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Kanada in wenige Saetze zu fassen ist nicht moeglich. Das habe ich gerade festgestellt, als ich mit Hilfe von Lonely Planet und Wikipedia versucht habe, ein paar Grundinfos zusammenzusuchen. Das zweitgroesste Land der Erde hat einfach zu viel zu bieten… ich beschraenke mich also erstmal auf Vancouver und BC – hier ein Versuch:
Geographisch liegt Vancouver an der Nordamerikanischen Westkueste ungefaehr auf gleicher Hoehe wie Oesterreich, ca. 200km noerdlich von Seattle. Die Stadt verteilt sich um mehrere Fjord-aehnliche Hafengebiete, wobei sie durch Vancouver Island und tausende kleinere Inseln vom offenen Meer getrennt ist. Der Bundesstaat British Columbia zieht sich von der US Grenze nach Norden bis zum Yukon, der an Alaska grenzt und doppelt so viele Elche wie Menschen pro Quadratkilometer beheimatet (Willkommen in der Pampa!). Im Osten trennen die Rocky Mountains British Columbia von den Nachbarprovinzen, und obwohl Ostkanada großteils Franzoesisch spricht, ist interessanterweise immer noch Queen Elisabeth II das Staatsoberhaupt von Kanada.
Vancouver boomt und brezelt sich gerade fuer Olympia 2010 auf – und ist eine einzige große Baustelle. Dem Verkehrschaos nach zu schliessen werden gerade saemtliche Straßen neu asphaltiert und ich frage mich jeden morgen im Bus, ob ich nicht zu Fuss schneller in der Arbeit waere. Neue Wohntuerme schießen in die Hoehe wo bis vor kurzem noch (huebsche) alte Gebaeude aus der Gruenderzeit standen und das Olympische Dorf entsteht direkt gegenueber von unserer Firma und nimmt uns Stockwerk fuer Stockwerk den Blick von der Dachterrasse auf die Berge.
Die Skyline von Downtown Vancouver erinnert mich mit ihrem silbergrau/jadegruenen Tint irgendwie an Eiszapfen… angeblich soll die Architektur viel Licht in die Straßen reflektieren, was auch irgendwie funktioniert.. glaube ich.
Trotzdem fehlte mir hier nach unserer Ankunft das Licht und die Sonne, die ich von Australien gewoehnt war. Alles war irgendwie kuehl und grau, bis ploetzlich…
Anfang August besuchte mich der Radiomoderator und Reiseexperte Peter Agathakis (der mit einem Hörbuch über New York einen weltweiten Wettbewerb gewonnen hat) in Hanoi, um mit mir gemeinsam die Geschichte “Auf zwei Rädern durch Hanoi” akkustisch aufzubereiten. In seinem Gepäck brachte er ein professionelles Tonstudio im Miniaturformat mit, das uns während der Aufnahmen gute Dienste leistete. Zwei Tage lang fuhren wir auf meinem Motorrad durch die Stadt, immer auf der Suche nach interessanten Möglichkeiten, Hanoi von seiner “geräuschvollen” Seite zu präsentieren. Als begeisterter Hobbyfotograf hatte ich mich bislang immer auf die visuelle Seite der Stadt konzentriert, und der Versuch, sich ausschließlich akkustisch an das Thema anzunähern, stellte eine spannende Herausforderung dar. Ich versuchte mich auch erstmals in meinem Leben als Sprecher, und musste dabei feststellen, dass es sich hierbei um anstrengende Arbeit handelt, denn sie setzt sowohl viel Konzentration voraus, als auch eine gute Stimmbeherrschung. Zwar kann ein Jeder sprechen, doch das alleine macht einen noch nicht zum (guten) Sprecher (so wie auch jemand, der eine Dose Ravioli aufwärmen kann, deswegen noch lange kein guter Koch ist). Nach zwei A4-Seiten griff ich das erste Mal zur Flasche (sie war mit Wasser gefüllt), und nach dem Lesen der gesamten Geschichte gab ich mich dann eine Zeit lang etwas wortkarg.
