Reiseberichte


Indian Summer
In den Neuengland-Staat & New York


Autor: Jens Freyler
Datum: Sonntag, Juli 22nd, 2007

State Capitol of New York

Stadt, Land, Fluß
Tag 8 : Utica – Albany – Stockbrige – Sturbridge

Den nächsten Morgen beginnen wir früh mit einigen Meilen auf dem Highway 90, den wir nahe Johnstown wieder verlassen. Im Mohawk Valley erstreckt sich hier die Schoharie Crossing Historic Site entlang des Erie-Kanals.

Wir beginnen die Erkundung zwischen Maisfeldern und Picknicktischen am Ufer des Mohawk. Obwohl nur noch 7 der ehemals 14 Bögen des Schoharie Äquaduktes erhalten sind, ist das Bauwerk beeindruckend, welches das Wasser des Eriekanals früher über den Fluß getragen hat. Wir nutzen die einsamen Picknicktische zum Frühstück in der Sonne bevor wir zum Yankee Hill Lock weiterfahren. Viel Vorstellungskraft gehört dazu, daß diese verwahrloste und versandete Schleuse einmal eine entscheidende Rolle im Verkehrssystem des Staates New York gespielt haben soll. Pferdewagen fuhren damals auf den Kanalmauern und haben die Schiffe vorwärtsgezogen. Nur die in einer kleinen Box verfügbare Broschüre und die eigene Phantasie helfen dabei, diesem Ort am Old Erie Canal eine Bedeutung beizumessen.

Wir fahren weiter nach Albany, der kleinen Hauptstadt des Bundesstaates New York und finden einen kostenlosen Parkplatz nahe des Greyhound-Terminal. Den Innenstadtbereich können wir ohne weiteres erlaufen und orientieren uns am State Capitol, durch das regelmäßig Führungen angeboten werden. Wir melden uns für die 12 Uhr-Führung an und haben noch etwas Zeit bis zum Beginn.

Wir fangen unter der Erde an. Alle Regierungsgebäude, die sich um die Empire State Plaza gruppieren, sind durch unterirdische Gänge und Hallen verbunden, die regelmäßig auch für wetterunabhängige Veranstaltungen genutzt werden. An diesem Wochenende ist es ein Autosalon, der zahlreiche Besucher anzieht. Wir schlängeln uns zwischen Fahrzeugen und Menschenmassen hindurch, bewundern einige der überdimensionierten US-Schlitten und gönnen uns einen kleinen Asia-Imbiß.

Direkt aus der Unterwelt fahren wir in den 42. Stock des Corning Tower, auf dem sich eine Aussichtsplattform befindet, von der aus wir Albany, die Adirondack Mountains am nördlichen sowie die Catskills am südlichen Horizont sehen können.

Über die Empire State Plaza laufen wir zurück zum State Capitol und erreichen pünktlich unsere Gratis-Tour durch das Gebäude, das mit 32 Jahren Bauzeit und Kosten von USD 25 Mio. (in 1867 !) sicherlich seine Rekorde hat.

Die Führung ist interessant. Wer allerdings in vollgepropften, rustikalen Fahrstühlen, die von einer fast 100-jährigen Dame mittels eines Seilzuges gestartet werden, um sich dann zitternd und rasselnd fortzubewegen, Platzangst bekommt, sollte sich das mit der Führung vielleicht doch nochmal überlegen.

In Albany ist auch die Glaubensgemeinschaft der Shaker Mitte des 19. Jahrhunderts begründet worden. Mit 20 restaurierten Gebäuden inklusive einer Rundscheune ist das Hancock Shaker Village wohl das beeindruckendste bauliche Zeugnis der Gläubigen. Auf der US 20 überqueren wir die Grenze nach Massachusettes und halten auf dem Parkplatz vor dem Shaker Village. Wie sich die Religionsgemeinschaft finanziert verstehen wir sofort. USD 20 pro Person sollen wir als Eintritt entrichten. Ein Preis, den man vielleicht im Rahmen eines Wochenendausfluges bezahlen kann, aber wenn sich bei einer Reise wie unserer die Eintrittspreise täglich wie an einer Perlenkette aufreihen, muß man auch Abstriche machen. Wir machen sie hier, kehren wieder zurück nach New York und durchfahren das Mount Lebanon Shaker Village, eine noch intakte Ansiedlung der Shaker, in der es genau genommen allerdings nichts außergewöhnliches zu sehen gibt.

Den überraschenden Zeitgewinn legen wir in eine Ansammlung von Antikshops in New Lebanon ohne jedoch fündig zu werden. Nichts desto trotz ist die Zeit gut investiert.Neuengland aus dem Bilderbuch in Stockbridge

Wir überqueren erneut die Grenze nach Massachusettes, wo uns die Berkshire Hills erwarten. Viele idyllische, kleine Städtchen finden sich hier nördlich und südlich der Interstate 90. Wir haben uns Stockbridge südlich der Interstate als Ziel ausgesucht.

Die Hügellandschaft der Berkshires ist abwechslungsreich und die Fahrt abseits der Highways angenehm. Wir sehen nur hier und da ein paar Einheimische in den Nestern, die wir durchfahren, aber keine Reisenden – bis wir in Stockbridge ankommen. In der kleinen Stadt haben wir fast schon Schwierigkeiten einen Parkplatz zu finden. Die Hauptstraßen sind voller Wochenendausflügler, die im November schon versuchen, ihren Geschenkebestand für Weihnachten aufzuforsten. Dafür findet man – falls man einen Parkplatz hat – auch wirklich genug in Stockbridge. Einen Candle Store besuchen wir in der Main Street, der eine unendliche Vielfalt duftender Kerzen feilbietet, stöbern durch einige Seitengassen und kehren schließlich wieder auf die pittoreske Main Street zurück. Neonreklame ist übrigens untersagt in Stockbridge, hier sind die Schilder aus Holz und handbemalt.

Was soll’s, rein in einen Weihnachtsladen ! The american way of Christmas kann extrem kitschig sein, wie man immer mehr auch an den bunt blinkenden Bildern und Lämpchen in deutschen Fenstern sieht. Aber hier sind auch andere Facetten im Angebot. Holzfiguren für an den Weihnachtsbaum und Ausstechformen für Gingerbreadmen. Wir erstehen eine große und eine kleine Form und wissen schon, wie unser Weihnachtsbaumschmuck in diesem Jahr aussehen wird : selbstgebackene Lebkuchenmänner. So ansteckend ist die Vorweihnachtszeit in Stockbridge !

Der Nachmittag neigt sich schon wieder dem Ende zu, als wir den ergatterten Parkplatz wieder freigeben und uns zurück auf den Highway machen. Wir wollen noch etwas näher an Boston heran an diesem Abend, allerdings nicht so nah, daß wir es schon an den Motelpreisen merken. In Sturbridge schlagen wir unser Nachtlager auf und das brauchen wir auch dringend, nachdem wir uns bei einem Chinesen am Dinner-Buffet vergriffen haben.

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