Reiseberichte
Mit dem Auto durch Dänemark und Südschweden
Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Stockholm in a day
Tag 5: Ganztageswalk
Um 5:20 Uhr klingelt der Wecker bei Wolfgang, Claudias Cousin. Beruflich muß er übers Wochenende nach Kalmar, das wir gerade gestern verlassen haben. Zwei Erwachsene und zwei Kinder werden durchs Bad geschleust, müssen frühstücken obwohl man um diese Uhrzeit gar keinen Hunger haben kann und irgendwann nach 6 aus dem Haus. Daß das nicht leise von statten gehen kann ist verständlich und daß wir um so länger schlafen müssen, um die mitten in der Nacht fehlende Stunde aufzuholen, ist auch klar.
Nach einem längeren Frühstück machen wir uns mit der U-Bahn (Tunnelbana) auf den Weg in die Stadt. Mit zahlreichen Tips von Wolfgang ausgestattet, wollen wir sehen, wie viel von Stockholm wir am ersten Tag mitnehmen können.
Bis Östermalmstorg fahren wir mit der Bahn, wo wir gleich auf eine der ersten Empfehlungen stoßen, die Salu Hallen, in denen Marktstände frische Waren anbieten. Fisch, Fleisch, Feldfrüchte, Käse, Wurst, alles was man sich vorstellen kann liegt in den großen Theken. Die Stände sind fest installiert, tragen schwedische Flaggen und teilweise imitierte Schädel von Elchen und anderen nordischen Tieren.
Wieder an der frischen Luft folgen wir der Sybillegatan nach Süden an das Hafenbecken und vorbei am komischen Theater. In diesem Hafen starten üblicherweise auch Fährfahrten. Das Kiosk ist jedoch geschlossen und schickt uns in der “Wintersaison” zum Ticketschalter unter der Strombron.
Unser Weg führt jedoch erstmal nach Osten. Links von uns liegt hinter einer Baumreihe eine der besten Wohnlagen Stockholms, rechts von uns liegen Boote und Yachten vor Anker. Unser Ziel ist das Vasa Museum auf einer der zahlreichen Inseln Stockholms. Das Museum wurde uns so intensiv ans Herz gelegt, daß es den Eintrittspreis von DM 14,– wohl rechtfertigen muß.
Beginnen sollen wir mit dem Film, war eines der Dinge, die Wolfgang uns noch ans Herz gelegt hat. Und unser Timing paßt, denn nur wenige Minuten nach unserer Ankunft wird der Film in englischer Sprache gezeigt (zu gewissen Zeiten sogar in deutsch). Der Film zeigt uns die Geschichte der Vasa, zeigt uns, daß sie im 17. Jahrhundert auf der gegenüberliegenden Insel Skeppsholmen in der königlichen Werft gebaut wurde, daß sie als Flagschiff die königliche Flotte im Krieg gegen Polen unterstützten sollte, daß ihre Fahrt jedoch nur wenige hundert Meter weit führte. Mitte des letzten Jahrhunderts wurde ein Projekt begonnen, das Jahrzehnte dauern sollte, die Vasa zu bergen, die in der Mischung aus dem salzigen Wasser der Ostsee und dem Süßwasser der Riddarfjärden nahezu perfekt konserviert worden ist. Über 30 Jahre hat es gedauert von der ersten Hebung der Vasa bis zur Eröffnung des Museums 1995, das um das mächtige, hölzerne Schiff erbaut worden ist.
Verschiedene Ausstellungen zeigen auf mehreren Stockwerken Teile der Vasa, das Leben auf Schiffen der damaligen Zeit, den Fortgang der Kriege und natürlich das Schiff selbst, das inmitten alldem steht. Ein prächtiges Flagschiff wäre sie sicherlich geworden, auch wenn die Beispiele, die die strahlend bunte Originalbemalung von Holz und Figuren zeigen nicht den Erwartungen von einem Kriegsschiff des späten Mittelalters entspricht.
Das Vasa Museum ist wirklich eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten Stockholms, sind wir uns sicher, als wir das Gebäude verlassen und hat uns außerdem vor dem zwischenzeitlich an die Scheiben trommelnden Regen bewahrt. Jetzt ist es wieder trocken und wir setzen unseren Weg weiter nach Südosten entlang dem Ufer der Insel fort. Bis zum Tivoli laufen wir, der aber saisonbedingt bereits geschlossen ist.
Doch in den Freizeitpark wollen wir auch nicht, sondern mit der Fähre nach Gamla Stan übersetzen. Auch die Altstadt Stockholms liegt auf einer Insel zwischen Fluß und dem Zugang zur Ostsee. Mit dem Boot kommen wir direkt gegenüber einer Gaststätte an, die sich “Zum Franziskaner” nennt und die älteste Gastwirtschaft Stockholms und gleichzeitig einer der Beweise dafür ist, daß Schwedens heutige Hauptstadt ursprünglich von Deutschen gegründet wurde.
