin ganz beachtlich ), die zusammen mit Jantje und Catherine aus der Schweiz das Haus zum Beben brachten. Danke Cat für die Gitarrenbegleitung und das “Wellenreiter”-Duett und die späteren Besuche in der Schweiz am Bieler See. Tapfere Ellen unsere Schokoladenkäuferin mit den bunten Hosen. Unsere VW-Bus Fans aus Baden- Württemberg ( sorry, forgot the names ). Hi there Sandie and Carol, die mir im eisigen Londoner Januar eine Unterschlupf gaben und die immer wieder zur grünen Insel zurückkehren. Die Eicher sisters, die mit uns tapfer gegen den Widerstand der gards am Dubliner Flughafen die ganze Nacht durchhielten. Peter der Pälzer und Thomas mit dem magic umbrella. Grüße nach Portugal oder Chemnitz, wo immer du bist Jana. Die Zeit bei Peter 93 war die beste in all den Jahren. Daß manches trotz aller Widrigkeiten und Entfernungen doch noch überdauert, beweist die Freundschaft zu Kathrin, Jana’s Schwester, die all die Jahre überstanden hat, und daß Kathrin meine Trauzeugin geworden ist verdanke ich letztendlich den Tagen auf der Iveragh Peninsula. Paß gut auf dich auf, Frau Doktor!

Doch bevor ich zuviel in eigenen Erinnerungen schwelge und die Leserschaft zu langweilen beginne, will ich meine Betrachtungen zur Insel an sich fortsetzen.

Pub. Drei Buchstaben, die für viele nur eines bedeuten, nämlich wüste Saufgelage. Und tatsächlich begeben sich viele Leute nach Irland in der Hoffnung in einem urigen Pub das Besäufnis ihres Lebens abhalten zu können ( etwa die Kategorie Irlandbesucher, die anstatt von Gaelic von Garlic Games spricht ). Zugegebenermaßen kann es durchaus sein, daß in so mancher Bar einer zu viel über den Durst getrunken wird, doch einen Pubbesuch darauf zu reduzieren wäre zu einfach, außerdem habe ich anderorts bei verschiedenen Anlässen, etwa einer Trauerfeier ( und die dauert, wenn traditionell abgehalten mehrere Tage ) weit wüstere Trinkgelage erlebt.

Ein Pubbesuch ist weit mehr. Zuerst ist da die Erkenntnis, daß es keine Szenekneipen gibt ( ja,ja… in den größeren Städten natürlich sehr wohl, aber wir sind ja auf dem Land ). Hier trifft sich zwischen 0 und 120 Jahren alles und ob alt oder jung, Gruppenbildung ist nicht zu verzeichnen, hier kann jeder mit jedem, unabhängig vom Alter.

Wie immer sollte man vermeiden in die erste Kneipe, die live music und seafood verspricht hineinzufallen, sondern lieber nach der ein oder anderen Hinterhofkneipe Ausschau halten bzw. den bereits angesprochen Reiseführer ( den zwischen 40 und 100 Jahren ) zu Rate ziehen. Pubs in die täglich ganze Kolonnen von videobehängten Badelatschenbustouristen geradezu hineingekarrt werden, gibt es nämlich genug. Ich für meinen Teil sitze lieber gemütlich mit einem pint in einer Ecke und kann gerne darauf verzichten zum 384sten mal “Whiskey in the yar” um die Ohren gehauen zu bekommen. Lieber höre ich mir die alten Weisen des sean-nós an. Und wenn dann vielleicht doch der ein oder andere mit einem Instrument aufwartet und spontan zur fidil, bodhrán, píb, fliúit oder giotár greift, so ist eine einzige session in diesem Stil mehr wert als 1000 einstudierte Auftritte.