Wir gingen also auf die Straße, und das ausgesprochen produktiv. Wir nahmen Geschichten auf, wir führten Interviews, und sammelten akkustische Proben und Wortspenden. Der Höhepunkt (aus meiner Sicht) stellte ein Interview dar, das wir während der Fahrt durch den hektischen Verkehr der Stadt aufnahmen. Peter Agathakis moderierte und interviewte, während ich mir alle Mühen gab, seine Fragen zu beantworten, ohne die Unfallstatistik Hanois in schwindelerregende Höhen zu treiben. Hiermit entschuldige ich mich in aller Form bei dem älteren deutschen Touristenpaar, welches ich beim Überqueren des Zebrastreifens aufgeschreckt habe. Meine Güte, hat der geschimpft…
Gemeinsam besuchten wir eine Reihe interessanter Plätze in Hanoi, die ihm diese Stadt auf ganz unterschiedliche Weise präsentierten, darunter auch ein Abendessen bei mir daheim in einem Wohnviertel, in dem westliche Ausländer immer noch Aufsehen erregen. Ha hat groß aufgekocht und uns kulinarisch verwöhnt. Ganz allgemein ist der genießerische Aspekt dabei nicht zu kurz gekommen, denn oft machten wir einen Stopp in gemütlichen Cafes und guten Restaurants, in denen wir uns für die kommenden Stunden stärkten und viel Zeit hatten, uns über fachliche, aber auch private Dinge zu unterhalten.
Auf meiner Homepage habe ich erste Kostproben (darunter oben erwähntes Interview) und Videos von Hanoi online gestellt:
–> Hörbücher – die Zukunft?
–> Vietnam in Bild und Ton
Bevor ich Vietnam vorerst den Rücken kehre, möchte ich noch mit meinem Kollegen Steven Port (der etliche sehenswerte Videos über Vietnam auf You Tube online stellt – siehe auch “Vietnam in Bild und Ton”) die Geschichte “Auf zwei Rädern durch Hanoi” verfilmen. Darauf freue ich mich schon. Das Internet ist ja geradezu prädestiniert, Wort, Bild und Ton zu kombinieren.
PS: Seit der vergangenen Woche sind Ha und ich verheiratet. Schon unglaublich, wie sich diese Geschichte entwickelt hat, oder? ;-)
  
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Ich bin ja nun schon seit Mai in Vancouver, und viel hat sich in der Zeit getan. Ich fange mal von vorne an…
Abflug Sydney. Der Air Canada Pilot flog beim Start extra noch eine Schleife über die ganze Stadt, und über Bondi konnte ich mir ein paar Krokidilstränen nicht verkneifen…
Im Prinzip waren wir schon in Vancouver angekommen bevor wir überhaupt in Sydney weggeflogen sind (der alte Stoiber hatte also doch recht…). Wir sind 17 Stunden rückwärts in der Zeit gereist, Montag Mittag in Sydney los, und Montag morgen in Vanc angekommen. :) Wir hatten uns einen extrem durchdachten Anti-Jetlag Plan zurechtgelegt, nachdem wir spätestens ab Flugstunde 4 schlafen hätten sollen. Leider gabs zu viele gute Filme im Entertainment System…

Als mir der Beamte am Flughafen meine 1-Jahres work permit stempelte wurde mir klar, dass der Urlaub vorbei war. Nach 3 Monaten herumgammeln hatte ich wieder einen Job (der naechste Eastwood Film), mein Leben endlich wieder einen Rhytmus und mein Bankkonto bald wieder Zuwachs.
Ich muss aber zugeben, dass mir die freie Zeit recht gut getan hat. In Bondi am Strand abhaengen, Buecher lesen und Hausfrau spielen waere schon was, woran ich mich gewoehnen koennte… Nun begann sich meine Flipflops Hornhaut langsam zurueckzubilden, nachdem meine Fueße nach 6 Monaten zum ersten Mal wieder Socken und feste Schuhe sahen.
Obwohl auch in Vancouver der Fruehling sein Bestes gab, wurde ich ein bisschen neidisch wenn Papa erzaehlte, wie er am Wochenende bei 30 Grad seinen neuen Gasgrill in der Gartenlaube eingeweiht hat. Bei unserer Ankunft in Vancouver konnte man noch den Schnee der umliegenden Berge riechen und das Thermometer erreichte mit Ach und Weh die 20 Grad Marke, aber die Leute waren trotzdem total gut drauf und super freundlich, weil der Sommer war “on its way”.
