Reiseberichte


Mit dem Auto durch Dänemark und Südschweden


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Blick auf das Seebad von Varberg

Halbinsel-Hopping
Tag 11: Bua – Varberg – Falkenberg – Halmstad – Hov – Torekov – Mölle

Nach dem Frühstück in unserem Appartement wollen wir uns doch mal anschauen, wo wir gelandet sind. Einen Nationalpark gibt es in Bua, der uns aber nicht viel sagt. Stattdessen wollen wir den Strand erkunden. Die Straße dorthin wird immer schmaler, irgendwann bedenklich eng und schließlich kommen wir sogar am Ende des Teers an. Durch Australienreisen mit dem Bushcamper übermütig geworden, holpern wir über die groben Geröllpisten weiter bis wir den Strand in Sicht haben.

Ein kleiner Leuchtturm steht hier. Sand ist fast nicht auszumachen, da die gesamte Bucht mit großen Muscheln, Steinen und Algen überzogen ist. Vorsichtig stapfen wir am Ufer entlang und erleben eine Szenerie, die auf ihre Art ursprünglich ist. In Deutschland wäre so ein Küstenabschnitt längst gesäubert und touristisch erschlossen worden. Hier scheint er vergessen worden zu sein. Eine große Fabrik in Blickweite mag den Tourismus nicht gerade fördern, doch der stechende Geruch ist eindeutig den Muscheln und Algen zuzuordnen.

Wir verlassen die Halbinsel von Väröbacka wieder und fahren nach Varberg. Die Stadt wird seit Ende des 13. Jahrhunderts von einer massiven Festung geprägt. Über die Jahrhunderte hat sich ihr Erscheinungsbild und auch ihr Nutzung wiederholt geändert. Bis 1645 Festung, bis 1931 Gefängnis, seitdem Ausflugsziel, Restauration und Jugendherberge – in den Kasernenwohnungen und im Gefängnisgebäude. Wir parken im Hafen. An einem Seebad à la Rügen vorbei laufen wir am nördlichen Eingang vorbei und am Wasser entlang. Senkrechte Mauern ragen über uns auf, die zur Seeseite hin auf halber Höhe durch eine Terrasse unterbrochen sind. Über steile Treppen erklimmen wir die Terrasse, auf der geschlossene Buden stehen. In der Saison ist hier ein Gartenrestaurant. Außerhalb der Saison sind die Tore von hier aus zur Festung geschlossen. Zwangsläufig nehmen wir wieder einen Pfad nach unten und müssen die Felsenburg tatsächlich einmal ganz umrunden.

Schließlich stehen wir wieder vorm Nordeingang. Man hätte sich ja auch denken können, daß es für eine Festung gewisse Vorteile hat, wenn man nicht von jeder Seite Besucher erwarten muß. Durch das Haupttor steigen wir somit zur Festung an. Vorbei an einem Café, an den Gebäuden der Jugendherberge und durch einen Torbogen. Die Festung ist heutzutage orangerot gestrichen, was einem freundlich entgegenstrahlt und die Zeiten des Krieges und der Gefangenenbehausung vergessen machen will. Leere, einfache Holzstände stehen herum, die man sich leicht mittelalterlich belegt vorstellen kann, die jetzt aber trostlos im malerischen Innenhof um den alten Brunnen stehen. Auch hier gibt es ein Restaurant, doch die Zeit ist noch zu früh, um sich niederzulassen, das Tagesprogramm noch vor uns.

Zahlreiche Menschen, die mit Tüten zu den Parkplätzen am Hafen kommen, bringen uns auf die Spur eines Marktes auf dem Stortorget von Varberg. Der Marktplatz ist schnell gefunden, der Markt schneller abgehakt als erwartet. Mit einer Schätzung von 10 Ständen dürfte ich jetzt schon hoch greifen …

Falkenberg ist die nächste Stadt auf dem Weg nach Süden. Das einzige was in dieser Stadt für uns vielversprechend klingt, ist eine fünfbogige Zollbrücke. Klingt nicht interessant? Schon des öfteren haben Brücken sich als tolle Fotomotive bewiesen. Wenn man von Süden in die Stadt kommt, fährt man zwangsläufig darüber, ist die einzige Ortsbeschreibung, die unser Reiseführer gibt. Wir kommen aber von Norden. Außerdem wollen wir nicht darüber fahren, sondern sie von der Seite sehen. Wir finden das Turistbyra, nehmen uns eine Karte und fahren an die Ufer des Ätran. Hier finden wir sie auch prompt und stellen fest, daß ein Foto allein den Weg hierher nicht wert war.Hagbards Galgen