Übrigens: den Aufruf “last order” sollte man durchaus beachten. Auf dem Land jedoch sollte man mit wachem Auge die Situation prüfen. So war es für mich anfangs doch verwunderlich, daß der local gard ( Polizist ) fünf Minuten vor Sperrstunde mit grimmigem Blick die Pubbesucher ermahnte die Sperrstunde einzuhalten, eine halbe Stunde später jedoch ( nachdem die Eingangstüren geschlossen waren und irgendwer die Zeiger der Uhr fünf Minuten vor “Buffalo Bill” festgenagelt hatte ) selbst unter den munteren Zechern saß.

Bier und Whiskey. In Irland trinken alle nur Guinness. Eines von vielen Vorurteilen, das über den irischen Ausschank verbreitet wird. Natürlich ist das Gebräu der Familie Guinness ein absoluter Verkaufsschlager ( nicht nur in Irland ) jedoch sind auch andere Biere, ob stout oder lager, überall erhältlich und sogar das für den Deutschen gewohnte Helle ist weit verbreitet. Sein Bier holt man sich am Tresen und zahlt es auch gleich, Tischbedienung mit Deckelstrichen wie hierzulande ist nicht zu erwarten (außer in den Tourizentren). Wird ein Glas spendiert, so ist es Usus dem Spender auch einen auszugeben und bitte bestellt kein “glas of beer” sondern ein pint / pionta und für die Damen wenn gewünscht ein half pint / leathpionta.

Beim Whiskey möge jeder selbst herausfinden, welche Sorte ihm behagt ( am besten bei einer Destillerie -Besichtigung mit Probe ). Zuvor sollte man sich jedoch im Klaren sein, ob man überhaupt zu dem goldbraunen Wässerchen greifen will. Meine unverhohlene Vorliebe gilt dem Bushmills Whiskey aus Antrim.

Sollte man einmal wirklich sogenannten Potín angeboten bekommen, so ist der mit Vorsicht zu genießen. Potín ist ein schwarzgebrannter Whiskey der sich zuweilen durch einen enormen Alkoholgehalt auszeichnet.

Die Heilkraft des Whiskeys wird allerorts beschworen und zur Verdeutlichung immer die Übersetzung “Wasser des Lebens” bemüht. Eine Übersetzung des Begriffs uisce beatha, neben dem auch das Wort fuisce gebraucht wird.

Gegrüßt wird in Irland durch ein Neigen des Kopfes zur Seite, bzw. beim Auto fahren mit ausgestrecktem Zeigefinger.

Nachdem so viel vom Trinken die Rede war, sollte man aber das Essen nicht vergessen. Auch hier bieten sich von der fish & chips Bude bis zum Hotel-Menue auch die verschiedenartigsten Möglichkeiten. In einem Fernsehreisebericht hieß es einmal sinngemäß: die Franzosen haben eine Sorte Fisch und hundert Sorten Soßen, die Iren haben hundert Sorten Fisch, aber nur eine Soße, die französische Küche ist weltberühmt, von der irischen spricht keiner. Nun ganz so extrem ist es natürlich nicht und auf anderes Essen als von zu Hause gewohnt muß man sich anderorts immer einstellen. Gewisse Eigenheiten wie den Unterschied zwischen Inselfrühstück und kontinentalem Frühstück oder Pommes Frites mit Essig sollte man jedoch schon kennen und immer daran denken: nur weil ein Gericht genauso heißt wie zu Hause, muß noch lange nicht dasselbe drin sein und muß es auch bei weitem nicht so schmecken.

WestküsteKapitel VII Walking along your western shores

In diesem Kapitel will ich etwas mit meinem Vorsatz brechen und doch ein paar kleine Reisetips für die Leser geben, die bis hierhin durchgehalten haben. Eine Idealroute werde ich jedoch nicht proklamieren. Vielmehr will ich ein paar kleine Stationen nennen, die mir mit der Zeit ans Herz gewachsen sind und die ich immer wieder aufsuche.

Irlands Westküste ist eine einzige Offenbarung an zerklüfteten Felsformationen. Von den mächtigen Steilhängen des Slieve League im county Donegal über die senkrechten Klippen der Cliffs of Moher im county Clare bis hin zu den Skellig Rocks draußen im Atlantik vor der Iveragh Peninsula im county Kerry.