Ich verbrachte die ersten Wochenenden hauptsaechlich mit meinem Laptop und jeder Menge tall Latte’s im Starbucks. Jaja ich weiss… man sollte solche Teufelsketten nicht unbedingt unterstuetzen… aber hier hat man halt auch echt keine andere Wahl. Obwohl der Lonely Planet im ersten Satz gleich sagt “Zum Glueck ist in British Columbia der Kaffee gut”, bin ich immer noch auf der Suche nach einem Cafe, das annaehernd der Bondi Qualitaet entspricht. In der Zwischenzeit muss ich eben auf Starbucks ausweichen, denn jeder Block hat mindestens eine Filiale (kein Scheiss!) und wenn man mal akzeptiert hat, dass der kleinste Becher “tall” ist, gewoehnt man sich auch ganz schnell dran.
Aber nicht nur die Kaffeebecher sind hier riesig. In unserer Wohnung in Downtown im 17. Stock, die unsere Firma fuer die ersten 2 Monate gestellt hatte, war alles irgendwie ziemlich amerikanisch und ca. ein Drittel zu groß: in den Kühlschrank haette ich mich reinstellen koennen, in die Mikrowelle passte ein ganzes Bratl und über den 16-teiligen Messerblock haette sich jeder Metzger gefreut. Der “Garburator” – ein in die Spüle eingebauter Hecksler für Küchenabfälle oder unachtsame Hände – war auch ein interessantes Erlebnis fuer mich genauso wie die Badewanne im Schlafzimmer mit Blick auf den offenen Gaskamin für die romantischen Abende zu zweit… hehe :)

Originalkanadisch muesste es eigentlich heissen:
Beans oot and aboot!
Obwohl gebuertig (und im Herzen) Oesterreicherin, ist meine Wahlheimat aus beruflichen Gruenden Muenchen. Im echten Leben bin ich VFX Compositor (bastle Spezialeffekte fuer Kinofilme am Computer) und schreibe und blogge als Hobby nebenher. Vor etwas mehr als einem Jahr hat mich und meinen Freund, der ebenso in der Filmbranche taetig ist, das Fernweh gepackt und wir haben uns fuer Jobs im Ausland beworben. Seither hangeln wir uns von einer grossen Produktion zur naechsten und verbinden so die Pflicht mit dem Vergnuegen – rumreisen, Leute kennenlernen, die Welt sehen und den Horizont erweitern!
Nachdem ich in England studiert (und English Breakfast Tea fuer mich entdeckt) und in Australien gearbeitet (und Tee gegen Kaffee Latte mit Blumen im Milchschaum getauscht) habe, lebe ich jetzt noch bis Ende des Jahres in Kanada (und hoffe noch irgendwas besseres als Starbucks zu finden…).
Mein Englisch ist jetzt ein kulinarischer Mischmasch aus verschiedentsten Anglo-Accents mit einer Prise Oesi verfeinert, und so aehnlich gestaltet sich auch meine Sicht auf die Dinge, ueber die ich hier schreiben will.
Ich werde ab sofort hier auf traveldiary.de (mehr oder weniger regelmaessig) meinen Senf ueber meine kleine grosse Welt abgeben und hoffe ihr kriegt Lust, dieselbige dann auch mit eigenen Augen zu sehen. Ich werde mich auf Reiseerfahrungen beschraenken (naheliegend wenn die Plattform “traveldiary” heisst, nä? ;)
Wer aber wissen will was ich sonst noch so zu sagen habe, kann gerne auf blog.sabinelaimer.net reinschaun.
Kleine Vorwarnung – mein Laptop hat eine englische Tastatur und ihr werdet in meinen Posts keine Umlaute oder Eszetts finden… also gewoehnt euch am besten gleich dran!
Damit ich nicht so weit ausholen muss wie alles begann, hier schonmal als empfohlene Einstiegslektuere mein Reisebericht ueber Beans in Oz.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!
Sabean…

Wir kennen es eigentlich, das übliche Vormessephänomen: Je näher die Messe rückt, desto dringender werdende die Druckaufträge der Verlage, desto überlasteter sind die Druckereien und desto eher gibt es Probleme mit den Lieferfristen.
Und wir erleben es auch Jahr für Jahr, dass UPS und Konsorten im Verlauf der Buchmessen noch schnell die Titel anliefern, die nicht rechtzeitig vorher fertig geworden sind – und manchmal sehen wir dann auch, wie der Verleger sich mit der flachen Hand auf die Stirn schlägt, als er den offensichtlichen Fehler auf dem Cover entdeckt.
