Reiseberichte


Mit dem Auto durch Dänemark und Südschweden


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Schwedischer ElchDen Lille Havfrue
Tag 1: Hamburg – Kopenhagen

Schon am Vorabend, auf der Hamburger Trabrennbahn, beim Konzert von Depeche Mode hatten wir die erste Berührung mit Kopenhagen. Das Konzert war hervorragend, das Wetter war jedoch so, wie man es für einen Septemberabend in der Hansestadt eigentlich kaum besser erwarten kann. Immer wieder wurde der Sternenhimmel von grauen Schleiern überzogen und immer wieder goß auch Regen auf uns herab.

Dankbar schaute ich nach oben, als dicht hinter mir jemand einen Schirm öffnete, der auch meinen Kopf überspannte. Ein Löwenkopf und die Aufschrift F.C. Kobenhavn zeichnete sich über mir ab. “Kommt Ihr da her” war meine Frage, ein Nicken die Antwort.

Unbesetzt ist die Grenze an diesem Vormittag, die wir kurz nach 11 Uhr überqueren. Erst einmal waren wir – damals noch in Kiel wohnend – für einen Sonntag nach Sonderborg gefahren, nur um als “Wahlnordlichter” auch einmal der Norddeutschen liebstes Urlaubsziel gesehen zu haben.

Bereits 10 Minuten nach Überquerung der Grenze können wir somit festhalten, daß wir auf dem europäischen Festland noch nie so weit nördlich waren. Trotzdem ist das Nordkap noch weiter von uns entfernt als die italienische Hauptstadt Rom.

Vielleicht muß man sich mit derlei Gedanken beschäftigen, wenn man durch Dänemark fährt. Wenig ereignet sich links und rechts der Autobahn, grünes, leicht welliges Land dominiert, vereinzelte Häuser sind zu sehen. Kolding ist das erste markante Ziel, allerdings auch nur, weil wir hier die Autobahn wechseln, um auf die erste der großen, dänischen Inseln zu gelangen.

Fyn heißt sie, Odense ist die größte Stadt der Insel, die uns als nächste Orientierung dient. Kaum haben wir die kleine Brücke nach Fyn überquert, empfängt uns Dänemarks Inselwelt mit Regen. Die rund DM 50,– für die Überquerung der Brücke über den Store Belt erscheinen wie eine Fehlinvestition angesichts dessen, daß es nicht einmal lohnt, die Kamera herauszuholen. Zwar ist die Brücke sicherlich imposant, die Strecke lang, die wir auf dem Asphalt einige Meter über dem Wasser zurücklegen, doch das Grau der Wolken scheint die Pfeiler verschlingen zu wollen und die Scheibenwischer kämpfen gegen die Regenmassen an, die auf unsere Scheibe prasseln.

Ähnlich verwaschen bleibt die Aussicht bis wir den Autobahnring um Kopenhagen erreichen. Schlagartig stoßen wir aus der Regenwand hervor und versuchen schnell weiter nach Osten davon wegzukommen, hinein in das Herz von Kopenhagen.

Die Ausfahrt Kopenhagen V (in diesem Moment noch zweifelnd, was das V wohl bedeuten soll, das wir später auf West deuten) wählen wir und kommen über die O2 in die Stadt hinein. Auf den ersten Blick eine Stadt, die ungepflegte Wohnviertel hat und deren Industrieviertel uns empfängt, ändert sich das Bild drastisch, als wir näher an den Stadtkern herankommen.

Imposante historische Gebäude tauchen immer wieder links von uns auf, einen ersten Blick können wir schon auf den Nyhavn werfen, bevor wir die Bredgade hochfahren, den Schildern mit der Aufschrift “Den Lille Havfrue” folgend. Was in Deutschland gemeinhin als die kleine Meerjungfrau bekannt ist, ist in Dänemark als Hafenfrau bekannt. Wir halten am Indiakai auf einem leeren Parkplatz, der am Wochenende nach unseren Ermittlungen kostenfrei zu sein scheint. Unser Reiseführer hat wohl zu pauschal geurteilt mit der Behauptung, Kopenhagen solle man keineswegs per Auto erkunden, da es keinen Parkraum gäbe. Am Wochenende gibt es ihn überall und für die ganz lauffaulen gibt es sogar vor fast jeder Sehenswürdigkeit die Möglichkeit 15 Minuten in erster Reihe zu halten.