Beginnen wir in der Grafschaft Munster / Cúige Mumhan.
Der Besuch auf den Skellig Rocks ist eine wunderbare Angelegenheit, solange es nicht in Massentourismus ausartet. Aber hier besteht die Hoffnung, daß die Verantwortlichen vor Ort umsichtig mit ihren Inseln umgehen und den Besucherstrom zu regulieren wissen. Die beste Möglichkeit für eine wunderbare Überfahrt bietet Joe Roddy aus Waterville / An Coireán vom Ballinskelligs / Baile an Sceilg Pier aus.

Überhaupt bietet das Örtchen Waterville ( in dem übrigens Charlie Chaplin ein Haus besaß und wo er oft zum angeln weilte ) einen guten Ausgangspunkt für Erkundungstouren um und auf dem Ring of Kerry, der trotz des enormen Besucherandrangs noch immer Schlupflöcher für den traveller bietet. Und wer sich zunächst nicht zurechtfindet, der möge einfach nach Peter Fitzgerald fragen. Bei Pete könnt ihr alles erfahren, was ihr braucht, um ein paar entdeckungsreiche Tage in Kerry zu verbringen ( einschließlich Joe Roddy’s Telefonnummer für einen Skellig-Trip ).
Guter alter Peter, was wäre Irland ohne Dich. Wo immer Du gerade sein magst, falls Du irgendwann, irgendwie, irgendwo diese Zeilen liest, sei mir gegrüßt altes Loch Ness Monster und Danke, nur durch dich hab ich mein Irland gefunden. Selbst damals, als ich Dich in deinem ausgebrannten Haus wiedersah, war es, als scheine das Licht in den Fenstern dieser vom Feuer so arg geschundenen vier Wände heller als in allen anderen Fenstern auf all meinen Reisen. Und jedesmal, wenn ich durch deine offene Tür gehe, nach langer Anreise, freue ich mich deine strahlend blauen Augen in dem von der Sonne verbrannten Gesicht unter dem weißgrauen Haar irgendwo im Chaos deiner Küche zu entdecken. “Heimat ist immer wo wir Freunde finden, wo jemand auf dich wartet, da ist zu Haus. Und Glück, wenn nach all deinen Wegen, jemand ein Licht für dich ins dunkle Fenster stellt. Heute Nacht kann ich mein Bündel niederlegen, in meinem Dorf am Ende der Welt” ( Reinhard Mey ). Go mbeirimid beo ar an am seo arís. Sláinte mhaith agus bás in Éirinn.

Natürlich darf ich nicht vergessen dem Besucher für Angeltouren, Bootsverleih oder Golf-Lektionen die Dienste der Gebrüder McGillicuddy ans Herz zu legen. Bei Dominic und Finbar in Waterville ist man in guten Händen.

Allein Waterville’s unmittelbare Umgebung bietet viele Möglichkeiten für Erkundungen. Ob Wanderausflüge zu den Buchtenden Hog’s Head oder Bolus Head, Touren auf oder um den Lough Currane, eine Fahrt zum staigue fort, einem Tag am Strand von Caherdaniel, Touren nach Valencia oder Puffin Island oder die bereits angesprochene Fahrt zu den Skellig rocks.

County Clare bietet mit dem Burren / An Bhoireann eine zerklüftete, felsige Landschaft, die vor allem mit der Flora dieses “riesigen Steingartens” immer wieder Besucher anzulocken vermag. Die Cliffs of Moher sind zwischenzeitlich vor allem auf Bildern derart präsent, daß sich jeder weitere Hinweis erübrigt ( Tip: ganz früh morgens oder spät am Abend hingehen, um den Massen zu entkommen und nicht auf der Aussichtsplattform bleiben, sondern den Weg zum äußeren südwestlichen Zipfel erwandern ). Möglichkeiten für einen Besuch der Aran Islands / Oileáin Árann, ob per Fähre von einer der vielen Anlegestellen, oder per Flugzeug mit den Aran Flyers bieten sich genug. Vor allem die größte Insel Inishmore / Inis Mór ist ein beliebtes Ausflugsziel und die verbliebenen Steinmauern von Dún Aengus immer noch ein imposantes Relikt vergangener Zeiten. Dennoch darf man daneben Inishmann / Inis Meáin und Inisheer / Inis Oirr nicht vergessen. Das Wetter dort draußen im Atlantik mag bisweilen etwas rauher sein, doch muß man davon ausgehen, daß sonne-, sand- und palmenhungrige Zeitgenossen ohnehin den Weg in diese Breiten nicht finden.