Wo wir schon einmal die E 6/E 20 verlassen haben, können wir uns auch noch auf die Suche nach Asige begeben. Der Ort östlich von Falkenberg ist schon schwer zu finden, die Kirche zwischen den wenigen Häusern dafür um so leichter. Eine Sage rankt sich um ein Gräberfeld an der Straße, die Asige nach Norden verläßt. Mehrere Steinsetzungen gibt es in dieser Gegend, zwei paarweise an der Straße stehende tragen den Namen Hagbards Galgen. Der norwegische Prinz Hagbard soll hier erhängt worden sein für seine unerwünschte Liebe zur dänischen Prinzessin Signe. Und dies direkt auf einem Gräberfeld, auf dem sich Signe danach auch noch selbst verbrannte.

Ungeachtet welche Wahrscheinlichkeit man dieser Sage zurechnet, zeigen diese Steinsetzungen zwar keine besondere Struktur, die einzelnen Monolithen sind aber von erdrückender Größe.

Halmstad lassen wir aus, da wir ländliches den schon bekannten schwedischen Stadtbildern inzwischen vorziehen. Die Bjärehalvön-Halbinsel ist eine abwechslungsreiche Landschaft, die schon seit Generationen Besucher und Schöngeister anzieht. Einer davon, der Gartenarchitekt Rudolf Abelin, hat mit Norrvikens Trädgardar hier seine Traumanlage verwirklicht. Kunsthandwerk gibt es nahe des großen Parkplatzes, auf dem wir den dritten von bestimmt hundert Plätzen belegen. Daß sich in dem kleinen Chalet inmitten der Anlage ein Restaurant befindet, ist wenig verwunderlich. Das Kattegat umspült die hochgelegene Anlage, Wasser rinnt auch aus einem Felsbogen herunter. Schwedische Schilder in einem Kräutergarten erklären wahrscheinlich, wie man Pflanzen für den Hausgebrauch nutzt, ein Gartenarchitekt scheint gerade einem Hausbesitzerpaar ein paar Empfehlungen andichten zu wollen. Wir schauen uns mit frisch gekauften, frisch gebackenen Brötchen in der Hand gemütlich um.

Etwas mehr Herausforderung bietet unser nächster Stop am Hovs Hallar. Mit den roten Felsen Helgolands vergleichen sich die Gneispfeiler gerne, auch wenn sie nicht so wuchtig sind, dafür aber abwechslungsreicher und verspielter in ihrer Form. Claudia setzt sich auf einen der ersten Felsen am Wegesrand, während ich weiter nach unten klettere, die Felsen aus verschiedenen Blickwinkeln filme und über den holperigen Untergrund am Ufer entlang zu einem Felsbogen vordringe, den das Wasser in eine weichere Schicht des Gesteins gegraben hat. Insgesamt ein Szenerie, die einen schönen Kontrast zur sonst eher sanften Landschaft Südschwedens darstellt.

Über kleine Straßen verlassen wir Bjärehalvön wieder Richtung Südosten, um sogleich auf die nächste Halbinsel abzubiegen, an deren Spitze uns Kullen, der westlichste Punkt Schwedens erwartet.

Kurz vor Arild verlassen wir die 112 und fahren in den Ort ein, der wie Blankeneses Treppenviertel in den Hang über dem Wasser gebaut ist. In Einbahnstraßen erschließt der Verkehr den Ort, da die aufgeschütteten Absätze vorm nächsten Abgrund in der Regel zu schmal sind für zwei Fahrspuren. Vorbei geht es auch an einem sogenannten Romantik-Hotel, das aus zwei Gebäuden aus grob behauenen Steinen besteht, die sich um einen gläsernen Lichthof gruppieren. Ohne Zweifel muß hier ein Architekt tätig gewesen sein. Wir überlegen, ob wir hier bereits unser Nachtlager aufschlagen sollten, verwerfen den Gedanken dann aber doch aus Angst vor dem Preis. Stattdessen ziehen wir weiter wahllos unsere Kreise durch die kleinen Gassen und erfreuen uns an den kleinen, bunten Häusern bis uns der Rückweg an den malerischen Hafen führt.