Also lieber gut, gründlich, fundiert und zeitgemäß arbeiten!
Und so haben wir in der letzten Woche den ersten Druckauftrag für eine Neuerscheinung gegeben, in dieser Woche 3 weitere und für unsere 5. Neuerscheinung Frankfurt 2009 geht der Druckauftrag Anfang nächster Woche raus.
Doch dann kommt die Überraschung der anderen Art… die Druckereien sind nicht ausgelastet, zwar sind die Mitarbeiter in Urlaub oder Kurzarbeit, doch das interessiert die Maschinen ja wenig. Wo wir sonst schon mal 6 – 8 Wochen – und in ganz dramatischen Phasen auch schon länger – auf die neuen Titel warten mußten, war diesmal der Druck in 1 Woche durch und prombt haben wir unsere erste Neuveröffentlichung schon auf dem Tisch.
Dabei ist “Wasser, Wind und weites Land” kein schneller Titel. Zeit verliert ihre Bedeutung, wenn man sie hat und wenn man mit dem Kanu auf den Flüssen und Seen Alaskas und Kanadas unterwegs ist. Und doch sind wir nun zu ungeduldig, den Titel im Lager unserer Auslieferung zu verstecken und ihn erst Mitte Oktober rauszuholen. Nein, hier ist er!!! Das neue Nordamerika-Kanu-Buch von Arnulf Heimbach!!!
Aber wenn die anderen Titel auch so schnell aus dem Druck kommen, dann reiche ich bei der Frankfurter Buchmesse vielleicht noch ‘ne Petition ein, ob wir sie in diesem Jahr nicht um einen Monat vorverlegen können ;-) 
In drei Wochen läuft mein einjähriger Arbeitsvertrag aus. Dann zieht es mich wieder zurück nach Europa, denn mit Vietnam kann ich mich nicht so wirklich anfreunden. Wieder daheim, werde ich mich nach einem Job umsehen (was in Zeiten allgemeiner Wirtschaftskrise und schwächelndem Arbeitsmarkt eine besondere Herausforderung wird), und dann eine Aufenthaltsgenehmigung für Ha beantragen. Doch vorher möchten wir noch heiraten, Ha und ich. Die letzten Monate waren von einem nervenaufreibenden Behördenlauf geprägt, innerhalb dessen alle Beteiligten desöfteren am Rande eines Nervenzusammenbruchs gestanden sind, und wichtige Dokumente tausende Kilometer zwischen den Kontinenten zurückgelegt haben (ein Dankeschön an die deutsche Post – DHL funktioniert wirklich ausgezeichnet). Ich bekam von der Republik Österreich ein Ehefähigkeitszeugnis (EFZ) ausgestellt, dass im Prinzip gar nichts beweist (Österreich führt nämlich kein Ehestandsregister), aber alle involvierten Beamten irgendwie glücklicher macht (und darum geht es bei diesen Dingen ja auch in erster Linie). Neben viel Tränen und Schweiß gab es aber auch kuriose Geschichten, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Wie zum Beispiel diese:
Wir fuhren in ein städtisches Krankenhaus, um uns den medizinischen Segen für unsere Eheschließung zu holen. Es war eine dieser pro forma Angelegenheiten, und dementsprechend skeptisch war ich auch. Was wollten Sie denn schon beurteilen? Dass wir äußerlich einem Mann und einer Frau ähnelten? Dass wir nicht sterbenskrank waren? Oder ging es um unsere geistige Gesundheit? Dann hatte ich allerdings Grund, mir Sorgen zu machen, denn diese hat nach fast eineinhalb Jahren in Vietnam erheblich gelitten. Vor allem die regelmäßig auftretenden Attacken unbändiger Aggression angesichts des Dauerhupens auf den Straßen oder der idiotischen Fahrweise der Hanoianer bereiteten mir Sorge. Der Arzt musste nur leicht eine Hupe betätigen, und schon würde meine äußere, zur Schau gestellte Fassade zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Dann würde ich mich in einen irren Psychopathen verwandeln, der den Doktor und seine Gehilfen als Geißeln nahm und begleitet von hysterischem Gelächter mit dem OP-Besteck bedrohte.