“If you’re looking for Einsamkeit, come to Connemara”, so stand es auf einer Postkarte, die ich vor vielen Jahren von meinem Kumpel Jo Wack erhielt. Eine Gegend wie geschaffen für den ewigen Pfadfinder mit bürgerlichem Namen Hans-Joachim. Abseits der touristischen Hochburgen bietet sowohl das Inland, als auch die Connemara / Conamara coast weite einsame Landstriche von rauher Schönheit. Endlose Bäche und Rinnsale durchziehen das Land, auf das, so scheint es, vor ewigen Zeiten ein wahrer Felsregen herniedergegangen sein muß. Wie aus dem Wasser ragende Walrücken, besetzt mit unzähligen grau-weißen Muscheln zwischen denen immer wieder die Farben grün und gelb hervortreten, so durchziehen die Felsen die Hügel und die Moore Connemaras.

Nicht weniger wild und zerklüftet ist die Küste Connemaras und vielleicht sitzt der gute Jo jetzt irgendwo bei einem zarten Lachs und einem pint auf einer seiner Wandertouren weit weg vom heimatlichen Deutschland und läßt in der Abgeschiedenheit und Ruhe von Irlands Westen die Seele baumeln.

Ob Küste oder Inland, ob entlang der Sky Road oder rund um die Twelve Pins, Connemara bietet noch immer einen Winkel, der weite einsame Landstriche aufzuweisen hat und damit dem individuellen Wanderer ein willkommenes Refugium.

County Donegal hoch im Norden der Westküste ist ein letzter Zufluchtspunkt abseits vom Massentourismus, wenn es auch ganz ohne Tourismus auch hier nicht geht. Jedoch wird dieser aüßerste Zipfel der Grafschaft Connaught / Cúige Connacht oft vergessen, und der Besucherstrom konzentriert sich auf die weiter südlich gelegenen Regionen. Schade ? Nein, ein Glücksfall für jeden Rucksackreisenden und ein absolutes Highlight jeder Reise.

Von Donegal town aus führt die Straße zumeist an der Küste entlang über Killybegs nach Carrick. Man kann sowohl eine Busfahrt – falls nicht selbst motorisiert – ins Auge fassen, als auch in einem Tagesmarsch ( Scenic Road ) die Strecke absolvieren. Aus Erfahrung sei darauf hingewiesen, daß die Strecke zwar herrlich zu durchwandern, aber vor allem für mit schwerem Rucksack beladene traveller nur bei guter Kondition zu empfehlen ist. Der Blick über die Donegal bay entschädigt auf jeden Fall für den ein oder anderen unvermeidlichen Anstieg.

In Carrick oder Teelin / Teileann kann gut Quartier bezogen werden. Von dort aus kann man den Aufstieg zum Slieve League und dem Aussichtspunkt Amharc Mór, Bunglas in Angriff nehmen. Auch hier sollte man die Distanz nicht unterschätzen. Am Ende jedoch bietet sich der grandiose Anblick der 600 m hohen Klippen, deren höchste Punkte oft im Nebel oder in tief hängenden Wolken verschwinden. Mein Appell an alle Besucher: bitte aufsteigen, nicht hinauffahren, es muß nicht immer das Auto sein! Eine andere Möglichkeit sich die Klippen zu betrachten besteht von der Seeseite her und wer sich zu Wind und Wellen hinauswagen möchte, ist im Boot des alten Seebären Käpt’n Sputnik gut aufgehoben.

