Reiseberichte


Mit dem Auto durch Dänemark und Südschweden


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 15th, 2007

Runenstein, Sigtuna

Ein unbezahlbarer Ausflug
Tag 6: Täby – Sigtuna – Skokloster – Gamla Uppsala – Uppsala – Arlanda – Täby

Um 6:00 Uhr begann heute morgen erst die Aufstehparade und es waren nur noch 3. 2 davon zählten aber zu den lautesten und wieder fehlt uns ein Stück Nacht, das wir hinten anhängen müssen. Wieder ist das Frühstück spät aber das Wetter ist besser und damit steht die Entscheidung. Bei diesem Wetter muß man draußen sein und nicht durch königliche Gemächer stapfen!

Sigtuna und Uppsala heißen damit die auserkorenen Ziele. Wir suchen anfangs über Land unseren Weg nach Norden. Einige Rundensteine am Straßenrand fallen uns dabei auf und nahe Valentuna sehen wir mehrere Schilder, die Bollars ankündigen. Was immer Bollars sind, am nächsten Verkehrskreisel sehen wir den Wagen zu dem all diese Schilder zeigen. Cocosbollar und andere Bollars bietet er feil. Wir fahren auf den Parkplatz und schauen uns das ganze näher an. Sofort wird uns ein großer Cocosbollar und ein kleiner anderer Bollar angeboten. Negerküsse! Nach den guten und sättigenden Proben, überzeugt uns das schlechte Gewissen, einen Karton mit 20 Cocosbollars für DM 14,– zu kaufen. Wann und wie auch immer wir diese alle essen sollen.

Für ein kurzes Stück fahren wir auf die E 4 auf, bevor wir Richtung Sigtuna wieder abfahren. An der Abfahrt befindet sich auch das Factory Outlet Center von Arlanda, das wir uns für den Rückweg vornehmen. In Sigtuna beginnen wir mit der Marienkirche, der einzigen noch intakten historischen Kirche (14. Jahrhundert) der Stadt. Eine von zahreichen Kirchenruinen liegt ebenfalls auf dem Friedhofsgelände und auch hier finden wir wieder einen Runenstein. Einen von vielen in dem kleinen Städtchen, wie wir feststellen.

Gleich vorm Museum, wo wir am Ende der Fußgängerzone parken, finden wir den nächsten Runenstein und ich bin froh, mich zwei Tage zuvor für den Besuch der Sonnenkanone von Atvidaberg statt für den Umweg zum Runstone entschieden zu haben.

Die Fußgängerzone kann man nicht anders als pittoresk und niedlich bezeichnen. Kleine, bunte Häusschen reihen sich aneinander, in denen sich alltägliche Geschäfte ebenso angesiedelt haben wie Handwerks-, Antikläden und schöne Cafés. Sogar ein geöffnetes Touristenbüro hat der Ort, in dem wir eine Broschüre über Schloß Skokloster finden. Vorbei an einer weiteren Ruine und weiteren Runensteinen geht es zurück zum Auto.Schloss von Stokloster

Schloß Skokloster liegt auf einer Halbinsel in einem Teil des Mälaren-Sees. Kleine, schlecht beschilderte Sträßchen führen uns zur Halbinsel. Teils ist die Fahrt mit 90 kmh möglich, oft werden wir heruntergebremst auf 50 kmh. So auch an einem Pferdehof. Ich bremse leicht und lasse das Auto runterlaufen. Zu leicht habe ich gebremst, wie der Polizist eine Ecke weiter mir wohl berechtigt vorwirft. Mit 68 kmh hat mich die Laserkanone erwischt und in Schweden beginnen die Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen erst bei DM 200,–. Wir halten den Atem an, als wir erfahren, daß unser Ticket DM 280,– kostet. Ein teurer Ausflug und eine Lehre mehr. Ein schwacher Trost ist es da nur, daß die Gruppe von Polizisten gar nicht schnell genug die ganzen Sünder abfertigen kann, die alle in die Kontrolle hineinrasen.

