Reiseberichte
Mit dem Auto durch Dänemark und Südschweden
Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Mit dem Auto in Göteborg
Tag 10: Trollhättan – Göteborg – Väröbacka – Bua
Der nächste Morgen beginnt wieder mit einem selbstgemachten Frühstück in der Küche des Wandererheimes. Die vermeintlichen Wasserfälle sind unser Ziel. Wir folgen der Ausschilderung, die uns den gleichen Weg zeigt wie noch wenige Stunden zuvor und die uns zu Aussichtspunkten führt, die das Bild zeigen, was wohl zu erwarten war: ein trockenes, felsiges Flußbett tief unterhalb der Staumauern. Daß hier ein prächtiger Wasserfall entstehen kann, kann man unzweifelhaft erkennen, doch keinen Tropfen lassen die Schleusen durch.
Also fahren wir eben zu den Schleusen, die seit mehr als 200 Jahren dazu beitragen, Vänernsee und Skagerak zu verbinden. Schon 1749 wurde es versucht, im Jahr 1800 gelang es dann, die erste Schleuse bei Trollhättan in Betrieb zu setzen. Doch die Konkurrenz schlief nicht und Alternativrouten wurden mit Kanälen erschlossen und Trollhätten kämpfte, um seine Rolle zu behalten. 1844 wurden zusätzliche Schleusen eröffnet, Ende de 19. Jahrhunderts durch leistungsfähigere abgelöst und selbst im 20. Jahrhundert wurde nochmal eine Ausbaustufe verwirklicht. So kann die Stadt schon fast als Museum des Schleusenbaus gelten.
Wir schauen uns die von 1800 und 1844 an, die auf kleinen holprigen Straßen in der Nähe des Kanalmuseums zu finden sind. Leicht geöffnet sind die alten, hölzernen Tore, um nicht dem Druck des Wassers ausgesetzt zu werden, der sie zerbersten könnte. Für kleine Privatboote werden auch die alten Schleusen noch genutzt und selbstverständlich gibt es auch Schleusenfahrten, aber jetzt, in der Nachsaison tut uns keiner den Gefallen und demonstriert die Nutzung der Schleusen.
Wir verlassen die Stadt schließlich, die uns nicht viel zeigen wollte, und fahren nach Süden. Die zweitgrößte Stadt Schwedens ist unser Ziel. Mit dem Auto nach Göteborg zu fahren, ist das schlimmste, was man tun kann, ist sich unser Reiseführer sicher. Irrwitzige Einbahnstraßen, überteuerte Parkgebühren, volle Straßen.
Wir lassen uns von der Aussage beeindrucken und können ihr auch teils zustimmen. Die Straßen winden sich schneller in Kurven, als wir es auf dem Stadtplan nachvollziehen können, Spuren brechen plötzlich nach links und rechts weg und ich halte mich schließlich stur nach dem Schild City-Parkhaus und fahre hinein. Auch der Punkt Parkgebühren stimmt. Für den ganzen Tag will man DM 28,– von uns haben und eigentlich wollten wir ziemlich lange bleiben.
Was soll’s. Wir kurbeln unseren Wagen die Etagen hoch und kommen irgendwann an einer Waschstraße vorbei, deren Schild auf schwedisch und englisch ich nicht schnell genug erfassen kann. Zwei Etagen höher finden wir schließlich eine Lücke. Doch die Waschstraße läßt mir keine Ruhe. Über die Treppen gehen wir wieder runter und erkundigen uns. Wer das Auto waschen läßt, parkt kostenlos. DM 110,– will er zuerst für eine Komplettreinigung haben, was uns zu teuer ist. Wir einigen uns schließlich auf DM 80,– für eine komplette Außen- und Innenwäsche, die das Auto, das auf dieser Reise ja auch Wohn- und Eßzimmer ist, gut gebrauchen kann.
Zusammen holen wir das Auto und stellen es vor die Waschstraße. Im Ausland, ausländisches Personal, kein schriftlicher Auftrag, kein Beleg, unser gesamtes Reisegepäck und auch ein Stück der Reisekasse noch im Auto verborgen. Wir drücken die Bedenken beiseite und machen den Deal.
Die zweitgrößte Stadt Schwedens hat nicht einmal 500.000 Einwohner. So ist auch ein Großteil der Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erlaufen. Die Stadt liegt an der Mündung des Götakanals ins offene Meer und hat diese Lage (leider für Besucher) der Schiffahrt geopfert. Hunderte von Frachtschiffen, Fähren und Privatyachten bevölkern die Anlegeplätze der Stadt und nehmen ihr den direkten Zugang und Blick aufs Wasser.