Eine Wanderung über den one man’s path entlang der Klippen sei nur bei klarem Wetter empfohlen. Den Himmel sollte man dabei immer im Auge behalten, denn das Wetter schlägt hier oft sehr schnell um, und wer in den Wolken oder im Nebel seine Füße nicht mehr sieht, der begibt sich in große Gefahr. Der Weg trägt nicht umsonst den Namen “one man’s path”.

Wenn schon mal in Teelin angekommen, lohnt sicher ein Besuch in Heike’s Gallery im Aughera Cottage. Sollte einmal wirklich schlechtes Wetter oder keine Kamera zur Hand sein und man möchte doch eine Erinnerung an die Gegend und den Slieve League mitnehmen, so bietet sich an, eines oder mehrere von Heike’s Fotos zu erstehen, die die ganze Vielfalt dieser Landschaft widerspiegeln. Außerdem kann man bei Heike sicher die ein oder andere nützliche Information bekommen. Und sollte man nicht gerade an einer Katzenallergie leiden, lohnt der Abstecher zu Heike zu einem tea or coffee sicherlich. Möglichkeiten Heike zu finden gibt es mehrere, entweder nach selbstgemalten Schildern oder nach einem lila-gelben Auto Ausschau halten oder einfach nach “crazy Heike” fragen. Solltet ihr dann noch über einen Krückstock, eine Rallyestreifenjacke und über eine annehmbare Anzahl von Schafen verfügen, seid ihr sicher besonders willkommen. Sláinte Heike!

Falls man Gelegenheit dazu hat, sollte man sich den Besuch eines Gaelic Football Spiels nicht entgehen lassen. Donegal bietet hierfür sicherlich gute Möglichkeiten. Gaelic Football und Hurling sind alte gälische Sportarten, die es so nur in Irland gibt. Hurling kommt für den Festlandeuropäer etwas gewöhnungsbedürftig daher, wenn zwei Mannschaften mit über dem Kopf wirbelnden Holzschlägern auf einem fußballähnlichen Feld aufeinander losgehen. Das Spiel jedoch ist extrem schnell und interessant und bedarf auch viel Geschicklichkeit. Gaelic Football kommt einem vertrauter vor, auch wenn gravierende Unterschiede zum weltweit verbreiteten Rugby bestehen. Gelegenheit sich Spiele anzusehen bietet das Fernsehen, vor allem, wenn die GAA unter allen counties die jeweiligen Landesmeister ausspielt. Aber auch lokale matches können recht ansprechend sein und ein Spiel live zu sehen ist auf jeden Fall besser als im Fernsehen. Wem z.B. der europäische Fußball mittlerweile zu lasch erscheint, weil jede Textilberührung bereits mit einer Karte geahndet wird, dem werden vielleicht diese Spiele besser gefallen. Einer – unbestätigten – Theorie nach, wurde in früheren Zeiten die Mannschaft zum Sieger gekürt, die am Spielende weniger Knochenbrüche zu verzeichnen hatte.

Wer es nun bis in den höchsten Norden schaffen möchte, dem sei die Halbinsel Inishowen empfohlen, die als landschaftlich mit am reizvollsten in ganz Donegal gilt. Und wer dann noch weiter nach Nordirland möchte, der soll seinen Weg hier einfach entlang der Küste bis nach Ulster / Cúige Uladh hinein fortsetzen. Die Antrim Coast hat nämlich viel mehr zu bieten als nur den zugegebnermaßen beeindruckenden Giant’s Causeway / Clochan na bhFomharaigh, dessen mythologische Entstehungsgeschichte viel besser klingt, als die geologische Erklärung. Nein, Burgen, steile Klippen, Höhlen, grüne Hügel, Inseln wie Rathlin Island, weite Strände und vieles mehr gibt es hier zu entdecken und bildet einen wohltuenden Kontrast zum sonst so trüben klischeebehafteten Nordirlandbild.