Auszug aus
dem Buch

Tagebuch eines Aussteigers

- hier bestellen -
Schaffnerinnen im Schnellzug Shinkansen,
Japan
Japan

Die Reiseroute im Land war wie folgt: Tokio, Berg Fujiyama, Hiroschima, Mijaschima wieder Hiroschima, Kyoto und zurück nach Tokio. Die Währung in Japan ist der Yen. Für einen US Dollar habe ich 106 Yen erhalten.

Den besten Kurs zum Geld wechseln erhielt ich erstaunlicherweise nicht innerhalb des Landes Japan, sondern in Indonesien. Zum Glück hatte ich dort relativ viel Geld umgetauscht. Ich hatte den Tip, Geld außerhalb Japans zu wechseln in einem Buch gelesen. Der Aufenthalt hat mich 1.500 DM gekostet. Der Flug nach Japan und zurück ist dabei nicht eingerechnet. Alles in allem war Japan wohl das teuerste Land, das ich bereist hatte. Rucksacktouristen habe ich in Japan selten getroffen.

Am 10. Juni bin ich von Indonesien, genauer gesagt Insel Bali aus, nach Japan gestartet. Mit einer Zwischenlandung in Jakarta in Indonesien hat der Flug 10 Stunden gedauert. Dieser Flug allein hätte 750 US Dollar gekostet aber ich hatte das Flugticket ja schon in Deutschland gekauft. Gelandet bin ich dann auf dem Narita Flughafen in Tokio. In dem dortigen Touristeninformationszentrum wurde ich großzügig mit Landkarten und Informationsmaterial über Japan versorgt.

Anschließend ging es mit dem Zug in die Innenstadt Tokios. Das hat zwei Stunden gedauert. Die Zugkarten waren am Fahrkartenautomaten zu lösen. Dies war kein Problem, da die Beschriftung des Automaten auch in Englisch war.

Ich wusste, dass ich in der Innenstadt an einem großen Bahnhof umsteigen musste. Der Name war Tokiostation. Auf der Fahrt im Zug dorthin kam ich mit einem Japaner ins Gespräch. Dieser konnte perfekt Englisch sprechen und malte mir netterweise einen Plan des Bahnhofes. Er meinte, dann hätte ich es beim Umsteigen einfacher, und ich musste ihm recht geben. Denn die Tokiostation ist tatsächlich sehr groß. In mehreren Etagen fahren die Züge ein. Von hier aus kann man mit dem Zug in alle Landesteile Japans und auch überall innerhalb Tokios hinfahren. Hunderte von Zügen fahren von hier aus täglich los. Zehntausende von Menschen steigen hier in 24 Stunden ein, um oder aus. Als ich in der Tokiostation das erste Mal war, habe ich zuerst über die vielen Leute gestaunt. Alle hatten es eilig und die Menschen liefen kreuz und quer wie in einem Ameisenhaufen durcheinander. Die meisten waren gut angezogen. Das Hauptverkehrsmittel in Tokio ist meines Erachtens der Zug, beziehungsweise die U-Bahn. In der sogenannten Rush-hour ging es in der Tokiostation äußerst lebhaft zu.

Um sich alleine in Tokio zurechtzufinden, benötigt man einen Stadt- und einen Zugfahrplan. Das mit den Zügen ist dann recht einfach. Es gibt Züge die fahren nur oberirdisch und andere fahren nur unter der Erde. Manche fahren teilweise ober und unter der Erde. Dann gibt es verschiedene Zuggesellschaften. Ein Ticket kann auch für mehrere verschiedene Gesellschaften gelten oder auch nicht. Die Züge haben teilweise verschiedene Farben. An den Farben kann man erkennen, ob sie an jeder Station halten oder nur an den großen Bahnhöfen. Und Vorsicht! An kleineren Bahnhöfen gibt es manchmal zwei Gleise und die Züge fahren von dort aber nur in eine Richtung los. Zudem war manchmal der Zugfahrplan nur in Japanisch geschrieben. Also ganz einfach, oder? Zur Not habe ich Japaner gefragt, wo ich einsteigen muss.