Jetzt erst recht, die Investition muß sich doch lohnen! Wir setzen unseren Weg zum Schloß fort und kommen wenige Minuten vor 12 dort an. Nur wenige Autos stehen auf dem Parkplatz, zu wenige für die überraschend vielen Menschen, die wir alleine schon in der Kirche antreffen. Der Pastor begrüßt uns mit Handschlag und wir wundern uns, wieso sich so viele Leute an einem Freitag mittag in der Kirche versammeln. Von der Medienwelt abgeschnitten haben wir nicht gewußt, daß für diese Uhrzeit Gedenkminuten für das Unglück in den USA angesetzt worden sind.

Nach verlassen der Kirche gehen wir weiter zum Schloß. Anhand der Schilder erfahren wir, daß im “Winter” nur eine tägliche Führung um 13:00 Uhr stattfindet und das Gebäude eine halbe Stunde vorher öffnet. Wir bleiben, warten und bummeln durch den Schloßgarten. Schließlich ist Skokloster ein ganz besonderes. 1654 wurde es von Wrangel gebaut. Zwar verbrachte er Zeit seines Lebens nur 2 Monate dort, doch der Sammler hortete dort Kunst und Kultur und fügte Beutestücke aus Polen und Prag hinzu. So ist es auch zu erklären, daß das Originalgemälde Vertumnus aus Prag noch heute in Schloß Skokloster hängt. Skokloster wurde zudem von den Erben Wrangels mit der Auflage belegt, daß jeder zukünftige Besitzer nur Gegenstände hinzufügen dürfe, jedoch keines wegnehmen. Bis heute hat sich jeder Besitzer (seit 1974 der schwedische Staat) daran gehalten und nur ein Stück des barocken Gesamtkunstwerkes ging über die Jahrhunderte verloren. Somit bietet das Schloß das wahrscheinlich vollständigste Bild der Barockzeit.

Für DM 12,– pro Person kaufen wir im Museumsshop Eintrittstickets für die für 13:10 Uhr angesetzte englischsprachige Führung. Tatsächlich lernen wir dabei 20 von 88 Räumen kennen, die im 17. Jahrhundert eingefroren zu sein scheinen. Selbst der nie fertiggestellte Festsaal des Schlosses ist heute noch so, wie die Bauarbeiter ihn verlassen haben, als sie vom Tod Wrangels erfuhren. Die Leitern lehnen an den Wänden, Handwerkszeug wurde nach der Untersuchung durch Archäologen wieder an seinen Fundort zurückgelegt und die Wände sind roh und unverputzt. Lediglich die Fenster hat man später eingesetzt – im 18. Jahrhundert – um der Zugluft Herr zu werden. Schloß Skokloster bietet somit einen umfassenden und lohnenden (zumindest 12,– DM pro Person lohnen sich, bei DM 280,– Zusatzkosten wäre ich schon skeptisch) Blick in die Geschichte der europäischen Barockzeit.

Auch den Weg von der Halbinsel nach Uppsala – wenn auch nicht den kürzesten – finden wir. Mit Gamla Uppsala erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Schwedenreise. Grabhügel aus dem 6. Jahrhundert und die Kirche aus dem 11. sind die weithin sichtbarsten Zeichen von Gamla Uppsala. Einer der Hügel ist begehbar, die anderen zum Schutz der Anlage abgeriegelt. Wir schauen uns die Kirche und die Hügel an und lesen einige der Erläuterungsschilder. Auch einen Altarstein finden wir, der vom Besuch von Papst Johannes Paul II. spricht. Der Altarstein liegt auf einer ehemaligen Kultstätte der Wikinger, was mir auch wie eine Art Entweihung erscheint.