Den Lille HavefrueWir lassen unseren Wagen nahe der Lille Havfrue stehen und laufen um das Kastellet. Eine Traube Menschen ist das erste Indiz, daß wir auf der richtigen Spur sind. Und tatsächlich zeigt sich, als sich die Traube lichtet, hinter ihnen am Ufer die kleine Mehrjungfrau. Mit einem fachmännischen Blick versichern wir uns, daß auch diese Bezeichnung zumindest zutreffend ist, denn die Frau trägt Flossen.

Teils blank poliert, teils kupfern grün angelaufen sitzt sie mit verschämt gesenktem Blick vor den Kameras der Besucher und dreht dem Yderhavnen den Rücken zu. Auch wir machen unsere Bilder vom Wahrzeichen der Stadt, bevor wir nach Süden weiterlaufen.

Vorbei am Gefion-Brunnen, dessen Geschichte mir Claudia bereits erzählt hat (lt. der Legende hat die Göttin Gefion Seeland in einem Wettbewerb vom schwedischen König gewonnen), beginnt mein Urlaub mit einem Ritual. Bei Kafferiet, einem kleinen Stehcafé an der Esplanade, hole ich mir einen coffee to go und lerne mein erstes dänisches Wort: En.

Mit dem Reiseführer in der Hand, leitet Claudia uns die Bredgade hinunter. Als erstes statten wir der St. Ansgar Kirke eine Besuch ab. Die Außenfassade gerade zwecks Renovierung verhängt, versteckt sie sich fast in der exponierten Straße. Doch ein Plakette im Eingang hellt das Bild bereits auf. Papst Johannes Paul II. hat die Kirche vor einigen Jahren besucht.

Die Alexander Newskij Kirke passieren wir und schauen uns die Frederiks Kirke als nächstes an. Auch Marmorkirche wird das beeindruckende Bauwerk genannt, das etwas zurückgesetzt zu unserer Rechten steht. Eine runde Kuppel beeindruckt uns bereits von außen und bildet auch im Innern den Kern der Kirche. Ein Säulengang führt um den zentralen Andachtsraum herum. Die Kuppel ist von einem Muster durchwoben und umkreist von einem Spruch der wohl dänisch sein muß.

Wachen im SchlosshofWir laufen bis zum St. Anna Plads und die Amaliegade wieder nach Norden. Durch ein Tor betreten wir den Amalienborg Plads im Zentrum der heutigen Schloßanlage. Fußgänger sind hier willkommen und sogar Autoverkehr erlaubt. Vertreter der königlichen Garde (Wechsel täglich um 12:00 Uhr) patrouillieren vor den vier gleichartigen Gebäuden, in denen die königliche Familie wohnt und Hof hält. Die Flagge über dem Palais der Königin weht allerdings nicht im Wind, sie scheint nicht zu Hause zu sein.

Wir verlassen den Platz zur Tolbodgade und laufen wieder nach Süden. Ein alter Speicher raubt uns die Sicht auf den Hafen und bietet sie seinen betuchten Gästen. Er wurde zu einem Hotel umfunktioniert, das sicherlich hohe Preise für die extravagante Szenerie verlangt.

Wenige Schritte später erreichen wir den Nyhaven. Die Kaufmänner, die früher die Nähe des Binnenhafens suchten, haben hier längst anderen Kaufleuten Platz gemacht, die ebenfalls von den bunten Fassaden der Häuser, dem breiten Kopfsteinpflaster und der Lage am Hafenbecken profitieren. Die Kaufleute betreiben heute Restaurants und Bars und geködert werden sowohl Einheimische als auch Besucher aus aller Welt. Auch wir lassen uns bei der sympathischen Atmosphäre vor einem der Cafés nieder und sind nach etwas langer Wartezeit auf die Bedienung von den normalen Preisen letztlich überrascht.