Doch wir starten am Gustav Adolfs Torg und damit direkt an einem der Kanäle, die Göteborg durchziehen. An dem Platz, auf dem eine Statue des Gründers der Stadt (Gustav II. Adolf) steht, befinden sich Rathaus und Börse. Durch ersteres gehen wir hindurch, beide sind jedoch nicht sonderlich spektakulär.
Entlang des Hamn-Kanals gehen wir nach Westen, vorbei an der deutschen Kirche, die noch nicht geöffnet hat. Am Ostindiska Huset biegen wir zum Kronhuset ab. Das älteste Gebäude der Stadt war das Zeughaus der Garnison und dient heute als Kunst- und Ausstellungshalle. Während unseres Besuches dient es jedoch als Konzertstätte und ist dementsprechend vormittags nicht geöffnet. Um das Kronhuset herum ist ein Viertel aus Kunst- und Handwerksläden entstanden. Auch dies sind alte Gebäude der Garnison, in denen man sich die Reise durchs Land ersparen kann. Beispielsweise gibt es hier Glasbläser, die mit einem Ofen ihr traditionelles Handwerk praktizieren und vorführen und natürlich ihre Produkte verkaufen. Daneben gibt es Goldschmiede, Töpfer (schade, daß ich die Kuheiherbecher nicht gekauft habe!), Uhrmacher und Krimskrams-Läden. Selbst wenn man in Schweden schon rumgekommen ist, lohnt sich dieser kleine Besuch.
Uns führt der Weg wieder zurück über den Hamn-Kanal zur Antikhalle, einem zweistöckigen, ehemaligen Bankgebäude (Vermutung), in dem heute das größte nordeuropäische Antiquitätenzentrum ist. Eine große Auswahl gibt es hier ohne weiteres, die Preise scheinen eher auf Touristen denn auf Fachleute fixiert, aber vielleicht gibt es ja Verhandlungsspielraum. Wir haben es nicht versucht.
Es fängt leicht an zu regnen, weswegen wir in der Domkyrkan Unterschlupf suchen. Es ist Mittagszeit und die Stadt füllt sich mit Büroangestellten, die etwas Eßbares suchen oder sich auch nur die Beine vertreten wollen. Der Regen wird nicht stärker, läßt aber auch nicht nach, so daß auch wir unseren Weg entlang der Vallgatan zur Feskekörka fortsetzen. Dabei handelt es sich nicht schon wieder um eine Kirche, sonder um eine Fischhalle in einem ehemaligen Hafenspeicher. Das interessante Gebäude liegt am Roselundskanal und ist nicht größer als die Hamburger Fischauktionshalle, auch wenn der dortige Fischmarkt längst darüber hinaus gewachsen ist. Hier in Göteborg gibt es in großen Theken die verschiedenartigsten Fisch- und Meeresspezialitäten. Ich habe Hunger und eigentlich überlegt, ob ich hier etwas essen möchte, aber die teils merkwürdig aussehenden Unterwasserlebewesen und der Geruch in der Halle rauben uns vorerst den Appetit.
Von der Fischkirche kann man auch einen Blick auf die Skansenkronan erhaschen, einen kleinen, gemauerten Turm mit einer goldenen Krone, der auf einem Hügel landeinwärts liegt. Ein guter Zoom ist allerdings schon erforderlich, will man näheres erkennen.
Von besserem Wetter lassen wir uns dazu verleiten, in einem kleinen Straßencafé in der Larmgatan mit einem Nudelgericht draußen Platz zu nehmen. Wir sitzen in einem ruhigeren Teil der Fußgängerzone und es ist angenehm, die Menschen zu beobachten, die an uns vorbeiziehen. Wir sind jedoch mit unserem Essen gerade halb fertig, als das leichte Nieseln wieder einsetzt. Wie der Zufall es will, sitze ich mit dem Rücken direkt an der Hauswand und Claudia auf der anderen Seite des Tisches. Wir überlegen aufzustehen, aber die Tropfen sind so vereinzelt, daß wir durchhalten.