Um das Gelände drumherum laufen wir zum Freilichtmuseum Disgagarden. Der Eintritt ist frei, das Museum allerdings schon geschlossen. Das Tor steht jedoch auf uns wir beginnen unsere Erkundungstour mit einer der ausliegenden deutschsprachigen Karten. Selbst einige der Gebäude, die man aus den verschiedensten Teilen Schwedens zusammengetragen hat sind offen und wir erhalten einen Einblick in das Leben im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Windrad steht ebenfalls auf dem Gelände und ein Kräuter- und Gemüsegarten zeigt den Anbau der Feldfrüchte zur damaligen Zeit. Von einem gerade erntenden Mann erfahren wir auch den Grund für das geöffnete Tor. Für eine Veranstaltung am Abend bereitet man gerade alles vor. Darüber, daß wir diese Gelegenheit genutzt haben, um das Freilichtmuseum zu erkunden, verliert er kein Wort.

Zurück in den Hügeln treffen wir eine Familie wieder, die bereits mit uns an der Führung im Schloß Skokloster teilnahm. Wir lachen alle und wundern uns, wie klein doch offensichtlich Schweden ist.

Dom von UppsalaNoch ein schneller Abstecher zum Dom von Uppsala bevor es zurückgeht. Wir parken auf dem Platz direkt vor der Domkyrkan und betreten den größten Kirchenbau Skandinaviens. Da immer wieder Feldzüge dazwischenkamen, brauchte man 150 Jahre, um ihn fertigzustellen. Und wie viele Ideen den verschiedenen Baumeistern in dieser Zeit kommen können, sieht man am erschlagenden Endergebnis.

Der Dom ist aus zwei Gründen auch eine der bedeutendsten Kirchen Schwedens. Zum einen liegt in ihm, in einem massiven Sarkophag, die letzte Ruhestätte des Königs Gustav Vasa (und seiner 2 Frauen), zum andern finden in ihm die Krönungen des Königreiches statt. Gustav Vasa ist einer der vielleicht schillerndsten Könige des Reiches. Vielleicht wegen seiner kriegerischen Erfolge, vielleicht weil er Schweden protestantisch gemacht hat. Wobei die beiden Ereignisse in direktem Zusammenhang stehen. Mit dem Wechsel der Konfession beschlagnahmte Vasa die Ländereien der Kirche und nutzte sie, um seine Kriege zu finanzieren, teils indem er sie verkaufte, teils indem er sie direkt an verdiente Offiziere gab.

Rund um das Kirchenschiff reihen sich zahlreiche Kammern und Kapellen, verschiedenen Dingen gewidmet, für eine Ausstellung von Ikonenkunst freigegeben oder auch als Grabstätte für wichtige Personen wie z.B. Carl v. Linné dienend. In einer der Kammern ist während unseres Besuchs der Schauplatz eines Projektes, das sich “Die Quelle” nennt und das auch von einer irischen Kirche und der St. Petri Kirche in Hamburg (muß ich wohl mal vorbeischauen) unterstützt wird. Dabei geht es um die Verbreitung des Christentums in Skandinavien, was an einzelnen Personen der damaligen Zeit festgemacht werden soll. In schwedisch ist das ganze allerdings nicht ganz so reizvoll.

Am Ausgang des Domes schließlich steht eine Metallskulptur, die “Baum der Völkerverständigung” getauft ist. Verständlich, das fast kein Kerzenplatz darauf frei ist, doch wir finden welche und zünden ebenfalls Kerzen an, bevor wir Uppsala den Rücken kehren.

Es ist bereits nach 6 als wir das Outlet Center von Arlanda erreichen und feststellen, daß es um 7 Uhr schließt. Doch die Zeit reicht uns, um alle Geschäfte, die uns interessieren abzuklappern und für mich eine Hose zu finden. Kleidung gehört wirklich zu den wenigen Dingen, die in dem ansonsten teuren Land günstiger als in Deutschland zu kaufen sind.

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