Über die Västerlänggatan laufen wir, eine der Gassen, die voller Geschäfte und Cafés ist. In jede Gasse, die links oder rechts abgeht, werfen wir unsere Blicke und sind überrascht von dem Anblick, der sich uns bietet. Die Gassen, die teils steil nach oben oder unten, teils durch Torbögen in kleine Hinterhöfe führen, wirken wie die einer mediterranen Stadt. Auch auf der Västerlänggatan ist viel los und viele der Restaurants bieten günstige Mittagstische an. Doch fast alle sind italienisch und wir haben Lust auf asiatisches. Wir suchen weiter, geben aber schließlich auf und essen eine Quiche und ein Sandwich im Café Exotic Art.
In einige Geschäfte gucken wir rein, in eines ganz besonders. Indiska ist eine schwedische Kette, die Waren aller Art aus Indien anbietet. Hervorzuheben ist allerdings der Laden an der Västerlänggatan vor allem wegen seines Kellergewölbes, zu dem man im hintern Teil des Ladens Zugang findet. Wer die Nase vor dem seltsamen Geruch von Vanille-Räucherkerzen verschließen kann, kann hier eines der ältesten und wenigen zugänglichen Kellergewölbe von Stockholms Altstadt inspizieren.
Wieder unter dem bewölkten Himmel sind die Kirchen dran. Wir starten mit der Storkyrkan und setzen unseren Weg über den Stortorget (in der Börse ist ein Museum anläßlich 100 Jahre Nobelpreis eingerichtet!) zur Tyska Kyrkan, der Kirche der deutschen Gemeinde Stockholms.
Schon in der Vergangenheit wurden Spenden betuchter Kaufleute hier herzlich willkommen geheißen. So sind in einige der bunten Mosaikfenster in deutsch die Namen und Widmungen der Spender eingesetzt. Auch heute will man diesen Gedanken wiederaufnehmen und bietet für eine Restaurierung der einzelnen Pfeifen Patenschaften zwischen DM 4.000,– und DM 500,– (kleines g glaube ich) an. Selbstverständlich erhält man auch eine Spendenquittung für das deutsche Finanzamt. Die Idee finden ich witzig, lasse jedoch trotzdem davon ab. Am Ende komme ich doch noch in den Himmel, weil ich jedesmal einen Pluspunkt kriege, wenn in Stockholm das kleine g gespiel wird …
Über die Österlänggatan, die weniger belebt und eher durch Designerläden geprägt ist, finden wir den Weg zum königlichen Schloß, der Arbeitsstätte von König Carl Gustav und Königin Silvia. Hier ist auch die finnische Kirche, was allerdings nur der Vollständigkeit halber erwähnt ist. Das Schloß, das von außen eher nüchtern wirkt, wollen wir uns für einen anderen Tag aufheben, aber für die Planung schon einmal mehr Informationen sammeln. Während Claudia linksherum zum Mynttorget geht, um die Öffnungszeiten des Schlosses in Erfahrung zu bringen, gehe ich rechtsherum, um die der Livrustkammaren zu erfahren und unter der Strombron die Abfahrtszeiten der Schärenroute zu erkunden.
Bei Schloß und Livrustkammaren erfahren wir die gewünschten Zeiten, die Schärenboote fahren jedoch bereits nicht mehr. Schade, denn auch dies soll zu den schönsten Erlebnissen in und um Stockholm gehören.
Am Reichstag vorbei (Insel Helgeandsholmen) verlassen wir die Altstadt und laufen durch die Drottninggatan, eine der Fußgängerzonen der Stadt – eine jedoch, auf der man kaum etwas finden dürfte, das sich zu kaufen lohnt. Regen setzt inzwischen wieder ein, wird härter und dauerhafter und als wir an T-Centralen ankommen, flüchten wir uns in die unterirdische Geschäftswelt. In zwei Kleiderläden gehen wir hinein, um die Zeit zu überbrücken, bis der Regen aufhört, und stöbern durch einen Designerladen, der gut gefüllt ist, bei dessen Preise es einem aber die Reisekasse abschnürt. Beides hilft nichts, der Regen hält an.
Wir müssen nicht lange überlegen, unsere Füße sind platt, das Wetter vermiest uns die Laune, die Stadt weiter zu erkunden und eigentlich haben wir für einen Tag mehr als genug gesehen. Es ist 16:30 Uhr als wir uns in die Bahn nach Mörby Centrum setzen und kurz nach 5 als wir in Täby ankommen.
Mit Essen und Reden geht der Abend ins Land und wir erfahren von Britta auch von einem eindeutigen Beweis der Natur, daß tatsächlich der Winter kommt und die Schweden nicht aus böser Absicht viele Sehenswürdigkeiten vor uns verschließen. An einem See konnte sie beobachten, daß die Gänse sich sammeln, um ihren Zug nach Süden anzutreten.