Durch eine nette, kleine Designergasse (schade, daß es so etwas nicht bei uns gibt – andererseits gut für den Geldbeutel) besuchen wir am Kungstorget die Saluhall von Göteborg. Auch hier gibt es allerlei essen und trinken, die Mittagspausengesellschaft ist gerade zu Gast. Insgesamt sind die Salu Hallen von Stockholm jedoch noch beeindruckender. Für hungrige ist es aber nichts desto trotz der ideale Platz hier, da die Auswahl vielfältig und gut ist. Doch gegessen haben wir ja gerade.
Über den Kanal hinweg marschieren wir auf Göteborgs Prachtstraße. Den Namen mag sie jedoch eher aus der Vergangenheit mitgebracht haben, wo man sich vorstellen kann, daß Pferdekarossen über die breite Straße flaniert sind. Die Geschäfte links und rechts der Straße sind eher normal, das Ziel am Ende der Götaplatsen, auf dem ein Neptun oder Poseidon zwischen Konzerthaus, Kunsthalle, Kunstmuseum, Staatstheather und Staatsbibliothek steht. Durchaus ein prachtvolles Ensemble am Ende der Kungsportsavenyn. Von den erhöhten Treppen des Kunstmuseums hat man zudem einen guten Blick über die Prachtstraße hinunter zum Stadtkern Göteborgs – und dahin kehren wir jetzt auch wieder zurück, wandern durch Geschäfte und Fußgängerzonen, schütteln wieder einmal unseren Kopf über das schwedische Phänomen, daß die längsten Schlangen immer vor Geldautomaten sind, flanieren am Maritimcentrum entlang und kehren gegen 4 Uhr nachmittags zum Parkhaus zurück.
Unser Wagen ist noch da, die Wäsche kostet DM 80,– und wir erhalten sogar eine Quittung. Obwohl ich das Auto hier und da schon mal zum Reinigen abgebe, muß ich zugeben, daß ich ihn so sauber lange nicht gesehen habe. Wirklich gründlich die Arbeit und vielleicht sollte man sich überlegen, ob man mit diesem Trick die Parkkosten spart.
Zum Abschluß ist es noch einmal eine Kirche, die wir anvisieren. Nicht jedoch wegen des Gebäudes selbst, sondern wegen der Aussicht, die man von der Masthuggskyrkan aus haben soll. Daß die Kirche auf einem Hügel steht ist unsere einzige Rettung. Wieder spielen die Straßen uns einen Streich und wollen uns nicht in die Richtung fahren lassen, in die wir wollen. Einige überflüssige Kurven müssen wir drehen, bevor wir über steile Straßenbahnschienen den Berg erklimmen und die Kirche finden. Die Kirche selbst ist geschlossen, aber vom Wind zerzaust haben wir einen guten Blick über Göteborg und den Götakanal. Eine Stenaline mündet gerade in den Kanal und sucht sich einen Liegeplatz westlich der Innenstadt.
Es wird schon spät und wir wollen noch aus der Stadt heraus, um uns einen günstigeren Übernachtungsplatz zu suchen. Auf der E 20 geht es Richtung Süden und wir bringen erst einmal 30 km hinter uns, bevor wir die Autobahn verlassen und auf der Landstraße nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau halten. Wir fahren durch kleine Orte, bleiben jedoch erfolglos. Im Zweifel erwartet uns in Varberg eine Jugendherberge in einem ehemaligen Gefängnis, doch der Reiz dieses Angebotes hält sich in Grenzen zumal wir nicht sicher sind, ob sie noch geöffnet ist.
Ein kleines Schild führt uns schließlich von der Straße ab. Das Zeichen einer Jugendherberge oder eines Wandererheims, das uns nach Bua lenkt. Wir blättern in unseren Unterlagen, doch finden nichts darüber, daß es in Bua etwas derartiges geben soll. In ein Wohngebiet leitet uns das Schild und in einem Reihenmittelhaus ist tatsächlich ein Wandererheim untergebracht. Erst diesen Sommer eröffnet ist es noch in keinem Verzeichnis enthalten.
Wir werden gerügt, daß wir so spät kommen, wo doch eigentlich nur bis 6 Uhr die Rezeption besetzt ist (wir sind etwa 10 Minuten später dran). Wir erhalten trotzdem einen von drei Schlafräumen im rechten Appartement und wähnen uns als einzige Gäste. Einige Stunden später, als wir gerade am Kochen sind, kommt jedoch auch noch ein Schwede, der sich offensichtlich angemeldet haben muß. Hauptsächlich vor dem Fernseher verbringen wir den Abend an irgendeinem verlassenen Landzipfel Schwedens.