Es war eines dieser vietnamesischen Einrichtungen, die mit ihrem nüchternen Charakter bestechen. In seiner Gesamtheit erinnerte es mich ein wenig an einen abgenutzten Wiener Gemeindebau aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Obwohl die Gebäude standesgemäß mit Buchstaben nummeriert waren, benötigten wir zehn Minuten, um herauszufinden, in welchem Trakt sich die gesuchte Abteilung befand (manchmal frage ich mich verzweifelt, ob Ha wirklich Vietnamesisch spricht), und, nachdem mir diese Information zur Verfügung stand, eine weitere Minute, um das Gebäude A1 zu finden. Wir gingen hinauf in den vierten Stock, vorbei an Kranken, die auf dünnen Unterlagen auf dem Boden lagen, und Angehörigen, die diese mit dem Nötigsten versorgten oder einfach nur warteten. Patienten werden in ordinären Spitälern nicht einmal mit Essen versorgt, und medizinische Betreuung gibt’s nur, solange Geld vorhanden ist. Es ist kein Zufall, dass jeder, der über das nötige Kleingeld verfügt, in die teureren, von Ausländern geführten Krankenhäuser geht. Schließlich standen wir vor einer Türe, über der ein großes Schild anzeigte, dass es sich um die forensische Abteilung des Krankenhauses handelte. Der gesamte vierte Stock diente ausschließlich chirurgischen Eingriffen. Langsam wurde ich unruhig.
Wie allen Freunden der Krimireihe CSI bekannt ist, beschäftigt sich die Forensik ausschließlich mit Personen, die bereits verstorben sind. Ihre Heilungsrate beträgt daher Null. Es konnte sich eigentlich nur um ein Versehen handeln. Oder? Das Vorhängeschloss, mit dem die Türe versperrt war, signalisierte nicht unbedingt den Beginn der Sprechstunden, aber extensive Konsultationen waren in dieser Abteilung auch nicht zu erwarten: „Wie sind Sie verstorben?“ – Keine Antwort. – „Der nächste, bitte!“.
Nachdem wir zehn Minuten vergebens gewartet hatten, steckte eine Schwester ihren Kopf aus einem Nebeneingang und bat uns herein zu kommen. Wir wurden von Kopf bis Fuß vermessen und füllten ein Formular aus. Dann durften wir ins Nebenzimmer vorrücken, wo ein hemdsärmeliger Arzt an einem winzigen Schreibtisch saß. Zuerst bat er Ha, Platz zu nehmen und ich hörte, wie er ihr ein paar Fragen stellte. Nach drei Minuten kam sie zurück. „Du bist an der Reihe!“
Fein. Er würde mir sicher ein paar Fragen stellen, die ich nicht verstand und daher auch nicht beantworten konnte. Nach zwei ergebnislosen Minuten kam er bestimmt zu dem Schluss, dass ich taubstumm war und legte gegen eine Heirat sein Veto ein. Oder er diagnostizierte Autismus im fortgeschrittenen Stadium. Doch nichts dergleichen geschah. Er nahm eine Blutdruckmanschette, legte sie um meinen Arm und lauschte angestrengt. Dann nahm er sein Stethoskop und hörte meinen Brustkorb ab. Das war es. Kein Sextest, kein Lungenröntgen, keine Hormonanalyse, keine Computertomographie, kein Rohrschachtest. Kein Fragebogen: Wie oft haben Sie Geschlechtsverkehr? Wie viele Stellungen sind Ihnen bekannt? Wie viele praktizieren Sie davon regelmäßig? Sind Sie impotent oder Bettnässer? Sind Sie manisch depressiv? Haben Sie gelegentlich Mordgelüste oder Gewaltfantasien? Und: Helfen Sie im gemeinsamen Haushalt mit?
Ich bin fit für die Ehe.