Die erste Nacht in Tokio habe ich in der internationalen Jugendherberge verbracht. Diese liegt sehr zentral und man hat zudem eine tolle Aussicht. Außerdem sind Jugendherbergen die billigste Möglichkeit zum Übernachten. Eine Nacht kostet dort 2.500 Yen, also ungefähr 40 DM. Willkommen in Japan! Ich habe fast immer in Jugendherbergen übernachtet. Dort habe ich in der Regel nur Japaner getroffen, oft auch welche im Rentenalter. In den Herbergen regiert allerdings die Uhr. Zum Beispiel geht der Tagesablauf folgendermaßen zu:

Wecken 6 Uhr. Baden 6 bis 7 Uhr. Frühstück 7 bis 8 Uhr.
Spätestens um 9 Uhr muss man die Jugendherberge verlassen. Geöffnet wird dann wieder um 15 Uhr. Abendessen 18 bis 19 Uhr. Baden 19 Uhr bis 21 Uhr.
Floating Market
Ywama, Myanmar
Myanmar

Seit 1852 war dieses Land eine britische Kronkolonie. Mittlerweile hat eine Militärregierung die Regierungsgewalt übernommen. Myanmar ist ein wenig entwickeltes Agrarland. Nennenswerte Industrieansiedlungen gibt es so gut wie keine. Es wird zum Beispiel viel Teakholz exportiert. Die Infrastruktur ist nicht gut ausgebaut. Es gibt aber noch ein von den Briten ausgebautes Schienennetz.

In Myanmar, welches früher Burma hieß, bin ich vom 6. bis 20. September gewesen. Für das Land erhält man leider nur ein 14 Tage Visum, das meiner Erachtens viel zu kurz für ein so interessantes Land ist. Dieser Trip hat mich 250 US Dollar gekostet.

Der Flug von Thailand nach Burma und zurück inklusive Visa hat noch mal 218 US Dollar gekostet. Das Land habe ich gemeinsam mit zwei Studenten bereist.

Die Reiseroute in Burma verlief folgendermaßen:
Rangoon, Thazi, Yaungwhe, Shwenyaung, Heho, Inle-See, Ywama wieder Yaungwhe, Mandalay, Ayeyarwady-Fluß, Bagan. Berg Popa wieder Thazi, Rangoon, Bago und nochmals Rangoon. Burma gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt, aber die Leute machen alle einen glücklichen Eindruck. Der Monatsnettoverdienst beträgt 1000 bis 1.500 Kyat das sind ungefähr 10 bis 15 US Dollar.

In den ländlichen Gegenden gibt es auf den Straßen mehr Ochsenkarren als Autos und diese fahren übrigens auf der rechten Seite genauso wie in Deutschland.

Normalerweise fahren die Autos in den asiatischen Ländern links, das war auch in Burma früher mal so, als es noch von den Engländern besetzt war. Sobald dann aber die Briten abgezogen waren, haben die Burmesen gesagt: Alles was uns an die Engländer erinnert, wird rigoros abgeschafft. Das heißt alle Städte erhielten neue Namen, und man fährt nicht mehr links sondern rechts. Basta! Außerdem heißt das Land nun nicht mehr Burma, sondern wie schon erwähnt Myanmar.

Das Reisen in Burma unterscheidet sich grundlegend von dem Reisen in anderen Ländern, denn es gibt eine staatliche Reiseorganisation genannt MTT(Myanmar Tours and Travel). Alle Hotels, wo man übernachten muss, sind MTT-Hotels mit dementsprechenden Preisen, nämlich 8 bis 15 US Dollar pro Nase. Jedes Hotel registriert jeden Gast genau und lässt sich den Reisepaß zeigen, um die Nummer des Passes und die Nummer des Visums aufzuschreiben. Es ist verboten in "Nicht-MTT-Hotels" zu übernachten, die aber sehr viel billiger wären.

Zudem darf man leider viele Gebiete Burmas, wie zum Beispiel alles nördlich von Mandalay und den südlichen Landesteil nicht bereisen. Sogar auf dem Inle-See gibt es eine unsichtbare Grenze im Südteil des Sees, die nicht überschritten werden darf.

Nach der Landung in Rangoon muss jeder Tourist noch am Flughafen 200 US Dollar in eine spezielle Währung umtauschen, genannt FEC. (Foreign Exchange Currency) Das heißt soviel wie "Geld nur für die Ausländer" Das hat mich dann sofort an China erinnert, denn da war es genauso. Diese FEC-Geld ist nur für Touristen erschaffen worden. Nur mit diesem Geld kann ein Tourist normalerweise Zugfahrkarten und Fährboottickets kaufen sowie Hotelrechnungen bezahlen.

Die Einheimischenwährung dagegen ist der Kyat. Übrigens, eine Besonderheit in Burma mit dem Geld ist, dass es keine Geldstücke gibt, sondern nur Geldscheine. Die Geldscheine gibt es in Stückelungen von 5, 9, 10, 15, 45, 90 und 200.