Vor kleinen Bootshäusern sitzen gealterte Seemänner auf Holzbänken, richten ihren Blick in die See und unterhalten sich wahrscheinlich über Fische und Boote. Wie Fremdkörper kommen wir uns vor, nicht wie Besucher, sondern wie Touristen fühlen wir uns. Zwar kann ich mir vorstellen, daß das Romantik-Hotel Städter aus dem In- und Ausland anzieht, vielleicht auch für Seminare äußerst attraktiv ist, doch die Menschen, die wir hier sehen, haben ihr Leben unberührt erhalten.

Weit ist es nun nicht mehr bis nach Mölle und bis zum Kullaberg. Mölle ist ein Badeort, der seine Gäste mit einem echten Grand Hotel mit Gourmetrestaurant, einem Golfressort und einem Naturpark rund um den Kullaberg empfängt. Dieser Naturpark ist auch unser Ziel, denn er endet am westlichsten Punkt Südschwedens. Wir fahren mit grausam langsamen 30 km/h durch den Park bis zum wahrscheinlich westlichsten Parkplatz Südschwedens. Von hier aus geht es zu Fuß weiter zum Leuchtturm Kullen, der eine felsige Halbinsel überragt auf deren Spitze ein weiteres kleines Leuchtfeuer steht. Es kostet mich einige Überzeugungsarbeit bis auch Claudia den Sinn darin erkennt (oder mir nachgibt) und wir zusammen dem holprigen Pfad zu dem kleinen Leuchtfeuer folgen.

Kullens altes Leuchtfeuer Auf der Spitze der Halbinsel umgibt uns Wasser ringsum, ein großes Frachtschiff zieht vor uns über die dunstige See und kein Mensch wagt sich westlicher als wir. Wir bleiben ein paar Minuten, bevor wir den Treck nach Westen umdrehen, zu unserem Auto zurücklaufen und auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gehen.

Vom Grand Hotel kennen wir die Preise und fahren es gar nicht erst an, das Tourist Hotel wirkt dunkel und geschlossen, ein weiteres am Strand erscheint uns ebenfalls zu teuer. Aber irgendwo in Mölle muß es doch ein Bed&Breakfast geben. Wir fahren kreuz und quer durch die Straßen, die Augen immer suchend nach einem kleinen, großen, einfachen oder bunten Schild. Nach irgendeinem Schild! Vergeblich.

Ich glaube mich an eines etwas weiter Richtung Arild erinnern zu können und wir fahren ein paar Kilometer zurück und finden ein Bed&Breakfast, das ausgebucht ist. Doch auch ihre Freundin betreibt eines, irgendwo im Wald auf einem ehemaligen Hof, erklärt sei uns. Die Beschreibung klingt undurchsichtig, doch wir finden es und das Gästehaus gehört uns.

Ein Bad, ein großes Wohnzimmer mit Eßtisch und offener Küche sowie vier Einzelbetten im ausgebauten Giebel des kleinen Hauses. Frühstück sei schwierig, da man nicht vorbereitet sei und inzwischen die Läden schon geschlossen haben, aber wir winken sowieso ab. Morgen sollen die Reste unseres Reiseproviantes dran glauben.

Wir machen es uns gemütlich, lesen, schauen fern und lassen noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor wir duschen und uns wieder startbereit machen. Claudia zweifelt zwar, daß es uns im Dunkeln gelingen wird, den Hof wiederzufinden, aber wo wir schon so viel in der Welt unterwegs waren, werden wir doch nicht wenige (hundert) Kilometer von unserer Heimat entfernt scheitern.

Schwierig gestaltet es sich auf jeden Fall, ein Restaurant zu finden. Da wir in Mölle schon jeden Straßenzug kennen, versuchen wir es Richtung Süden und müssen tatsächlich bis Höganäs bis wir etwas finden. Bereits an der Hauptstraße sehen wir eine Pizzeria, eine Mischung auf Lieferservice und Kneipenrestaurant. Wir fahren durch die Stadt, suchen Alternativen und kommen doch schließlich wieder zu dem Italiener an der Hauptstraße zurück.

Aber abgesehen davon, daß an einem großen, langen Tisch gerade einige Jugendliche einen Geburtstag feiern, scheint die Wahl gar nicht schlecht zu sein. Die Pizzakarte ist riesig und einiges von dem angebotenen klingt ziemlich experimentell. Auch hierbei beweisen wir Mut und suchen uns zwei außergewöhnliche Pizzakombinationen aus, die wir teilen und die gut schmecken.

Überflüssig zu sagen, daß wir auch den Rückweg zu unserem Bed&Breakfast wieder gut gefunden haben, oder ?

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13