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Nur damit Ihr wisst, dass für das letzte Wochenende kein Moto-Blog-Eintrag kommt, da waren wir nämlich in Berlin – mit dem Auto. Was nicht heißt, dass man den Blick für außergewöhnliche Motorräder verliert ;-) …

Die Supergrippe ist in aller Munde. Zum Glück nur symbolisch. Kam Asien jahrelang als Ursprungsland der Vogelgrippe (SARS) zu übler Nachrede, so sind es jetzt die Schweine, die weltweit Panik verbreiten. Dabei blieb die Zahl der (menschlichen) Fälle bei beiden Varianten bislang eher gering, und es waren eher unsere gefiederten Mitbewohner, die gerupft wurden. Auch Vietnam verzeichnet regelmäßig Fälle von Vogelgrippe, doch ein paar hundert Erkrankungen in einem Land von über 80 Millionen Einwohnern rangieren unter ferner liefen, würden sie nicht für überdurchschnittliches mediales Aufsehen sorgen. Jede Ausfahrt auf den Straßen des Landes ist ungleich gefährlicher. Doch die Menschheit wird vom wiederholt angekündigten Auftreten einer sogenannten „Supergrippe“ in Atem gehalten, einer Grippe also, die in mehr oder weniger regelmäßig auftretenden Intervallen den Erdball heimsucht (das letzte Mal in Form der bösartigen „spanischen Grippe“, die zwischen 25 und 50 Millionen Todesopfer forderte). Der Begriff „Supergrippe“ dürfte bei vietnamesischen Journalisten gut ankommen, denn sie ziehen ihn allen anderen Lesarten vor. Vielleicht meinen sie, dass die Bezeichnung „Schweinegrippe“ dem Problem nicht wirklich gerecht wird. Zum Zeitpunkt meiner Recherchen zählte das Land 208 registrierte (menschliche) Fälle dieser neuen Grippe. Ferner überlegt auch Vietnam, in das weltweite Rennen zur Entwicklung eines Impfstoffes einzutreten. Woher sie diese Zuversicht nehmen, ist unklar, doch wenn dieses Vorhaben ähnlich gut funktioniert wie andere Maßnahmen in der jüngeren Vergangenheit, dann kommt der nächste Teil von „Resident Evil“ vielleicht ganz ohne Maskenbildner aus.
Vor diesem Hintergrund also traten die Schweine auf den Plan. Von Mexiko aus schickte sich die neuartige Virusmutante A/H1N1 an, die Welt zu erobern, und die unglaublich effiziente Mobilität unserer Epoche trägt wesentlich zur Verbreitung des Virus bei. Mussten die Erreger der spanischen Grippe noch den Bus nehmen, so setzt sich A/H1N1 heutzutage ins nächtbesten Flugzeug und fliegt damit rund um die Welt. Und schrieben sie auch noch Reiseblogs, so lese sich das vermutlich so:
Dienstag, 7. Juli 2009, Mexico City. Ein explosionsartiger Orkan bläst mich jäh und unerwartet in die Umgebung. Während ich verwirrt in der Luft hänge und meine Fortsätze geraderichte, erblicke ich einen müde aussehenden Mann Ende vierzig, der den Mund zu einem weiten Gähnen aufreißt. Der Mann hat Potential. Ich nütze die günstige Luftströmung, die mich geradewegs auf seinen Rachen zutreibt, und als er das nächste Mal die Mundhöhle entblößt, besteige ich meinen neuen Wirten. Mit letzter Kraft klammere ich mich an seine pelzige Zunge und werfe einen letzten Blick zurück auf das nüchterne Flughafenambiente. London Heathrow steht auf der Anzeige, und eine Frauenstimme bietet die Passagiere zum Ausgang. Wie aufregend! Ein Schwall Flüssigkeit spült mich in einen dunklen Gang, an dessen schlüpfrigen Wänden ich in absolute Finsternis hinuntergleite. Verzweifelt kralle ich mich an den feinen Fortsätzen an der Wand fest und klettere langsam den schmalen Schacht empor, wo es sich schon eine Kolonie anderer Mikroorganismen gemütlich gemacht hat. Wohlig warme Wärme empfängt mich und ich schöpfe wieder Hoffnung. An einer ungeschützten Stelle penetriere ich die Schleimhaut und dringe tiefer in meine neue Heimat vor. Von außen ertönt das Dröhnen der Turbinen, und dann hebt das Flugzeug ab. Sprechen Sie in England eigentlich Spanisch?