Diese ungeraden Geldscheine sind gedruckt worden nur weil ein General von Burma glaubt, dass dies seine persönlichen Glückszahlen sind. Rechnungen mit diesen ungeraden Scheinen zu bezahlen, ist aber nicht gerade ein Vergnügen, denn wer weiß schon auf Anhieb wieviel Geld er als Wechselgeld zurückbekommt, wenn zum Beispiel eine Rechnung über 165 Kyat mit 45 Kyatscheinen bezahlt wird?

Offiziell kann ein Tourist auf der Bank auch Kyat bekommen, und zwar für 1 US Dollar 6,6 Kyat. Auf dem Schwarzmarkt dagegen bekommt man einen deutlich besseren Kurs, nämlich 1 US Dollar = 115 Kyat, das ist fast das 20-fache. Ich habe daher nur auf dem Schwarzmarkt getauscht. Falls ich dabei erwischt worden wäre, wäre ich straffrei ausgegangen und der Burmese hätte dafür drei Jahre Gefängnis gekriegt. Nun fragt man sich warum gibt es diese zwei Währungen? Ganz einfach! Zum Beispiel hat die Zugfahrt für mich als Tourist von Rangoon nach Thazi 27 FEC gekostet, das sind also 27 US Dollar. Ein Einheimischer zahlt für das gleiche Ticket 180 Kyat, das sind also 1,5 US Dollar. Der Tourist zahlt also in der Regel für Zug, Hotel und Fährboote das 20 bis 25-fache wie der Burmese. Dieses Mehrgeld, das der Reisende bezahlt geht leider an die Militärregierung, denn man muss bei der Einreise am Flughafen 200 US Dollar in FEC umtauschen. Die FEC sind natürlich außerhalb Burmas wertlos und die US Dollar welche der Staat Burma erhält sind eine harte international sichere Währung.

Mit Kyat bezahlen kann ein Tourist in der Regel nur außerhalb der großen Hotels in Straßenrestaurants und auf Märkten. Dort kostet zum Beispiel 1 Suppe 20 Kyat, 1 Brot 20 Kyat, 1 Wasserflasche 20 Kyat und eine gute Mahlzeit mit Fleisch, Reis und sonstigen Zulagen 40 bis 120 Kyat. Und hier nochmals zur Erinnerung, am Schwarzmarkt war 1 US Dollar 115 Kyat.

Die erste Stadt, in der ich in Burma war, hieß wie gesagt Rangoon. Die Stadt ist erstaunlich sauber mit breiten Gehwegen und gut asphaltierten Straßen. Links und rechts neben den Straßen waren oft Bäume gepflanzt und alles in allem machte die Stadt einen gepflegten Eindruck.

Noch am Tag der Landung bin ich mit dem Zug in zwölf Stunden von Rangoon nach Thazi gefahren. Unterwegs stoppte der Zug an mehreren Bahnhöfen. Dort verkaufen Frauen und Kinder an die Reisenden durch die offenen Zugfenster Essen und Trinken. Die Waggons, allerdings nur die Waggons auf dieser Fahrt waren innen sehr komfortabel. Es gab gepolsterte Liegesitze und die Waggonfenster bestanden aus zwei Teilen, innen Glas und außen Metall zum abdunkeln.

Die Gleise dagegen waren schlecht verlegt, denn beim Fahren sind die Waggons so hin und her gehopst, dass es nur unter Lebensgefahr möglich gewesen wäre, von einem Waggon in den nächsten zu gehen. Morgens bin ich dann etwas gerädert in Thazi angekommen. Von dort ging es dann mit dem Bus weiter nach Yaungwhe, die Fahrt dauerte sieben Stunden und führte über einen schönen Pass. Der Bus war total mit Leuten und Gepäck überfüllt.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Bus von Yaungwhe nach Shenyaung, das heißt eigentlich wollte ich mit dem Bus von Yaungwhe nach Shenyaung, aber unterwegs machte es während der Fahrt plötzlich "knacks" und wir fuhren beziehungsweise rutschten nur noch auf drei Rädern weiter. Das hintere linke Rad mit Felge hat sich während der Fahrt gelöst.

Zum Glück war der Busfahrer ein Profi, der sein Handwerk verstand und der Bus geriet nicht von der Fahrbahn ab. Somit wurde auch niemand verletzt. Alle stiegen aus und haben dumm geguckt. Keiner hat geschimpft und der Busfahrer zusammen mit ein paar Businsassen haben sofort begonnen, den Schaden zu reparieren. Da ich nicht gewusst habe, wie lange das dauert, ging es eben mit einer Pferdekutsche weiter nach Shenyaung.
Autor: Martin Paech