Reiseberichte


Indian Summer
In den Neuengland-Staat & New York


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 22nd, 2007

Punxsutawney Phil

Und täglich grüßt das Murmeltier …
Tag 5 : Ridgway – Kinzua S.P. – Allegheny N.P. – Erie See – Buffalo

An einer antiken Tafel frühstücken wir am nächsten Morgen. Das Angebot ist erschlagend und geht über Müsli, Milch und Säfte bis zu allen Sorten von frisch zubereiteten Backwaren. Mit uns frühstücken die beiden Holzhändler und auch Dale gesellt sich zu uns. Wir lernen vieles über Holz, erfahren wie die beiden in die USA gekommen sind, treffen auf Verwunderung, daß man sich auch als Reisende hierher verirren kann.

Mit etwas Wehmut lösen wir uns vom Frühstückstisch, von der alten Villa und von Dale, aber während die beiden Holzhändler nun zur Arbeit müssen, haben wir noch etwas vor an diesem Tag.

Punxsutawney Phil, der in dieser Region zu Hause ist und mit dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier” zum Star geworden ist, scheint wieder Einfluß auf das Wetter genommen zu haben, denn die Kälte hat uns den Schnee zwar erhalten, aber immer wieder sind zwischen den Wolkenfetzen blaue Stellen am Himmel auszumachen und Neuschnee scheint weit entfernt zu sein. Meine Idee für ein Murmeltier einen kleinen Umweg nach Punxsutawney zu machen stößt auf wenig Gegenliebe, so daß wir den Tag mit dem Kinzua Bridge State Park beginnen.

Obwohl die Uhrzeit schon fortgeschritten ist, sind wir auch hier die einzigen Besucher. Nur ein kurzes Stück müssen wir durch den verschneiten Wald laufen bis wir die atemberaubende Brücke entdecken. 600 m lang und 94 Meter hoch spannt die 120 Jahre alte Brücke sich über das Kinzua Valley. Auch heute noch fährt an manchen Tagen zur Mittagszeit eine alte Museumsbahn über diese Brücke und testet die Stabilität der Konstruktion. Um die Mittagszeit ist die Brücke auch für Fußgänger gesperrt, doch bis dahin haben wir noch etwa 2 Stunden.

Mit einem flauen Gefühl im Magen wagen wir uns auf die Brücke. Die Schneedecke macht unseren Gang nicht gerade sicherer und erschwert es, weggefaulte Bohlen zu identifizieren. Die Stellen, an denen die Schienen auf die Hölzer genietet sind, machen wir als sicherste Stelle aus und tasten uns langsam bis zur Mitte der Brücke vor. Die Knie werden uns weich und eine gewisse Höhenangst längst sich nicht verleugnen, als wir hier stehen und unseren Blick über das Kinzua Valley schweifen lassen. Obwohl der Schnee malerisch zur Atmosphäre beiträgt, bedauern wir, daß er nicht noch ein paar Tage gewartet hat. Wie viel beeindruckender muß dieser Blick sein, wenn er statt kahlen, verschneiten Bäumen die Farbenpracht des Indian Summer eingeschlossen hätte. Vielleicht hätten wir bei Punxsutawney Phil doch ein gutes Wort einlegen müssen.

Ohne von der Museumsbahn überrollt zu werden und halbwegs sicher kriegen wir wieder festen Boden unter die Füße.Wir laufen noch etwas über die Waldwege des State Parks, bevor wir uns wieder ins Auto setzen.Kinzua Bridge

Den Long House Scenic Byway, die Route 6, wählen wir durch den National Forest entlang des Alleheny Reservoir zum Kinzua Dam. Am See rasten wir etwas, fahren zu einem Aussichtspunkt über den Staudamm und legen zum Outlet-Shopping noch einen kleinen Stop in Warren ein.

Danach verlassen wir Pennsylvania und gelangen am westlichsten Zipfel des Bundesstaates New York an den Erie-See, der zu den Great Lakes gehört. Entlang des Ufers fahren wir nach Nordosten, haben leider nur selten einen freien Blick auf den See und halten an dem einen oder anderen Antikladen, die sich wie eine Perlenkette an der Uferstraße aufreihen.

Den vielversprechenden Ort Eden lassen wir rechts liegen und gelangen nach Hamburg, NY, einer typisch amerikanischen Vorstadt wenige Meilen von Buffalo entfernt. Schilder weisen uns auf eine große Weihnachtsausstellung hin und obwohl erst Anfang November ist, finden wir eine derartige Veranstaltung passend zum Wetter. Daß es nicht nur uns so geht, merken wir, als wir die Hamburg Fairgrounds erreichen. Der Parkplatz ist gut gefüllt. Viel weiter kommen wir jedoch nicht. Als Eintritt für eine Weihnachtsausstellung wollen die Veranstalter sage und schreibe USD 12 von jedem von uns haben. Dafür daß wir dann drinnen auch noch unser Geld für Weihnachtsartikel lassen sollen ? Unverschämt finden wir und kehren zurück auf die Straße.

Doch auf der Straße nach Buffalo finden wir auch noch eine wesentlich beeindruckendere Sehenswürdigkeit. Ohne in einem unserer Reiseführer erwähnt zu sein, erhebt sich rechts von uns plötzlich eine riesige Basilika. Als Our Lady of Victory 1921 fertiggestellt wurde, präsentierte sie sich mit der zweitgrößten Kuppel der ganzen USA. Das mit Marmor verkleidete Gebäude und die grünkupfernen Kuppeln strahlen auch heute noch eine große Anziehungskraft aus. Wir betreten die Kirche und sind auch von ihrem Inneren angetan. Die Lady of Victory sollte man wirklich nicht im Reiseführer vergessen !

verschneiter Schulbus Nach der Besichtigung fahren wir weiter in Richtung Buffalo. An einer Highway-Abfahrt sichern wir uns eine Übernachtung in einem Motel 6 und werden dabei überzeugt, daß die Preise seit unserer letzten USA-Reise wirklich eklatant gestiegen sind.

Wir checken ein und machen uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir sind gespannt, was Buffalo zu bieten hat und werden enttäuscht davon, daß die Innenstadt um 5:00 Uhr bereits im Schlaf erstarrt zu sein scheint. Eine kostenlose Bahn fährt die Fußgängerzone auf und ab, doch kaum einer fährt mit uns mehr stadteinwärts. Vielmehr kommen uns die letzten Büroangestellten auf ihrem Weg nach Hause entgegen. Mit der Bahn passieren wir geschlossene Geschäfte und dunkle Schaufenster. In einem Bogen laufen wir zurück, versuchen unser Glück in ein paar Seitenstraßen und finden eine witzige Mischung aus Plattenladen und Café.

Wir stöbern etwas durch die Musikauswahl und setzen unseren Rundgang fort. Auch keines der Pubs und Restaurants lacht uns an, die meisten wirken eher wie Spelunken, die Gegend abseits der Fußgängerzone ist vielleicht nach Einbruch der Dunkelheit nicht unbedingt zu empfehlen. Vor einem Musicaltheater bleiben wir stehen, überlegen, ob wir uns ein paar günstige Restplätze für den Abend sichern sollen, entscheiden uns dann aber doch für den Weg zurück ins Motel.

Von einer der wenigen Übernachtungen in einer Stadt, die wir auf dieser Reise haben werden, hatten wir uns eigentlich etwas mehr versprochen. Mangels Alternativen wurde daraus aber nur ein Abendessen bei Taco Bell (lecker ! Expandiert endlich nach Deutschland !) und ein Fernsehabend.

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