Ich aber habe mit tierischen Problemen ganz anderer Art zu kämpfen. Kulturfolger sagt die Biologie zu Tieren, die dem Menschen in seinen Lebensraum folgen, und das führt mitunter zu heftigen Interessenskonflikten. Auf unserer Dachterrasse spielt sich Brehms Tierleben ab, denn Wespen bauen kunstvolle wabenförmige Behausungen, und eine aufdringliche Fledermaus baumelt nächtens von der Dachkonstruktion und verteilt ihre Exkremente auf dem Boden. Vielleicht treiben auch Nachtvögel ihr Unwesen, denn unlängst lag eine tote Maus auf der Ballustrade, doch wenn sie als Opfergabe gedacht war, so hat dieser altruistische Akt nicht meine Gunst errungen. Gelegentlich stolpern zentimeterlange Küchenschaben durch das Haus, doch machen sie dabei einen dermaßen verwirrten Eindruck, dass ich sie nicht weiter beachte. An die Jagdspinnen mit den langen, schlanken Beinen, die dann und wann unser Heim besuchen, habe ich mich ebenfalls schon gewöhnt. Sie sind harmlos, denn wann immer sich unsere Wege kreuzen, nehmen sie Reißaus. Offensichtlich passe ich nicht in ihr Beuteschema. Auch eine merkwürdig aussehende Spezies von Würmern von einem Zentimeter Länge, die in einem platten, verkrusteten Gehäuse regungslos auf den Badezimmerwänden kleben, sind nicht weiter lästig. Gott alleine weiß, wo sie herkommen, denn ihr Aktionsradius ist dermaßen bescheiden, dass ich ihnen Namen geben könnte („Schau, Willi ist wieder 1 mm weiter gekrochen!“). Sie bewohnten vermutlich schon vor uns dieses Haus.
Was mich allerdings ärgert, sind die Mäuse und Ratten. Frech schleichen sie sich ins Haus und stehlen alle Lebensmittel, die offen herumliegen. Eines Abends griff ich in meinen Rucksack, um mit einem Snack meinen kleinen Hunger zu stillen, doch als ich das Brötchen hervorzog, fiel mein Blick auf die Bissspuren. Hastig durchsuchte ich den übrigen Inhalt, und siehe da, auch die in Plastikfolie eingeschweißten Würstchen waren aufgebissen und angefressen. Eine Maus in meinem Rucksack! Das war schlimmer als ein Elefant im Porzellanladen. Ich warf die Lebensmittel weg und nahm mir vor, den Rucksack künftig stets verschlossen aufzubewahren.
Gute Vorsätze haben den Nachteil, dass man sie für gewöhlich nicht konsequent einhält, und so wiederholte sich dieser Zwischenfall noch einige Male. Mir war nicht ganz klar, woher die Nager kamen, doch eines Abends hörte ich ein verdächtiges Rascheln aus dem Stiegenhaus. Ich folgte dem Geräusch und sah, wie eine Ratte mit einer leeren Chipsverpackung durch ein niedriges Fenster in der Wand entwischte. Dies war also des Pudels Kern! Rasch verschloss ich die Öffnung (die für ein bisschen Konvektion innerhalb des Hauses sorgen sollte) mit den vorhandenen Glasplatten. Der Fall schien gelöst.
Ich wurde wieder sorglos im Umgang mit meinem Handproviant, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich erneut Opfer eines gemeinen Falls von Mundraub wurde. Die Ratten mussten also noch einen weiteren Zugang kennen. Ein paar Tage später, als ich zu nächtlicher Stunde ins obere Geschoß ging, sah ich eine Ratte aus meinem (beleuchteten) Zimmer huschen. Ich heftete mich an ihre Fersen und beobachtete, nach einer spektakulären Verfolgungsjagd, wie sie im gegenüberliegenden Zimmer hinter einem Kasten durch ein weiteres „Fenster“ entwischte. Nie hatte ich damit gerechnet, dass die Tiere durch diese Öffnung mehr als fünf Meter über Straßenniveau eindringen konnten, doch ich staunte, wie geschickt sie durch das Gitter turnte und ins dahinterliegende Nichts verschwand. Unglücklicherweise war eine der Glasplatten zerbrochen, und so mussten wir eine neue besorgen. Doch als diese eingepasst war und die Öffnung hermetisch abriegelte, erledigte sich das Problem ein für alle Mal (ich weiß, Sherlock Holmes hat spektakulärere Fälle gelöst). Dafür müssen wir fortan mit einem Viertel der frischen Luft im Haus auskommen, doch da die Luft in Hanoi ohnehin nicht sehr frisch ist, hält sich der Schaden einigermaßen in Grenzen.