Von einem der Boote wird – wie naheliegend – frisches Obst an die Passanten verkauft und wir haben den Eindruck, daß zumindest zu dieser Jahreszeit die Einheimischen die Touristen überwiegen. Gemächlich trinken wir Cola und heiße Schokolade, schauen uns die Leute an und bewundern die Häuser, die gelegentlich im Licht der Sonne bunt erstrahlen. Als wir uns gerade entscheiden zu gehen weil der Wind aufgefrischt hat, kommt allerdings Regen hinzu und wir bleiben sitzen, bis der erste heftige Guß vorbei ist.Boote im Nyhaven

Am Hafenbecken entlang machen wir uns erneut auf den Weg nach Norden. Zuerst scheint das Wetter uns wieder gutgestimmt zu sein, nahe des Gefion-Brunnen müssen wir dann allerdings doch den Regenschirm aufspannen, sehen daß die kleine Meerjungfrau selbst bei diesem Wetter noch Besucher anzieht und müssen an einer Hot Dog-Bude erfahren, daß sie gerade schließt. Um 6 Uhr ist also Feierabend.

Aber auch wir sollten uns auf den Weg machen, schließlich waren wir eigentlich für 3 Uhr bei unserem Bed & Breakfast avisiert. Allerdings ist es auch schwer zu finden, erweist sich als deutlich mehr als 10 Minuten vom Zentrum entfernt und auch nicht in unmittelbarer Nähe der S-Bahn-Station gelegen. Mit Hilfe eines auskunftsbereiten Tankwartes finden wir schließlich das Bente Beck B&B in einem nordwestlichen Vorort von Kopenhagen.

Fast 4 Stunden sind wir inzwischen zu spät und kriegen dafür auch unsere Schelte. Doch die können wir gleich zurückgeben, denn das Zimmer soll nicht wie bei bedandbreakfast.com gebucht 300 DKK sondern 350 DKK (zzgl. weitere 50 DKK online-Buchungsgebühr zzgl. 70 DKK für 2 Frühstücke). Es stellt sich heraus, daß die dänische B&B-Plattform es trotz ihrer Anweisung versäumt hat, die amerikanische Seite bedandbreakfast.com zu aktualisieren. Einige Minuten diskutiere ich mit dem Seitenbetreiber am Telefon und schließlich erhalten wir Zimmer und Frühstück zu den alten Preisen.

Das Zimmer ist schön, hat einen Fernseher und ein eigenes Bad sowie direkten Gartenzugang mit einem kleinen Tisch im Grünen. Und wenn das Wetter am nächste Morgen besser sein sollte, so könnten wir sogar draußen frühstücken.

Wir packen aus und fahren nochmals los. Schon seit einiger Zeit nagt der Hunger an mir und wir suchen, nachdem uns die Barbezahlung des Zimmers etwas die knappe Dänenkronen-Kasse aufgewirbelt hat, entweder nach etwas günstigem Essen oder nach etwas, das wir mit Kreditkarte bezahlen können.

Wir landen bei einem Pizza-Grill, der beides zu bieten scheint, kleine Gerichte zu nicht allzugroßem Preis und ein Kartenlesegerät, das auf der Theke steht. Die Gerichte sind in Ordnung, mit dem Lesegerät haben wir uns allerdings getäuscht, da er nur Visa-Card akzeptiert. Somit wird unsere Rückreise durch Dänemark entweder schnell sein müssen oder an einem Geldautomaten vorbeiführen.

Zurück in unserem Zimmer entdecken wir beim Zappen einen deutschen Sender. Es ist die ARD und wir bleiben tatsächlich am Tatort hängen. Vielleicht die Art Entspannung, die man zu Beginn eines Urlaubs braucht.

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