Reiseberichte
Indian Summer
In den Neuengland-Staat & New York
Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 22nd, 2007

Über, zwischen und unter den Fällen
Tag 6 : Buffalo – Niagara S.P. – Niagara Falls – Canandaigua
Nachdem wir am Vorabend früh zu Bett gegangen sind, sind wir heute entsprechend früh abreisefertig. Unser Frühstück nehmen wir im Auto ein, auf dem Weg zu den Niagara Fällen.
Wir beginnen unsere Erkundung der Fälle auf Goat Island, einer Insel im Niagara River, die auch die American Falls von den kanadischen Horseshoe Falls trennt. Wir sind früh dran und die allerersten Besucher auf Goat Island an diesem Morgen. Ein paar Reinigungsfahrzeuge sind unterwegs, die die Straßen und Wege von Blattwerk räumen aber selbst die Information ist noch nicht besetzt.
Der Wind peitscht um unsere Ohren und verweht das Wasser der Fälle in weite Fontänen. Doch die Morgensonne ist mit uns und zeichnet Regenbogen in die Gischt der Horseshoe Falls, an denen wir unsere Erkundungstour beginnen. Von den Horseshoe Falls laufen wir entlang der Westseits von Goat Island zu einer Aussichtsplattform über den American Falls. Auf halber Strecke empfangen uns Eichhörnchen, die keine Scheu vor uns zeugen und wohl froh sind, nur zwei Reisende auf einmal zu sehen. Daß wir in unserem Rucksack kramen, finden sie noch interessanter und als daraus die Cranberry Müsliriegel auftauchen, die Lufthansa als Snack bereitgestellt hat, trauen sie sich bis an Claudias Hand heran, um die Cranberries zu futtern, die wir aus den für menschlichen Geschmack ungeniessbaren Riegeln brechen.
Den Eichhörnchen schmeckt es zumindest so lange, bis der erste Reisebus hinter uns hält und die Tür für eine Horde Asiaten öffnet. Gern assistieren wir beim photographieren – vor allem aus dem Wissen heraus, daß sie uns wieder allein lassen, sobald jeder sein Foto hat. Es gelingt uns ohne weiteres länger auszuharren, als die Touristen und wir sind auf der Plattform über den American Falls wieder alleine.
Möwen kreisen gierig um den Fuß des Wasserfalls, wo viele Fische betäubt von dem hohen Sturz eine leichte Beute darstellen. Wir beobachten das Bild eine Zeit lang und hören dem Tosen des Wasserfalls zu, bis trotz der Sonne die Kälte immer mehr in unsere Knochen kriecht. Noch immer ist das Informationskiosk geschlossen und wir ziehen uns in unseren Mietwagen zurück.
Mit unseren Reiseführern und Prospekten überlegen wir, wie wir die Niagara Fälle erkunden sollen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie z.B. die Maid of the Mist, ein Boot, das unter die Fälle fährt, eine Tour auf der kanadischen Seite, die an den Fuß der Fälle führt oder der amerikanische Observation Tower. Wir suchen uns die Caves of the Wind-Tour auf und den Skylon Tower.
Die Caves of the Wind befinden sich unter Goat Island und die erste Tour startet um 10:00 Uhr bringen wir irgendwann in Erfahrung. In einem Souvenirshop verbringen wir noch etwas Zeit, bevor es so weit ist. In einem kleinen Schulraum startet die Tour. Wir erfahren etwas über die Geschichte der Fälle und können uns einige Ausstellungsstücke und Fotos anschauen, bevor wir in Regencapes gekleidet werden und es losgeht.
Mit einem Aufzug fahren wir in ein Höhlensystem unter der Insel. Mit unserem Führer steuert die 7-Mann-Gruppe nach draussen und über Holztreppen und Stege unter die American Falls. Die Regencapes, die wir tragen sin zwar kleidsam aber zumindest für den heutigen Tag etwas übertrieben. Zwar ist es beeindruckend, die Wucht der Fälle von unten zu sehen, aber der Wind steht heute so, daß er nur vereinzelte Wasserspritzer in unsere Richtung schiebt. Unser Führer läßt uns allein mit den Eindrücken, die auf uns einpreschen. Jedes Wort von ihm wäre auch überflüssig, da das Tosen des Wassers fast jede Unterhaltung unmöglich macht.
Nachdem wir uns sattgesehen haben geht es wieder aufwärts mit dem Fahrstuhl, ohne Capes zurück in unser Auto und über die Rainbow Bridge auf die andere Seite der Fälle.

In Niagara Falls, Ontario betreten wir erstmals kanadischen Boden. Zumindest der Landkarte nach ist dies eine Tatsache. Jeder Kanada-Reisende, der Niagara Falls kennt, wird diese Stadt jedoch nicht als kanadisch akzeptieren. Entgegen des Bildes, was man von Kanada hat, ist hier eine Art Disneyland entstanden. Hard Rock Café, Planet Hollywood und ein Burger King mit einer riesenhaften Frankenstein-Figur reihen sich an der Uferstraße und warten auf Touristen.
Wir passieren die Promenade vorerst und fahren zum Skylon Tower. Dort lassen wir uns in einem gläsernen Außenaufzug auf die 158 m hoch gelegene Aussichtsplattform bringen und geniessen die Aussicht aus der Vogelperspektive. Vorsichtig tasten wir uns rund um den Turm, immer mit einer Hand nach Halt suchend, da der Wind hier oben noch härter zupackt und fast droht, uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch der Turm scheint sich unter unseren Füßen zu bewegen, was für ein flaues Gefühl im Magen sorgt.
Die Aussicht über die Fälle und die endlose Weite der Umgebung jedoch ist die Fahrt und auch ihren Preis wert. Wir halten uns trotz des Windes lange oben auf, bevor wir wieder herunterfahren und das Hard Rock Café aufsuchen. Nach den Entdeckungen des vormittags benötigen wir erstmal eine Stärkung, bevor es weitergeht !
Nach unserem deutlich verspäteten Mittagessen durchstöbern wir erfolglos den Duty Free Shop an der Grenze und flanieren entlang der Uferpromenade zurück zu unserem Auto. Gut, daß wir nicht die touristische Zeit gewählt haben. An diesen kühlen und windigen, aber sonnigen Tag, gehören uns die Niagara Fälle fast alleine und das unterstreicht ein solches Erlebnis für uns immer besonders.
Wir steigen wieder in unser Auto ein, überqueren die Grenze in die USA wieder und halten bei einem weiteren großen Outlet Shopping Center. Wir sind hartnäckig, da uns immer noch die obligatorischen Levis fehlen, aber hier finden wir welche, die uns zusagen. Selbst beim aktuellen USD-Kurs Levis 501 für unter 40 Euro !
Nach den vielen Eindrücken des Vormittags, haben wir uns auch einen ruhigen Nachmittag im Shopping Center verdient. Es ist bereits später nachmittag, als wir das Shopping Center verlassen und auf dem Highway holt uns die Dunkelheit ein. Doch auf dem Highway finden wir gut uns sicher zu unserem Tagesziel Chanandaigua.