Was jetzt noch bleibt, sind die gelegentlichen kleinen Mäuse, die durch einen defekten Ventilator in die Küche eindringen, und denen wir mit einer Käfigfalle zu Leibe rücken. Ha bringt die (lebenden) Tiere zu Madam Van, die sie an Suppenküchen weiterreicht. Angeblich sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil der Suppe, aus der Pho, die Mutter aller Suppen, gekocht wird. Seitdem ich das weiß, hält sich mein Verlangen nach diesem Gericht in Grenzen.
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Kaizen? Was war nochmal Kaizen? Irgendwas asiatisches. Doch was hat Hamburg mit Asien zu tun? Oh, so einiges!
Indien, China oder Japan? Kaizen stammt aus dem Japanischen und bedeutet den Wandel zum Besseren. Dabei folgt es der Lehre, dass solche ein Wandel nicht sprunghaft durch Innovation erfolgt, sondern es eine Philosophie der ewigen Veränderung gibt. Na, ob Ihr ohne Innovation den Walkman erfunden hättet?
Und was hat das mit Hamburg zu tun?
Nun, in einem von Hamburgs zahlreichen Kanälen liegt nun auch etwas, dass sich nach eigener Bekundung dem Kaizen verpflichtet hat – aber Kai10 heißt – eine schwimmende Lounge zu Füßen des Marriott Hotels (und von diesem betrieben) in der Hamburger City Süd. Eigentlich nicht die beste Lage, doch wenn man ein paar Meter weg von der viel befahrenen Amsinckstraße bei leichter Loungemusik in Korbsesseln fleezt, das Wasser um einen rum ist, die Möwen über einem kreisen, man einen Cocktail vor sich hat und der Koch des Marriott den Pangasius im Buchenspan auf dem Barbecue dreht, wer kann da noch die Straße hören oder die Abgase riechen?
Schade nur, dass bisher (!!!) die Lounge nur Dienstags zum After Work geöffnet ist und man schon pünktlich um 18:00 Uhr da sein muss, um wirklich einen Platz im Außenbereich des Luxuspontons zu bekommen (könnte bei Regen besser klappen mit den Plätzen draußen). Aber selbst wer später dran ist oder die Location bei kühleren Temperaturen ansteuert, es gibt ja noch den Innenbereich – und den sogar teils unter Wasser im “Sub Zero”, das man sich gut als Minidisko vorstellen kann.
Doch gut zu wissen, dass Hamburg wieder mal eine ausgefallene Attraktion mehr hat – fragt sich nur, was sich hieran noch zum besseren kaizen lässt…?
Viel zu spät ist in diesem Jahr der Monsun in Bombay angekommen! Freitag und Samstag hat es hier sehr heftig geregnet, so wie ich mir vorher den Monsun auch vorgestellt habe… Bisher hatte der Regen allerdings auf sich warten lassen. Üblicherweise beginnt dieser Mitte Juni und die Wettervorhersage verschob den Beginn des Regens von einer Woche auf die nächste (einige Dinge sind also doch nicht so anders als in Deutschland ;-)). Aber nun kann man mit Fug und Recht behaupten: The rains arrived in Bombay, finally!
Hier die Impressionen vom Samstag, gefilmt von meinem Balkon:
Regen, Regen und nochmals Regen…gepaart mit heftigem Wind. :-) Leider führt so starker Regen in Bombay auch immer zum Chaos, so dass Züge zeitweise gar nicht mehr fahren konnten, Strassen komplett geblockt waren und eigentlich für Stunden gar nichts mehr ging. Im Süden, also dort wo ich wohne, ist es in der Regel nicht so schlimm, aber in den suburbs herrschte Chaos:
Der Regen hat lange auf sich warten lassen, aber trotz des Chaos’ sind alle froh, dass er nun endlich da ist. Wasser ist in Indien wie flüssiges Gold und in den letzten Wochen schien es komplett zu versiegen. Wäre der Regen für weitere 2 Wochen ausgeblieben, hätte eine “official drouht” ausgerufen werden müssen. Das ist nicht nur unbequem aufgrund der Wasserrationierung, sondern für Millionen Inder auch lebensbedrohlich. Deshalb und auch wegen der viiiiiiiiiiel angenehmeren Temperaturen habe auch ich den Beginn des Monsuns 2009 gefeiert! Let it rain… :-)
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