Reiseberichte


Indian Summer
In den Neuengland-Staat & New York


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 22nd, 2007

Winzerei Chateau Lafayette Reneau

Wein, Wasser und Irokesen
Tag 7 : Canandaigua – Finger Lakes – Syracuse – Utica

Der nächste Tag begrüßt uns mit warmem Sonnenschein, so daß wir in Canandaigua direkt den Weg zum See suchen. Der Canandaigua Lake ist der westlichste der Finger Lakes und unser Frühstück nehmen wir an einem Picknicktisch an seinem Ufer ein.

Selbst in den Morgenstunden ist es im Pullover bereits angenehm in der Sonne am See. Bei einem anderen Tagesprogramm wäre es uns wahrscheinlich schwer gefallen, ins Auto zu steigen, aber einen wesentlichen Teil des Tages wollen wir sowieso in dieser Region verbringen.

Der Zufall bringt uns wieder einmal zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, denn rund um den Seneca Lake findet u.a. an diesem Wochenende das 8. Deck the Halls statt. Dahinter verbirgt sich ein Tag der offenen Tür aller Weinanbaubetriebe rund um den See und die Möglichkeit, mit einem Unkostenbeitrag von USD 30 bei allen Winzern Weinproben und Speisen einzunehmen.

Mit einer Broschüre der Seneca Lake Region starten wir in Geneva und tasten uns an der Westseite des Sees entlang. Die einzelnen Winzer sind detailliert beschrieben ebenso wie eine Typisierung der Weine, die sie herstellen. Uns fällt die Entscheidung schwer, einige Winerys finden wir nicht, wobei wir angesichts des umfangreichen Angebots auch nicht viel Zeit in die Suche investieren, andere sind optisch zu weit von dem entfernt, was man aus Frankreich von einem Weinbauern erwartet.

Bevor wir uns entschließen haben wir die Südspitze des Sees schon erreicht und wählen auf der Ostseite die Winzerei Chateau Lafayette Reneau. Da wir kein Deck the Hall – Stempelheft haben, müssen wir individuell bezahlen. Je USD 2,50 für die Probe von 12 Weinen inklusive Glas und Ernüchterungsgebäck. Es ist 10 Uhr morgens, unser Magen vom amerikanischen Papptoast nur schwach gefüllt und angesichts der vielen Deck the Hall-Touristen die Zeit knapp bemessen. Claudia läßt schon die ein oder andere Weinsorte aus, ich will durchhalten, merke aber auch, daß mir etwas schwummerig wird.

Schließlich schaffen wir die 12 Weinsorten, finden auch durchaus welche, die uns sehr gut schmecken, nehmen aber nur unsere Gläser mit auf die Reise. Die Einheimischen scheint der Alkohol-Konsum nicht zu stören. Auch wenn der Durchschnitts-Amerikaner sicherlich mehr Kilo auf die Waage bringt als wir beide, sollten 25 Weinproben auch bei diesen die Fahrtüchtigkeit einschränken. Nichts desto trotz pendeln alle mit dem PKW rund um den Seneca Lake.

Wir verbringen zur Ausnüchterung erst einmal einige Zeit im Weinberg, bevor wir uns wieder ins Auto setzen und aus der Reichweite der Deck of Hall Kandidaten verschwinden.

Taughannock State ParkDer parallel verlaufende Cayuga Lake hat ebenfalls seine Winzerein, doch diese lassen wir aus. Wir suchen den Taughannock Falls State Park auf und machen uns auf den Weg durch den Canyon. Der Weg schlängelt sich entlang des nur wenig Wasser führenden Flußbettes. An diesem herrlichen Wochenende sind einige andere Spaziergänger mit uns unterwegs, Reisende dürften wir darunter die einzigen sein. Es ist die falsche Zeit und vielleicht auch der richtige Ort, nämlich einer, der nicht die vermeintlich großen Attraktionen bietet, die die Touristen anziehen, sondern nur die unbekannten …

Die Sonne tut uns gut, ebenso wie der Wind, der uns die letzte Weinseligkeit austreibt. Am Ende der Schlucht überqueren wir eine kleine Brücke auf die nördliche Seite der Schlucht und stehen vor einem kleinen See, der von dem 65 m hohen Wasserfall gespeist wird. Mit einigen anderen Besuchern verweilen wir ein paar Minuten, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Wir passieren unseren Parkplatz und folgen dem Flußlauf bis in ein kleines Hafenbecken, in dem der Fluß in den Cayuga Lake mündet. Wackelige Holzstege ragen in den Naturhafen und vereinzelt liegen noch kleine Fischerboote vor Anker. Uns gefällt es so gut, daß wir erneut rasten. Auf einem der Holzstege lehnen wir uns an und lassen die Landschaft auf uns wirken.

Um die Südspitze des Cayuga Lake setzen wir unsere Fahrt durch die Weinberge fort. Einer unserer Reiseführer empfiehlt uns das Owasco Teyetasta Native American Museum, das am Ostufer des Owasco Lake zu finden sein soll. Uns gelingt es jedoch nicht, das Museum zu finden.

St. Marie among the IroquoisEinen sehr guten Ersatz dafür finden wir allerdings einige Meilen weiter in Syracruse. Am Onondaga Lake Park unweit des gut ausgeschilderten Salt Museum befindet sich St. Marie among the Iroquois, eine im 17. Jahrhundert von französischen Jesuiten errichtete Missionsstation. Für den angenehmen Preis von USD 3,50 erfahren wir mehr über das Leben der Franzosen und Irokesen im Jahre 1656. Auf Frieden und Handel war die Beziehung der Völker aufgebaut – zumindest für einen Zeitraum von 20 Monaten, den die Geschichtsschreibung der Missionsstation abdeckt. Ob die Franzosen die Mission danach freiwillig, unfreiwillig, lebendig oder tot verließen, ist bis heute ungeklärt.

In der Saison, die wir glücklicherweise wieder einmal verfehlt haben, tragen die Mitarbeiter im Freilichtteil des Museums historische Kleidung und berichten den Touristengruppen aus der Vergangenheit. Nach der Saison arbeiten die Mitarbeiter in Straßenkleidung an der Instandhaltung und dem Ausbau der Mission und nehmen sich viel Zeit für die wenigen Besucher. So ergeht es auch uns. Anstatt eines Vortrages entwickelt sich ein angenehmes Gespräch über die Geschichte der Irokesen und Mohikaner. In einer weiteren Hütte, die wir aufsuchen, lodert ein Lagerfeuer, um das drei Arbeiter sitzen und sich aufwärmen. Einer von ihnen hat ein altes Holzbrett vor sich und erklärt, daß es sich um ein Brettspiel handelt, man es hier gefunden hat und es wohl die französischen Missionare mitgebracht hätten, da es in den USA vollkommen unbekannt ist. Wir sind verblüfft, hier einen wissenschaftlichen Beitrag leisten zu können, berichten, daß wir aus Deutschland kommen und über die Verbreitung in Frankreich nichts wissen, es aber in Deutschland sehr populär ist und sich “Mühle” nennt. Die Mitarbeiter der Missionsstation sind interessiert und wir schlüpfen in die Rolle der Lehrer und erläutern die Spielregeln.Vielleicht sollten wir uns sofort die Patentrechte für Nordamerika sichern und auf eine Verdrängung der Pokemons hoffen ?

Als wir St. Marie among the Iroquois zurücklassen wird es bereits dunkel und wir setzen uns ins Auto, um noch einige Meilen bis Utica zurückzulegen, wo wir uns etwas zu Essen und ein Motel für die Nacht suchen.

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